Schwäbisch Hall Musik hilft heilen: 10 Jahre Psychosomatik am Diak

Diplom-Musiktherapeutin Angela Oberthür (rechts) erklärt, wie sie Patienten helfen kann. Die Besucher des Tages der offenen Tür in der Psychosomatik hören aufmerksam zu. Foto: Ufuk Arslan
Diplom-Musiktherapeutin Angela Oberthür (rechts) erklärt, wie sie Patienten helfen kann. Die Besucher des Tages der offenen Tür in der Psychosomatik hören aufmerksam zu. Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / ELVIRA PROBST-LIPSKI 21.11.2013
Wenn körperliche Probleme auch seelische Ursachen haben, kann eine spezielle medizinische Disziplin helfen. Vor zehn Jahren wurde die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Diak in Hall eröffnet.

Unter der Leitung von Professor Dr. Friedebert Kröger entstand einst der neue Fachbereich Psychosomatik mit 18 Betten im Johanniterhaus und im Erdgeschoss des Mutterhauses. Am 1. Dezember 2012 übernahm Dr. Helmut Harr als neuer Chefarzt die Klinik, zur Jahresmitte 2013 wurde sie auf 22 Betten aufgestockt. Der Bedarf sei groß, es gebe eine lange Warteliste, ist beim Tag der offenen Tür am Samstag zu hören.

Harr berichtet, dass in der eigenständigen Abteilung des Diaks eine internistische Psychosomatik betrieben werde. Viele Patienten litten unter chronischen Schmerzerkrankungen, Essstörung wie Bulimie und Anorexie. Da viele Grunderkrankungen verquickt seien mit internistischen Erkrankungen sei eine interne Vernetzung immens wichtig.

Am Vormittag wird ein Fachtag mit Kurzvorträgen für Ärzte und Psychotherapeuten angeboten. Beim Tag der offenen Tür am Nachmittag anlässlich des Jubiläums interessieren sich viele Besucher für die Angebote der Klinik und besuchen den stationären Bereich des Johanniterhauses. Schwester Karin Wieszt informiert vor Ort. Da das Haus nicht sehr groß ist, kämen sich die Patienten unwillkürlich näher, was für manche Erkrankungen bereits ein Teil der Therapie sei.

Die Zimmer sind hell und freundlich, jeder kann sich nach eigenem Gusto einrichten. Es gibt keine typischen Krankenhausbetten und keinen Fernseher. Im Sommer könne man sich im Gärtchen aufhalten. Selbstverständlich dürften die Patienten in therapiefreien Zeiten einen Stadtbummel unternehmen. Das Essen werde angeliefert, die übrige Organisation übernehmen Patienten. "Sie lieben das alte, heimelige Haus", erzählt Schwester Karin. Die Patienten halten sich sechs bis acht Wochen in der Klinik auf. Die Behandlung der Patienten erfolgt durch ein Team besonders qualifizierter Ärzte, Psychologen, Kreativ- und Bewegungstherapeuten sowie besonders qualifizierte Mitarbeiter in der Pflege.

Karin Merz leitet die Essgruppe. Das bedeutet, dass zu ihr Patienten mit Anorexie, Bulimie und Binge-Eating kommen. Zuerst wird mit dem Patienten ein "Essvertrag" abgeschlossen, es folgt ein Stufenplan, in dem Patienten zum Beispiel portionierte Kost erhalten, an einem Esstisch für essgestörte Patienten werden die Mahlzeiten unter professioneller Begleitung eingenommen.

In der Genussgruppe bei Schwester Heike Ackermann lernen depressive Menschen, dass es nicht nur dunkles und trauriges im Leben gibt, sondern werden behutsam hingeführt zu positivem und schönem Erleben. Schmerzpatienten werden mit "guten Gerüchen" abgelenkt, zum Beispiel durch Aromaöle wie Lavendel, wenn Erinnerungen an schöne Urlaubstage geweckt werden.

Mit Igelbällen können entspannende Gefühle geweckt werden. Es gibt sieben Genussregeln, die in jeder Sitzung wiederholt werden. Beim Rundgang wird deutlich, wie vielfältig die Behandlungsmöglichkeiten in der psychosomatischen Klinik sind. Es gibt viele Kranke, der Bedarf ist offensichtlich vorhanden. Die Klinik ist voll belegt.

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