Schwäbisch Hall Bluttat von Sulzdorf: Eifersucht ist mögliches Tatmotiv

Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 18.08.2018
Das Landgericht vernimmt Zeugen im Mordprozess gegen einen 27-Jährigen muslimischen Familienvater aus Schwäbisch Hall.

Nach vier Verhandlungstagen im Heilbronner Mordprozess gegen einen 27-Jährigen aus Schwäbisch Hall scheint klar: Die Bluttat von Sulzdorf vom 5. Februar dieses Jahres kam nicht aus heiterem Himmel. Das 33-jährige Opfer Markus R. soll gewusst haben, dass er in Gefahr schwebte.

Er selbst hat einmal die Mutter des Täters angerufen und ihr vermittelt, ihr Sohn gehöre in die Psychiatrie. Kurz vor der Tat erteilte er als Vorsitzender des Vereins HDMK (Hohenloher Deutschsprachiger Muslimenkreis) dem ehemaligen Freund ein Hausverbot für den Versammlungsraum in Gelbingen. Vor allem aber wusste er: Der schizophreniekranke Glaubensbruder verdächtigte ihn, mit seiner Ehefrau ein Verhältnis eingegangen zu sein. Der 27-jährige freundlich wirkende Familienvater hat zu Prozessbeginn vor dem Heilbronner Schwurgericht zugegeben, Markus R. mit einem eigens zuvor gekauften Messer getötet zu haben.

Er klingelte an jenem Montagmittag an der Wohnungstür des Opfers und stach ungehemmt zu. Zwölf Stiche sollen es gewesen sein. R. starb vier Stunden später im Krankenhaus.

Mehrfach weist der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts, Roland Kleinschroth, in der Verhandlung darauf hin, dass der große bärtige Mann nicht als Angeklagter tituliert wird. Er ist Beschuldigter. So sieht es das Gesetz in einem „Sicherungsverfahren“ wie diesem vor. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 27-Jährige zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war.

Er soll längerfristig seine Medikamente nicht genommen haben. Bestätigt sich im Prozess diese Annahme, droht ihm die dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung.

Mit umfangreichen Zeugenvernehmungen beleuchtet das Schwurgericht die Persönlichkeiten von Täter und Opfer. Unter Tränen sagt die Mutter (48) des Beschuldigten, ihr Sohn sei immer ihr „Sonnenschein“ gewesen. Als er 2012 in Pforzheim studiert habe, sei er plötzlich völlig verändert nach Hause gekommen. „Er hat sehr abgenommen. Weil er der Meinung war, dass wir ihm Gift ins Essen getan haben.“ Wenig später sei er im Psychiatriezentrum Weinsberg behandelt worden. Hochschwanger berichtet seine Ehefrau (23) davon, der Beschuldigte sei von seinen Freunden gemobbt worden. In der Ehe habe es im letzten Jahr zunehmend Spannungen gegeben. Ihr Mann habe sie auch geschlagen. Markus R. habe ihr freundschaftlich zur Seite gestanden.

Die Mutter des Opfers zeichnet ihren Sohn nur positiv: „Er war gutherzig. Er hat jedem geholfen.“ Darauf angesprochen, dass ihr Sohn sich nach seiner Konvertierung zum Islam Iljas genannt habe, sagt sie: „Für mich war er beides, Markus und Iljas.“ Sie rühmt seine Arbeit für den Verein „Güte“, in den er seine ganze Kraft gesteckt habe. In einem im Internet einsehbaren Video fordert Markus R. die Einrichtung von islamischen Kindergärten und Schulen und ruft zu Spenden für „Güte“ auf. Ein Zeuge (26) aus Vereinskreisen stellt die Arbeit dieser Gruppierung anders dar: „Wir machen humanitäre Hilfe.“

Der Kranke sah sich „verzaubert“. In Straßburg suchte er einen religiösen Heiler auf.  Einen Tag vor der Tat ließ er sich in Frankfurt schröpfen. „Die Menschen bekommen eine gewisse Ekstase und eine gewisse
Befreiung!“, sagt ein Zeuge (23) über die Behandlung bei einem Heiler.

Der Beschuldigte befragte auch einen Heidelberger Imam, ob man jemanden töten dürfe, der Ehebruch begangen habe. Zudem soll er überlegt haben, mit seiner kleinen Tochter ins Ausland zu verreisen.

In diesem Punkt konsultierte er einen 36-jährigen Ingenieur aus Schwäbisch Hall. Dieser Mann, der jetzt als Zeuge auftrat, will ihm von seinem Reisevorhaben abgeraten haben. Er selbst nahm vor neun Jahren sein kleines Kind mit zu seinen Eltern in den Gazastreifen. Er ließ es gegen den Willen der leiblichen Mutter bis heute dort. Verurteilt zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, ist der Ingenieur bis heute auf freiem Fuß, weil er Berufung eingelegt hat.

Markus „Iljas“ R. war stolz da­rauf, dass er für Schwäbisch Hall eine besondere Bestattungsform für Muslime durchsetzen konnte: Der Tote kann in einem Tuch eingeschlagen in die Erde gelegt werden.

Ende September 2016 unterzeichnete er mit Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim eine entsprechende Vereinbarung. Die Zeitung berichtete darüber. Der Muslim konnte nicht ahnen, dass er fast eineinhalb Jahre später selbst auf diesem Wege auf dem Waldfriedhof begraben würde.

Der Prozess wird fortgesetzt. Am 10. September soll der Haller Richter vernommen werden, dem der Beschuldigte vorgeführt wurde, nachdem er wenige Stunden nach der Bluttat in Heilbronn aufgegriffen worden war.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel