Die Schule zu bauen war nicht seine erste Priorität. Das Projekt bot Johannes Trost aber einen Einstieg in die Entwicklungshilfe. Nach einer mehrmonatigen Reise durch Äthiopien fand er sich damals im kleinen Ort Koyo in der Grundschule wieder – und wunderte sich sehr. Der in Abtsgmünd aufgewachsene Trost war nach eigener Auskunft ein eher schlechter, disziplinloser Schüler. Nun sah er sich in Koyo konfrontiert mit sehr motivierten äthiopischen Schulkindern, die trotz unschöner Verhältnisse wie einem langen Schulweg, dunklen und vollen Klassenräumen sowie beengten Verhältnissen täglich gern zum Unterricht erschienen.

Johannes Trost wollte die Lehrumstände verbessern, er regenerierte Spenden. Zu nennen ist in erster Linie eine Großspende über 40 000 Euro von der Rainer-Meutsch-Stiftung. Als das Geld zugesagt war, legte er mit einem befreundeten deutschen Zimmermann los.

Sieben Monate Bauzeit

Seit zwei Wochen ist er zurück, bei den Eltern in Bühlerzell-Grafenhof. Er zeigt Fotos auf dem Laptop von der fertiggestellten Schule, die blau-rot gestrichen und mit vielen Fenstern sehr einladend wirkt. Kinder halten Taschen hoch, „sponsored by Schuh Kauffmann“ steht darauf. Das Geschäft in Bopfingen hat die neuen Schultaschen gespendet. Sieben Monate hat Trost auf der Baustelle verbracht, dabei ein Semester und sein WG-Zimmer in Frankfurt sausen lassen, wo der 25-Jährige Soziologie und Ethnologie studiert.

„Das Land ist krank“, sagt er bei seiner Rückkehr. „Der Bau der Schule kann nur ein Anfang sein. Wichtig ist, eine Hilfe zur Selbsthilfe aufzubauen, einen neuen Wirtschaftszweig, mit dem die Menschen ihre Probleme in den Griff bekommen.“

Bühlerzell

Ein Problem ist das schlechte Trinkwasser, ein anderes ist die starke Erosion. Während der Starkregenzeit von Juni bis September bricht die Erde stellenweise bis zu 40 Meter tief ein und bildet in der Mitte einen Krater, durch den das Wasser abfließt. Die Äthiopier rund um die Gemeinde, die ausschließlich von Landwirtschaft leben, verlieren dadurch große Teile ihrer lebenswichtigen Ernte. Durch eine Art Wellenbrecher, die in den Ablauf gesteckt werden, soll die Erosion aufgehalten werden. Das ist aber nur eine kurzfristige Hilfsmaßnahme.

Langfristig, so hat es Johannes Trost mit Fachleuten vor Ort, unter anderem einem Freund aus Berlin besprochen, kann dem Land nur geholfen werden, wenn tiefwurzelnde Bäume gepflanzt werden. Bei der Pflanzung des dort typischen Eukalyptus müsse auf Nachhaltigkeit Wert gelegt werden, außerdem sollen Obstbäume für eine Bodenstärkung sorgen und gleichzeitig die Menschen mit vita­minreichen Nahrungsmitteln versorgen.

Die Gemeinde will die Probleme lösen und hat mit dem Geld des Vereins „zukunftsgedanken“ Setzlinge gekauft. Zuerst wird in einem Pilotprojekt das Gelände rund um de Schule bepflanzt. Um die Kinder mit in die Verantwortung zu nehmen, wurde eine Arbeitsgemeinschaft, der „Greenclub“, gegründet. Schüler kümmern sich um ihre Bäume.

Um weitere Setzlinge zu beschaffen, benötigt Johannes Trost rund 3500 Euro, die er vor allem im Internet, auf Seiten wie betterplace.org, generieren will. Weitere Gelder werden gebraucht, um die „Wellenbrecher“ aufzustellen; außerdem für den Bau von Zäunen, damit das überall freilaufende Vieh nicht die frischen Sämereien auffrisst.

Ein weiteres Großprojekt des engagierten jungen Mannes, der begeistert von der Freundlichkeit und Lebensfreude der Äthiopier spricht, ist der Bau eines Brunnensystems. Das wird eine große Baustelle. Aber wenn Trost davon erzählt, scheint alles irgendwie leicht zu sein.

Info Wer das Projekt unterstützen möchte, findet auf zukunftsgedanken.de weitere Informationen. Ein Spendenkonto wurde bei der VR-Bank Aalen eingerichtet. IBAN: DE 20 614 901 500 664 946 003

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Michelfeld