Schwäbisch Hall Heimbacher Hof bekommt eine neue Attraktion

Der hölzerne Drachen speit kein Feuer, sondern bläst ordentlich Qualm. OB Hermann-Josef Pelgrim und Mitarbeiter der Einrichtung eröffnen zusammen mit Kindern des Ferienprogramms das Werk von Daniel Rieker.
Der hölzerne Drachen speit kein Feuer, sondern bläst ordentlich Qualm. OB Hermann-Josef Pelgrim und Mitarbeiter der Einrichtung eröffnen zusammen mit Kindern des Ferienprogramms das Werk von Daniel Rieker. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 30.08.2018
In der städtischen Kinder- und Jugendeinrichtung wird eine neue Attraktion eröffnet. Nach dem großen Brand im Mai herrscht aber noch Wehmut.

Der große Innenhof des Heimbacher Hofs wirkt kahl. Einst war er von allen Seiten mit Gebäuden umringt. Nun fehlt der Werkstattbau, der Anfang Mai abgebrannt ist. Die Trümmer der Brandruine sind längst abtransportiert. Sylvia Betsch, neben Michael Theimel Leiterin der städtischen Kinder- und Jugendeinrichtung, kommt mit der neuen Atmosphäre auf den sonst mit Leben gefüllten Platz noch nicht klar. „Ich habe in all den Jahren hier nie die Straße gehört.“ Jetzt ist jedes Fahrzeug auf der Bundesstraße zu sehen und hören. Der Platz wirke ungeschützt. „Zentraler Ort ist nun unten auf dem Spielplatz.“ Betsch deutet auf ein knapp 100 Meter entferntes, begrüntes Areal westlich des Heimbacher Hofs.

In Flammen aufgegangen

Dort tummeln sich diese Woche 128 Kinder beim zweiten Block des städtischen Sommerferienprogramms. Die Mitarbeiter mussten sich einiges einfallen lassen, um das jeweils zweiwöchige Programm zu stemmen. Denn viele Materialien, etwa jene in der Werkstatt, sind in Flammen aufgegangen.

Die meisten Angebote sind nun draußen. Bisher hat es auch nicht geregnet, und das Motto Dschungel, das bereits vor dem Brand bestimmt worden war, passt hervorragend in das von etlichen Bäumen umringte Areal.

12.000 Bälle zum Chillen

Betsch führt dennoch in eine Scheune neben der einstigen Brandruine. „Zwei Balken im Dach hatten ebenfalls Feuer gefangen. Das wurde nun gerichtet.“ Im Raum sind inzwischen etliche Materialien und Spielzeug fein säuberlich einsortiert, zum Teil Spenden von Haller Vereinen, Firmen und Privatleuten. Dann führt Betsch in eine andere Scheune, die zu einem Chill-Out-Bereich umfunktioniert wurde – samt Couch, Flugzeugsitzen und einem großen Bällebad. „Wir hatten schon ein paar Bälle, haben aber noch 8500 angeschafft. Eine super Investition.“ Vor allem die etwas älteren Kinder liebten es, zwischen den 12.000 Kugeln zu liegen und zu quatschen.

Für die Jüngeren kommt an diesem Montag eine neue Attraktion hinzu: Gegen Nachmittag versammeln sich die Kinder vor dem großen hölzernen Drachen unten auf dem Spielplatz. Oberbürgermeister Herrmann-Josef Pelgrim begrüßt sogleich den „Drachen-Zähmer“ Daniel Rieker vom gleichnamigen Holzbauunternehmen, der das grüne Ungetüm erschaffen hat.

Eigentlich war es nur darum gegangen, die baufällige alte Spielhütte zu ersetzen, berichtet Rieker. Als der Untermünkheimer mit dem Bau begonnen hatte, sei es nebenan zum Brand gekommen. „Ich dachte, ich muss jetzt etwas Besonderes für die Kinder machen.“ Zeitgleich war der Stadt aufgefallen, dass mehr Geld zur Verfügung steht. Das Spielhaus  bekam also nicht nur vier Wände und ein Dach, sondern entwickelte sich durch Riekers Ideen nach und nach zum Drachen.

Geld stammt aus einer Spende

Pelgrim ergänzt, dass die 27.000 Euro, die die Stadt investiert hat, durch eine Spende der Firma Knauf bereits im Hospitalhaushalt zweckgebunden für die Jugendarbeit hinterlegt waren. Darauf habe die Stadt zugegriffen, um ein zusätzliches Angebot für die durch den Brand gebeutelte Einrichtung zu schaffen.

Zur Eröffnung singen die Kinder und streicheln den Drachen wach, der eine Rauchwolke aus­spuckt. Angst haben müssen die Kinder aber nicht. Sie durchschauen schnell, dass der Qualm aus der Nebelmaschine in der Schnauze stammt.

In den nächsten Wochen soll es im Heimbacher Hof Schlag auf Schlag weitergehen. „In der zweiten Schulwoche, am Donnerstag, 20. September, beginnen wieder unsere offenen Angebote am Nachmittag“, berichtet Michael Theimel. Diese wurden mit dem Brand eingestellt.

Genehmigung nötig

Noch wartet die Einrichtung auf mehrere Container, die zwischen Heimbacher Dorfstraße und Hof-Disco aufgestellt werden sollen. „Das hat sich verzögert, weil auch für die provisorische Einrichtung ein reguläres Baugenehmigungsverfahren nötig ist“, teilt Edgar Blinzinger mit. Er ist städtischer Fachbereichsleiter für Jugend, Schule und Soziales. Ziel ist ein dauerhafter Ersatzbau für den Heimbacher Hof. Baubeginn ist für 2019 geplant.

Planungen für Neubau laufen

Am 11. Mai 2018 steht die Spielscheune des Heimbacher Hofs in Flammen. Innerhalb kürzester Zeit brennt das historische Gebäude der städtischen Einrichtung nieder. Es wird niemand verletzt, obwohl an diesem Tag reger Betrieb herrscht. Als Brandursache wird ein technischer Defekt in einem Schaltkasten vermutet.

Das Gebäude ist versichert. Die Schadenssumme beträgt rund 620 000 Euro für das Haus sowie rund 120 000 Euro für die Inneneinrichtung. Mehr als 10 000 Euro gehen an Geldspenden ein.

Ein Neubau ist geplant, erste Workshops haben stattgefunden. Ideen sollen gesammelt werden, auch bezüglich der Anordnung der Angebote im Hof. Ziel der Stadt ist es, die Arbeiten im ersten Quartal 2019 zu vergeben. Baustart könnte dann im Herbst 2019 sein. thumi

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel