Eine Großbäckerei, ein Baustoffhandel und eine Rot-Kreuz-Station in Sichtweite: Besser könnte das Umfeld einer Baustelle nicht aussehen. Fürs Mittagessen, für Nachschub und für die Nothilfe ist gesorgt. Die Arbeiter sind beim Spatenstich für die Firma Möbel AS am Montag zu Scherzen aufgelegt. Einer von ihnen soll die Winter geradezu magnetisch anziehen, um dadurch Baustopps zu provozieren.

Seit 18 Jahren in Hall

Der Mehrheitsgesellschafter und kaufmännische Geschäftsführer, Gernot Wenig, lässt sich durch diese Späße nicht beunruhigen. Er ist sich sicher, dass das Gebäude Ende März fertig sein wird und in spätestens einem Jahr der Möbelmarkt eröffnet werden kann. Es gebe Sicherheitsreserven. Denn schließlich handele es sich nicht um eine Neugründung am Standort, sondern vielmehr um einen Umzug.

Seit 2001 verkauft Möbel AS in Schwäbisch Hall vor allem Waren im günstigen Segment. Damals hatte Gernot Wenig das Geschäft von Möbel Willauer übernommen und die Räume zunächst gemietet. Das Unternehmen, das im Jahr 1993 von Gernot Wenig aus Elztal bei Mosbach und einem mittlerweile verstorbenen Geschäftspartner gegründet wurde, zählt 16 Verkaufshäuser. Im „preiswerten Möbelbereich im Südwesten“ sei Möbel AS ein großer Marktteilnehmer. Im Vergleich mit den Spitzenspielern der Branche ist Möbel AS ein Winzling. Zum Vergleich: Möbel Rieger hat in Heilbronn einen Markt mit einer Verkaufsfläche von 38.000 Quadratmetern eröffnet. Die Fläche von Möbel AS beträgt in Hall 4100 Quadratmeter (und bleibt auch in dieser am neuen Standort Dimension bestehen). Dennoch berichtet Gernot Wenig: „In Hall haben wir eine gute Entwicklung.“ Allerdings sieht Wenig dunkle Wolken für Möbelverkäufer. Die Konkurrenz durchs Internet sei nicht einmal der gravierendste Faktor. Schlimmer sei ein verändertes Kaufverhalten. „Wenn sich der Vater ein E-Bike für 3000 Euro kauft, erhält die Mutter auch eines für den gleichen Betrag. Für 6000 Euro gibt es bei uns schon eine schöne Winkelküche.“ Der Kunde würde lieber in ein Wohnmobil, eine Reise oder eben ein E-Bike investieren, statt das heimische Umfeld neu auszustatten.

Recaro erweitert im alten Gebäude

Wenig glaubt an den Erfolg, setzt daher eine hohe Summe, die er öffentlich nicht genau beziffert. Der Verkaufserlös des alten Geländes allein würde nicht für den Neubau reichen, verrät er. Recaro hat den alten Standort von Möbel AS in der Daimlerstraße gekauft, um dort zu erweitern, sobald der Umzug und der Abriss der Möbelfirma perfekt ist.

Daher sieht Baubürgermeister Peter Klink auch gleich eine dreifache Gewinnsituation im Ringtausch. Recaro könne erweitern, Möbel AS könne sich verbessern und Hall profitiere als Ganzes von den Firmen und den Angeboten. Um den Umzug zu ermöglichen, musste baurechtlich ein Sondergebiet ausgewiesen werden.

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Konzentration auf dem Möbelmarkt


Ein durchschnittlicher Deutscher gibt 413 Euro im Jahr für Möbel aus. Das hat das Statistik-Portal Statista bekannt gegeben. Das Marktvolumen im Möbelhandel, zu dem auch der Verkauf von Küchen und Matratzen gerechnet wird, bewegt sich je nach Statistik zwischen 30 und 40 Milliarden Euro im Jahr in Deutschland. Mit einem Umsatz von rund 5 Milliarden Euro ist Ikea der größte Möbelhändler in Deutschland, dicht gefolgt von „XXXLutz“.

Der Online-Handel scheint sich schwerzutun. Nur rund zehn Prozent der Möbel werden übers Internet verkauft. Die Otto-Gruppe ist noch vor Amazon, Ikea, Home24 und Tchibo der größte Online-Möbelhändler. tob