Die Haller Synagogen des Elieser Sussmann im Kontext der Sammlung des Hällisch-Fränkischen Museums - "Zugegeben, der Titel ist etwas sperrig, aber wir wollten einfach alles Wichtige unterbringen", sagt Dr. Armin Panter, Leiter des Hällisch-Fränkischen Museums (HFM) bei der Vorstellung seines neuen Buches am Donnerstagabend vor knapp 100 Gästen im Rathaus. Synagoge und Haller Rathaus seien im 18. Jahrhundert fast zeitgleich errichtet worden und dennoch so unterschiedlich, sagt Panter und verweist auf die Symbolik: auf der einen Seite der repräsentative Bau auf dem Marktplatz als Ausdruck eines selbstbewussten Haller Bürgertums, auf der anderen der schlichte, holzvertäfelte Unterlimpurger Gebetsraum als Rückzugsort einer religiösen Minderheit. Das Buch über die jüdische Abteilung des HFM solle dazu beitragen, die Juden heute nicht nur als Opfer, sondern als Träger einer einzigartigen Kultur wahrzunehmen, so Panter.

Dr. Ernst Breit, Vorsitzender des Historischen Vereins, lobt die Sammlung des HFM als "vielleicht wichtigstes Judaicum in Deutschland" und erinnerte an die weitsichtige Entscheidung von Keckenburg-Museumsmitarbeitern im Jahr 1933, die Synagogenvertäfelung nicht zu vernichten, sondern einzulagern. Im Hinblick auf das jüdische Erbe der Stadt zitiert Ernst Breit Richard von Weizsäcker: "Wir sind nicht verantwortlich dafür, was damals war. Aber wir sind dafür verantwortlich, was in der Geschichte daraus wird." OB Hermann-Josef Pelgrim schlägt den Bogen zur aktuellen Flüchtlingskrise: Wie einst die Nationalsozialisten zerstöre heute der IS Kulturgüter. In Hall müsse es auch in Zeiten permanenten Zuzugs ein friedliches Miteinander der Kulturen geben.

Dass die Haller Juden längst nicht erst ab 1933 Verfolgungen ausgesetzt waren, wird beim historischen Überblick auf den ersten Seiten des Buches deutlich. Als zum Beispiel im Jahr 1350 die Pest in der Stadt wütete, wurden viele Juden ermordet oder zwangsgetauft.

Der große Mittelteil des Buches widmet sich Elieser Sussmann und seinem Werk. Der Künstler malte im fränkischen Raum zwischen 1730 und 1740 mehrere Synagogen aus, unter anderem die beiden Haller in Unterlimpurg und Steinbach. Von letzterer ist die "Frauenschul" im HFM wieder aufgebaut worden.

Wesentlich spektakulärer ist dank der sehr gut erhaltenen Malereien die Unterlimpurger Synagogenvertäfelung. Der Gebetsraum war einst im Dachstuhl des Hauses Unterlimpurger Straße 65 untergebracht. Ausführlich widmet sich Panter der Symbolik der 15 Deckenmedaillons, erklärt unter anderem die Bedeutung von Löwen, schwarzem Hahn, Vogel mit Hufeisen im Schnabel oder dem eine Synagoge tragenden Elefanten. Jedes einzelne Medaillon ist im Buch ganzseitig abgebildet.

Das letzte Drittel das Buches beinhaltet ein umfangreiches Glossar sowie einen Abschnitt über jüdische Friedhöfe in der Region.

Info "Die Haller Synagogen des Elieser Sussmann im Kontext der Sammlung des Hällisch-Fränkischen Museums" (ISBN 978-3-89939) ist in einer Auflage von 1000 Stück im Swiridoff Verlag Künzelsau erschienen. Es ist zum Preis von 19,80 Euro im regionalen Buchhandel erhältlich.