Crailsheim Hühnergeschrei und Schelmengeschichten

Der Autor als Musiker: Paul Maar (Fünfter von links) greift auch selbst zur Rahmentrommel. Von links: Murat, Yaschar und Malika Coskun, Wolfgang Spindler (Portativ), Paul Maar, Anke Spindler (Nyckelharpa), Thomas Spindler, Ibrahim Sarialtin und Andreas Spindler (Dudelsack).
Der Autor als Musiker: Paul Maar (Fünfter von links) greift auch selbst zur Rahmentrommel. Von links: Murat, Yaschar und Malika Coskun, Wolfgang Spindler (Portativ), Paul Maar, Anke Spindler (Nyckelharpa), Thomas Spindler, Ibrahim Sarialtin und Andreas Spindler (Dudelsack). © Foto:
Crailsheim / Von Ralf Snurawa 11.09.2018
Mehr als 200 Besucher lauschen am vergangenen Samstagnachmittag im Crailsheimer Rathaussaal Paul Maar, Murat Coskun und Ibrahim Sarialtin. Sie werden von einigen Musikern begleitet.

Auch in Crailsheim, meint Paul Maars heutiger Nasreddin Hodscha, kommen keine großen Männer zur Welt: nur kleine Kinder. Mit dieser Art von Witz konfrontierte der Kinderbuchautor Paul Maar bei einer Veranstaltung des Hohenloher Kultursommers im Rathaussaal sein Publikum.

Der eigentlich als Perkussionist bekannte Murat Coskun schlüpfte in Paul Maars wie auch in den traditionell überlieferten Geschichten über Nasreddin Hodscha in die Rolle Nasreddins. Das war besonders dann interessant, wenn Ibrahim Sarialtin die Rolle Maars als Vorleser und Erzähler in türkischer Sprache übernahm und Coskun den Nasreddin auch auf Türkisch sprach.

Lustig fand dies Paul Maar vor allem in der Geschichte über einen Freund Nasreddins, der dessen Esel ausleihen wollte. Das Tier sei gerade nicht da, wehrte Nasreddin ab. Doch dann war es aus dem Stall zu hören, und der Freund wies Nasreddin darauf hin. Ob er eher einem Esel als seinem Freund glaube, lautete die empörte Rückfrage. Interessant zu hören: Während der Esel bekanntermaßen mit „I-ah“ wiedergegeben wird, ist das im Türkischen umgekehrt: „A-ih“.

Eine weitere lustige Geschichte war jene um die Wettsucht Nasreddins, die den Sultan dazu brachte, ihm mit heruntergelassenen Hosen sein „hochwohlgeborenes Gesäß“ zu zeigen, eine andere über den ertrinkenden Wucherer, der die helfende Hand von Nasreddins Freunden ausschlägt, weil sie ihm zuriefen: „Gib uns deine Hand!“ Nasreddin aber rief: „Nimm meine Hand!“ Denn der Wucherer nehme nun einmal lieber, als dass er gebe.

Paul Maar steuerte einige wenige seiner kurzen Geschichten über den Nasreddin der heutigen Zeit bei, so über die aufbackbaren Brötchen. Nasreddin riet: „Für 30 Minuten bei 200 Grad in den Ofen.“ Daran hielt sich sein Freund und rief ihn dann an, dass sie verkohlt und völlig hart seien. Und Nasreddin antwortet: „Genau wie bei mir!“

Umrahmt wurden diese Geschichten von mittelalterlichen Musikstücken und türkischen Liedern. Letztere wie „Uzun ince bir yoldayim“, „Sinanay“ oder „Gurbet bana ben gurbete alistim“ wurden von Ibrahim Sarialtin mit Hingabe gesungen, der dazu die Baglama (Saz) spielte und von Murat, Malika und Yaschar Coskun auf Rahmentrommeln sowie von der Capella Antiqua Bambergensis begleitet wurde – das sind Thomas Spindler (Darbuka), Anke Spindler (Nyckelharpa), Wolfgang Spindler (Portativ) und Andreas Spindler (Flöte). Auch Murat Coskun war mit seinen beiden Kindern als Sänger zu hören. Yaschar (14) und Malika (13) griffen abwechselnd zum Akkordeon, einer Rahmentrommel oder einem Schellentamburin und sangen ebenso Lieder wie „Nazar eyle“, „Daglar gibi“ oder „Üsküdar“.

Die Capella Antiqua Bambergensis spielte daneben zarte Harfentöne wie „La Rosa enflorece“ oder krächzendes „Hühnergeschrei“ auf Schalmeien. Mitreißend tänzerisch gespielte Stücke rahmten das Konzert ein. Andreas Spindler intonierte auf dem Dudelsack den „Danse Real“ und „Los set gotxs“, zu dem auch Paul Maar zum Tamburin griff. Es gab lang anhaltenden Beifall vom begeisterten Publikum.

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