Sicherheit Nach tödlichem Unfall: Landratsamt hält zusätzliche Sicherung nicht für notwendig

Landkreis / KARSTEN DYBA 19.11.2013
Eine Leitplanke wünscht sich Rudolf Arnold aus Ilshofen an der Otterbachbrücke bei Oberscheffach, wo sein Enkel tödlich verunglückte. Nicht nötig, sagt das Landratsamt und beruft sich auf eine Richtlinie.

Es habe bisher zwei Unfälle an der Otterbachbrücke gegeben, schreibt die Dezernentin für Recht und Ordnung, Martina Steinecke. "Die Ursachen für den Motorradunfall in diesem Jahr sind nicht nachvollziehbar". Steinecke antwortete damit auf eine Anfrage der Grünen-Kreisrätin Claudia Kern-Kalinke. Eine Verkehrsschaukommission habe die Unfallstelle begutachtet. "Die betreffende Kurve ist aus Richtung Oberscheffach gut einsehbar. Leitpfosten sind vorhanden."

Durch den Motorradunfall am 28. Juni hat Rudolf Arnold seinen Enkel verloren. Der 18-Jährige war an jenem Abend mit seinem Motorrad unterwegs. Ohne Spuren zu hinterlassen, war er mit seiner Maschine von der Straße abgekommen, im Otterbach gelandet und seinen Verletzungen erlegen. Am nächsten Morgen wurde er gefunden.

Kreisrätin: Antworten sind "behördlich kalt"

Mit einer Leitplanke hätte der Unfall zwar nicht vermieden, sein tödlicher Ausgang aber verhindert werden können, glaubt Arnold. Er fordert, das Landratsamt möge sämtliche vergleichbaren Brücken im Kreis überprüfen und, wo noch nicht vorhanden, mit Leitplanken versehen, um anderen dasselbe Schicksal zu ersparen.

Das Landratsamt sieht dort keinen Handlungsbedarf: "Eine Sicherung mit Leitplanken ist nach der derzeit gültigen Richtlinie für passive Schutzeinrichtungen nicht erforderlich", schreibt Steinecke. Bei der Kreisstraße 2665 zwischen Oberscheffach und Jagstrot handele es sich um eine kurvige Strecke. Die Dezernentin betont, dass Verkehrszeichen darauf hinweisen. Die übrigen, zum Teil sehr engen Kurven seien gesichert, aber mit der Unfallstelle nicht zu vergleichen.

Weil aber nicht auszuschließen sei, schreibt Steinecke in ihrer Stellungnahme an die Kreisrätin, dass Arnolds Enkelsohn "den Straßenverlauf falsch eingeschätzt hat, werden wir aber noch zusätzliche Kurvenleittafeln aufstellen".

Zwei Monate hatte das Landratsamt gebraucht, um auch Arnold zu antworten. Seinen Brief an Landrat Gerhard Bauer hatte Arnold bewusst als offenen Brief deklariert, damit er nicht in der Schublade verschwindet. Als er keine Antwort erhielt, wandte er sich ein zweites Mal an den Landrat. Das Landratsamt bedauere den tragischen Unglücksfall, antwortete Stabsstellenleiter Steffen Baumgartner, doch sei eine schriftliche Korrespondenz über Zeitungen "nicht zielführend". Schreiben an den Landrat würden selbstverständlich beantwortet. Es sei jedoch kein solches eingegangen. Baumgartner wertet Arnolds Schreiben als Leserbrief, und "Leserbriefe jedweder Art beantwortet das Landratsamt grundsätzlich nicht."

"Das ist grundfalsch", ärgert sich Arnold, "das ist doch keine Haltung." Zwar sei unbekannt, warum sein Enkel verunglückte, doch müsse man sich wenigstens Gedanken machen, wie sich ein solcher Unfall künftig verhindern ließe. Auch auf telefonische Nachfragen habe er keine befriedigenden Antworten erhalten, sagt Arnold. "Ich finde, man müsste mal versuchen, hier mehr Offenheit zu schaffen."

Als "behördlich kalt" bezeichnet die Kreisrätin Kern-Kalinke die Antworten aus dem Landratsamt. Sie kündigt an, heute im Kreistag noch einmal das Wort zu ergreifen. "Ich kann da nicht Ruhe geben."

KOMMENTAR: Bitte mehr Bürgernähe!
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