Konzert Musikalisches Understatement

Das Konzert der amerikanischen Folk-Band Susto am vergangenen Freitagabend im Haller Anlagencafé war ausverkauft. In der Folk-Szene sind Susto keine Unbekannten, so sind sie unter anderem schon als Vorband für The Lumineers aufgetreten.
Das Konzert der amerikanischen Folk-Band Susto am vergangenen Freitagabend im Haller Anlagencafé war ausverkauft. In der Folk-Szene sind Susto keine Unbekannten, so sind sie unter anderem schon als Vorband für The Lumineers aufgetreten. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Iris Simon 14.02.2018

Die Musikindustrie jammert gerne – die Verkaufszahlen sinken, Piraterie macht den Markt kaputt und allgemein sah es in den vergangenen Jahren nicht besonders gut aus. An den Veränderungen maßgeblich beteiligt sein soll, laut Bundesverband der Musikindustrie, das Internet. Kleine Plattenlabels wiederum profitieren von den Freiheiten und Möglichkeiten, die das Internet bietet. Bestes Beispiel: die Independent-Folk-Rock-Band Susto aus Charleston, South Carolina.

Mit Unterstützung des unabhängigen (im Englischen „independent“) Plattenlabels Missing Piece Records ist die fünfköpfige Band momentan auf Europa-Tournee. In überwiegend kleineren Konzertsälen und Clubs geht es dabei von Großbritannien über Deutschland bis nach Skandinavien. Im Gepäck haben sie ihr neues Studioalbum „& I’m fine today“, das ausschließlich von der Band selbst produziert wurde. Mit ihrem gitarrenlastigen Rock-Folk hat sich die Band von der amerikanischen Ostküste seit 2013 eine stetig wachsende Fangemeinschaft in der ganzen Welt aufgebaut – und das weitestgehend durch das Internet.

Ähnlich wie bereits international bekannte Indie-Bands wie Arcade Fire, The Shins oder Arc­tic Monkeys setzen noch kleinere Gruppen wie Susto gezielt auf eigenes Marketing im World Wide Web, etwa durch die sozialen Medien wie Youtube, aber auch über Musikstreamingportale wie Soundcloud und Spotify und das Veröffentlichen von Studioalben in Eigenregie, ohne große Plattenfirmen im Hintergrund.

Holzfällerhemden und Jesus

Das Ergebnis der unkonventionellen Herangehensweise sind Abende wie das Konzert im Anlagencafé am vergangenen Freitag. Mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard lieferten Susto ein unaufgeregtes Folk-Konzert mit einem Schuss Rockmusik, das man in dieser Art immer wieder gerne erleben möchte. Sozusagen musikalisches Understatement.

Im Holzfällerhemd und mit lässigem Fünf-Tage-Bart singt Justin Osborne von seiner Jugend im religiös geprägten Südstaat South Carolina – „Chillin’ at the beach with my best friend Jesus Christ“. Metaphorisch beschreibt Osborne selbst durchlebte Drogenexzesse („Waves“) und verarbeitet mal mehr, mal weniger glückliche Liebesbeziehungen in Liedern wie „Friends, Lovers, Ex-Lovers, Whatever“.

Auch wenn aufgrund der deutlich betonten Coolness der jungen Musiker kurzzeitig das Gefühl aufkommen mag, dass Susto genauso gut in einer Szenebar in Berlin-Prenzlauer Berg hätten auftreten können, so kommt man nicht umhin, der gepressten und rauen Stimme Osbornes angenehm gebannt zu lauschen. Währenddessen taucht vor dem inneren Auge das etwas klischeehafte Bild einer heruntergekommenen Bar an einem amerikanischen Highway auf. Als wäre die Band mit ihrer leicht melancholischen und trotzdem rockigen Musik Dennis Hoppers „Easy Rider“ entsprungen.

Allen angedeuteten Klischees zum Trotz schafft es Susto mit Sänger Justin Osborne, Corey Campbell (Keyboard), Jenna Desmond (Bass), Dries Vandenberg (Gitarre) und Marshall Hudson am Schlagzeug dennoch,  authentisch zu sein, wie es sich für eine richtige „independent“ Band gehört. Spätestens als die Bandmitglieder von der Bühne herab nach Tequila und Whiskey verlangen, bleibt daran kein Zweifel mehr.

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