Kirchberg Mutige Planer für neues Wohngebiet gesucht

Die Abgrenzung des Sanierungsgebiets. Die größere Straße rechts ist die Crailsheimer Straße.
Die Abgrenzung des Sanierungsgebiets. Die größere Straße rechts ist die Crailsheimer Straße. © Foto: Grafik: LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH
Kirchberg / Sebastian Unbehauen 27.06.2018
Das Kirchberger Quartier an der Lindenstraße und der Eschenstraße soll ideenreich überplant werden – mithilfe eines Wettbewerbs und frühzeitiger Bürgerbeteiligung.

Manch einer hätte auf dem Gelände der ehemaligen Baustoffhandlung Häsele in der Kirchberger Lindenstraße gerne das neue Feuerwehrmagazin gesehen, aber das steht ja bekanntlich fast fertig in der Au. So können für das südlich des Stadtzentrums gelegene Areal an besagter Lindenstraße und der Eschenstraße Entwicklungsüberlegungen angestellt werden, die nicht von hitzigen Diskussionen überlagert werden. In dem Mischgebiet liegen neben dem Häsele-Gelände auch der Gartenbaubetrieb Stapf, die „fabrik“ der Schloss-Schule und der Edeka-Markt Möller.

Das Viertel wurde 2016 in das Landessanierungsprogramm aufgenommen. Das heißt: Es fließt Geld aus Stuttgart. Zunächst wurde ein Förderrahmen von 583 000 Euro bewilligt. Das Land gab 350 000 Euro, die Stadt musste den Rest berappen. Dieses Geld ist mittlerweile aufgebraucht – aber es gibt bereits die Zusage für weitere 350 000 Euro vom Land.

Es geht um 1,8 Hekar, die neu geordnet werden und künftig in erster Linie dem Wohnen dienen sollen. Die Stadt ist gerade dabei, sich möglichst viele Grundstücke zu sichern. „Das ehemalige Häsele-Gelände auf beiden Seiten ist in unserem Eigentum, andere Verhandlungen laufen sehr zielstrebig, in einem Fall ist es schwierig“, sagte Bürgermeister Stefan Ohr unserer Zeitung.

Die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (KE) ist damit beauftragt, den Prozess zu managen. Die KE-Planer Markus Lämmle und Nadia Kasper-­Snouci stellten das weitere Vorgehen am Montagabend im Gemeinderat vor. Lämmle sprach von einer „sehr guten Lage“ des Gebiets und gab das Ziel aus, ein „attraktives neues Wohnquartier“ zu schaffen. Erreichen will man das per Mehrfachbeauftragung. Das heißt, es wird gezielt auf verschiedene Städte- und Landschaftsplaner zugegangen, die für eine Pauschale von je 10 000 Euro Beiträge zu einem „städtebaulich-freiräumlichen Ideenwettbewerb“ (Lämmle) liefern sollen.

Zuvor gilt es, einen Auslobungstext mit bestimmten Vorgaben zu erarbeiten. Dabei sollen die Bürger eingebunden werden. Später im Prozess haben die Kirchberger die Möglichkeit, in Dialog mit den Planern zu treten (siehe Info unten). „Bürgerbeteiligung soll ein wesentlicher Teil des Vorgehens sein“, versicherte Bürgermeister Ohr. Schließlich nimmt ein zu installierendes Preisgericht mit Experten die Entwürfe unter die Lupe und kürt einen Sieger. Vor dem Hintergrund dieser Empfehlung entscheidet der Gemeinderat. Anfang des nächsten Jahres soll es so weit sein. Das Verfahren soll bis zu 150 000 Euro kosten, der Förderanteil liegt bei 60 Prozent.

Die Stadträte zeigten sich angetan vom skizzierten Vorgehen. „Das ist wirklich mal ein kreativer Prozess“, sagte Frank Bräuninger. Wichtig sei es, sich von persönlichen Interessen zu lösen und offen an die Gestaltung zu gehen – „dann kann das eine Erfolgsgeschichte werden“. Offenheit ist auch Gerhard Borchers wichtig. „Wir müssen den Planern Freiräume geben, mutig zu sein“, sagte er. Mache man zu viele Vorgaben, bekomme man ein standardisiertes Ergebnis. Lämmle: „Das sehen wir genauso.“

Der Edeka-Markt hat in dem Gebiet wohl keine Zukunft. „Wir haben Interesse, die Einkaufssituation langfristig neu aufzustellen“, sagt Ohr. Die Stadt strebt die Ansiedlung eines Vollsortimenters an der Haller Straße Richtung Autobahn an. 

So werden die Kirchberger einbezogen

Eine erste Bürgerbeteiligung gibt es am Mittwoch, 18. Juli. Um 17 Uhr steht zunächst eine Quartiersbegehung auf dem Programm. Anschließend bearbeiten die Interessierten in einem Bürgercafé verschiedene Themen. Am Freitag, 5. Oktober, kommt es zum Planer-Bürger-Dialog, ebenfalls mit Quartiersbegehung. sebu

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