Hessental Mittelhöhe in Hessental: Bürgerinitiative will Änderung der Busführung verhindern

 Geplante Führung der Bus-Linie 1 durch die Mittelhöhe in Hessental.
 Geplante Führung der Bus-Linie 1 durch die Mittelhöhe in Hessental. © Foto: Grafik: Brenner
THUMILAN SELVAKUMARAN 10.12.2015
Der Busstreit an der Mittelhöhe ist noch nicht beigelegt. Eine Bürgerinitiative will verhindern, dass die Linie 1 dort durchgeführt wird. Bis Ende 2016 wird es aber ohnehin keine Änderung geben.

Kräne ragen in die Höhe, neue Häuser entstehen. Nebenan werden Terrassen gestaltet, Fassaden verputzt. Das letzte Grundstück auf der Mittelhöhe ist längst verkauft. Die neue Siedlung wandelt sich zunehmend von einer tristen Baulandschaft zu einem stattlichen Wohngebiet. Doch Ärger gibt es bereits seit dem Sommer. Da haben Anwohner bemerkt, dass die Linie 1 des Stadtbusses mitten durch das Neubaugebiet geführt werden soll. Bislang erfolgt die Anbindung über den Schlichtweg am Haus Sonnengarten.

Die Pläne waren allerdings nicht neu, sondern bereits vor Jahren mit dem Verkehrsbeirat der Stadt abgestimmt. Denn innerorts, so hat es der Kreistag beschlossen, dürfen Häuser nicht mehr als 300 Meter von einer Haltestelle entfernt sein.

Die neu formierte Bürgerinitiative Mittelhöhe (BIMH) möchte aber keine Haltestelle im westlichen Abschnitt der Mittelhöhe. Die Linie 1 fahre täglich mit 110 Bussen. "Hiergegen verwehren wir uns mit Nachdruck", schreibt die BIMH in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister.

Bürgerinitiative: Verwaltung habe Käufer getäuscht

Da an "keiner Stelle der Werbe- und Verkaufsunterlagen (. . .) auch nur der Ansatz eines Hinweises" über die geplante Verlegung der Linienführung stand, fühlten sich die neuen Grundstückseigner "getäuscht", zudem stünde ihnen "Schadensersatz beziehungsweise Kaufpreisminderung" zu.

Denn die Stadt habe mit einem "besonders familienfreundlichen Gebiet" geworben. Dies sei aber nicht vereinbar mit der Belastung durch die "frequenzstärkste Linie" des Stadtbusses. Hätten die Anwohner das vorher gewusst, hätten sie die Grundstücke nicht gekauft und ihre Schlafzimmer nicht auf die Straßenseite gelegt.

Die BIMH kritisiert außerdem, dass die Straßenbreite auf der Willy-Brandt-Allee nicht für Gelenkbusse ausreiche, insbesondere, weil durch mangelnde Parkplätze etliche Autos der Anwohner dort stünden. Kinder seien durch die fehlende Sicht "permanent gefährdet". Eine direkte Busanbindung sei zudem nicht nötig, da die Kinder zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kämen.

Die Bürgerinitiative bemängelt das Vorhaben des Stadtbusses zudem, weil es "nicht nur Zeit und Geld kosten wird, sondern eine Umsatzsteigerung aufgrund der ablehnenden Einstellung der Anwohner nicht zu erwarten ist".

Allerdings sind es nicht alle Anwohner der Mittelhöhe, die sich an der Protestaktion beteiligen. 71 Unterschriften seien mit dem offenen Brief an die Stadtverwaltung gesendet worden, teilt deren Sprecher Robert Gruner mit. "Nicht alle Unterzeichner kommen aus Schwäbisch Hall." In der gesamten Mittelhöhe leben derzeit 1417 Menschen. Im westlichen Bauabschnitt stehen rund 300 Wohneinheiten.

Die Verwaltung sei bisher nicht weiter auf die Inhalte des Schreibens eingegangen, sagt Gruner. Ohnehin sei die Linienänderung im neuen Fahrplan des Stadtbusses, der ab Sonntag greift, nicht berücksichtigt. Sie könne demnach frühestens mit dem Fahrplan im Dezember 2016 kommen. "Das Thema Bus-Trassen werden wir aber vorher nochmal im Bau- und Planungsausschuss öffentlich behandeln."

Stadtbus: Andere Anwohner wünschen sich nahe Haltestellen

Sabine Dannemann von der Stadtbus GmbH zeigt Verständnis für die Sorgen der BIMH. "Die Wünsche sind uns bekannt. Es gibt aber auch Gegenstimmen, auch wenn sie nicht so laut geäußert werden. Diese Leute wollen dort einen wohnortnahen Bus, der ja auch zur Lebensqualität gehört." Dem Wunsch könne sich das Unternehmen nicht verschließen.

Dass die Linienänderung frühestens Ende 2016 kommt, sei aber "schon immer so kommuniziert worden". Derzeit wäre durch Baufahrzeuge und nicht fertig gestellte Wege ohnehin kein Platz. Außerdem gehe es um ein langfristiges Projekt, bei dem auch das geplante Baugebiet Sonnenrain am nordöstlichen Ende berücksichtigt werden müsse, so Dannemann.

Ähnlich sieht es Ingrid Kühnel vom Kreisverkehr. Es brauche ein Gesamtkonzept für Hessental, denn schließlich solle der Bus nicht zick-zack fahren, sondern auch eine schnelle Verbindung zwischen dem Bahnhof Hessental und der Innenstadt bieten. Sie sieht aber auch das Dilemma: "Manche wollen so nah wie möglich eine Haltestelle, andere eben nicht." Letztlich sei es auch eine Frage der Frequenz.

Dannemann berichtet, dass es im Sommer Gespräche mit Vertretern der BIMH gab. "Seither war Ruhe." Das Projekt ruhe derzeit wegen der Umsetzung des neuen Fahrplans. Im Frühjahr will der Stadtbus die Pläne konkretisieren.