Brauchtum Singen für den guten Zweck

Das Dreikönigssingen wird von katholischen Gemeinden veranstaltet, wie hier von der Hessentaler St. Maria-Gemeinde.
Das Dreikönigssingen wird von katholischen Gemeinden veranstaltet, wie hier von der Hessentaler St. Maria-Gemeinde. © Foto: Privatfoto
Schwäbisch Hall / Hannah Baumann 03.01.2018
Bis zum 6. Januar ziehen Sternsinger und Träger, die als die Heiligen Drei Könige verkleidet sind, in Hall und Umgebung von Tür zu Tür.

Jedes Jahr nehmen ungefähr 240 Kinder und Jugendliche an der Sternsingeraktion im Stadtgebiet von Schwäbisch Hall teil. In den Tagen zuvor treffen sich die jungen Sternsinger, um gemeinsam Lieder einzustudieren und sich auf die Besuche vorzubereiten. Dabei werden auch die Kostüme der Heiligen Drei Könige und des Sternträgers verteilt. Pro Gruppe ziehen so vier Kinder in Begleitung eines Erwachsenen im Zeitraum vom 27. Dezember bis zum 6. Januar durch die Dörfer und Stadtteile.

Der Ursprung dieses Brauchs liegt in der Bibel. Im Neuen Testament steht geschrieben, dass Weise aus dem Morgenland dem Stern von Bethlehem folgten und so zu Jesus Christus gelangten. Die Menschen, die von den Sternsingern besucht werden, sollen mit dieser Aktion an die Geburt des Heilands erinnert werden.

Dieser Brauch läuft in ganz Deutschland seit vielen Jahren ähnlich ab. Wenn sich die Haustüren nach dem Klingeln öffnen, werden die einstudierten Lieder den Bewohnern vorgetragen. Anschließend wird mit Kreide ein Segen über den Türrahmen geschrieben.

„Mit gesegneter Kreide wird  ‚20*C+M+B+18’ über die Türen geschrieben. Das Datum steht dabei getrennt am Anfang und am Ende“, sagt Vanessa Hinrichs, Mitorganisatorin der Sternsinger­aktionen in und um Schwäbisch Hall. „C+M+B“ bedeutet nicht Caspar, Melchior und Balthasar, wie viele Menschen glauben, sondern es steht für „Christus Mansionem Benedicat“, was mit „Christus segne dieses Haus“ übersetzt wird.

Der Stern nach dem ersten Teil der Jahreszahl stellt den Stern von Bethlehem dar, der die Heiligen Drei Könige zum Stall und zum neugeborenen Jesuskind geführt haben soll. Zugleich steht er aber auch für Christus selbst. Die drei Kreuze stellen den ausgesprochenen Segen dar. Denn die Kreuze stehen für die Dreieinigkeit Gottes – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Neben dem Segensprechen werden auch Spenden gesammelt. Das diesjährige Motto lautet: „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit in Indien und weltweit!“ Die Sternsinger informieren die Menschen über die Folgen der Ausbeutung von Kindern in Fabriken, Steinbrüchen oder auf dem Feld. Durch die Spenden soll die Schulbildung betroffener Kinder ermöglicht und gefördert werden, um so den Kreislauf der Kinderarbeit zu durchbrechen.

Abschluss im Haller Rathaus

Am schönsten sei für die zahlreichen jungen Sängerinnen, Sänger und Könige, so Hinrichs, wenn sich die Menschen über ihren Besuch freuten und ihnen manchmal sogar Schokolade schenkten. Dieses Jahr findet bereits die 60. Sternsingeraktion in Deutschland statt.

Der Abschluss jeder Sternsingeraktion der Region Schwäbisch Hall wird am 4. Januar im Rathaus in Schwäbisch Hall gefeiert. Das größte bundesweite Treffen von Sternsingern findet allerdings im Berliner Bundeskanzleramt statt. Dort werden zahlreiche Sternsinger zuvor die Regierungsgebäude im Regierungsviertel segnen und anschließend vom Bundespräsidenten und den Ministern empfangen.

Durch diese Aktion, an der Kinder aus Schwäbisch Hall dieses Jahr ausnahmsweise nicht teilnehmen werden, sollen auch die Politiker an die Geburt Christi erinnert werden. Gleichzeitig werden die politischen Verantwortlichen darauf hingewiesen, dass es ihre Aufgabe ist, Kinderarbeit zu stoppen.

Über mehrere Jahrhunderte hinweg

Bereits im Mittelalter sollen sich junge Männer als Könige verkleidet haben und so durch die Straßen gezogen sein. Sie spielten die Weihnachtsgeschichte und den Zug zur Krippe nach. Dieser Brauch geht auf die sogenannten mittelalterlichen Heischebräuche zurück, bei denen traditionell um Gaben für Bedürftige gebeten wurde. 1959 griff das katholische Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ den alten Brauch wieder auf und ziehen bis heute von Haus zu Haus, um Spenden für kinderbezogene Hilfsprojekte in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu sammeln. isi

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