Schwäbisch Hall Tempo 200 - Tod: Unfallschwerpunkte in Hall

In Hall ist die Zahl der Unfälle gesunken.
In Hall ist die Zahl der Unfälle gesunken. © Foto: Archiv
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 12.06.2018
Auf der Westumgehung kracht es häufig. Die Haller Stadtverwaltung versucht Gefahren abzuwenden, doch gegen Übermut sei sie chancenlos.

„Wenn die beiden tödlichen Unfälle nicht geschehen wären, hätten wir eine gute Entwicklung“, berichtet Fachbereichsleiter Manfred Gentner. Die Zahl der Verkehrsunfälle in Hall sank von 463 im Jahr 2016 auf 433 im vergangenen Jahr. Doch in den Jahren zuvor starb keiner.

„Die Zahl der Unfälle ist im Land und im Kreis gestiegen. Bei uns sank sie“, erläutert Gentner kürzlich den Stadträten. Der gesamte Landkreis verbuche einen Anstieg von 4847 auf 5152.

Den Rettern bot sich bei den beiden Motorradunfällen im Mai und Juni vergangenen Jahres ein grausames Bild. Ein 27-Jähriger, der seit einem Jahr Motorrad fuhr, geriet bei Bibersfeld von der Fahrbahn ab. In viele Teile zertrümmerte das Motorrad eines Mannes am Pfingstmontag 2017 auf der Westumgehung. „Der Motorradfahrer soll als Fahranfänger mit Tempo 200 gefahren sein“, sagt Gentner. Er kam auf die Gegenspur und rammte ein Auto. Gerade einmal eine Woche  zuvor soll er die Führerscheinprüfung bestanden haben. So tragisch dieser Unfall sei, so wenig Möglichkeiten hätten die Verkehrsplaner, Vorkehrungen zu treffen.

Doch der Unfall auf der Westumfahrung führt dazu, dass eine weitere „Unfallhäufungsstelle“ dazugekommen ist. Sie liegt rund 700 Meter nördlich von Wackershofen. Dort wurden in den vergangenen drei Jahren über den toten Motorradfahrer hinaus zwei Verkehrsunfälle mit drei Schwerverletzten beklagt.

Dauerbrenner bleibt der Minikreisel an der Neuen Reifensteige. Wer dort hineingefahren ist, genießt Vorfahrt. Doch das werde von anderen Verkehrsteilnehmern missachtet. „Eine Besserung ist durch den neuen Kreisverkehr in Sicht“, gibt Gentner Entwarnung. Im Zuge der Sonnenhof-Umgestaltung hat die Stadtverwaltung ein Stück des Geländes gekauft, um demnächst den Kreisverkehr zu vergrößern.

Ebenfalls bereits länger in der Unfallstatistik steht die Kreuzung der Robert-Bosch-Straße mit der Dr.-Max-Bühler-Straße. Trotz Stoppschild nehmen einige Fahrer in Sichtweite des Gemeindezentrums Glocke  anderen Fahrern die Vorfahrt. Manfred Gentner mahnt an, dass die beschlossene Spezialmarkierung noch nicht angebracht wurde. Warum das so ist, kommt in der Ausschusssitzung nicht zur Sprache.

Da sich viele Auffahrunfälle ereigneten, zählt der südliche Beginn der Westumgehung als Unfallschwerpunkt. An der Kreuzung der Stuttgarter Straße mit der Westumgehung kracht es häufig. Gentner führt das darauf zurück, dass dort eben auch viele Autos vorbeikommen. An der Kreuzung selbst will er nichts verändern.

Als zweite neue Unfallhäufungsstelle verbuchen die Statistiker der Polizei die Einmündung der Breiteichstraße in die Westumgehung. Neunmal hat es dort in den vergangenen drei Jahren gekracht. Alle Unfälle ereigneten sich auf die gleiche Weise. Autofahrer, die aus der Breiteichstraße nach links in die Westumgehung einbiegen, missachten die Vorfahrt von Fahrern auf der Hauptroute. Gentner schlägt vor, dass dort die Leitplanke versetzt werden soll, damit die Kreuzung besser einsehbar ist.

Die Kreuzung an der Gaildorfer Straße/Sudetenweg fällt wohl demnächst als Schwerpunkt weg. Denn dort passierte kein Unfall mehr, nachdem eine Linksabbiegespur verlängert wurde. Bereits jetzt aus der Gefahrenzone gerutscht ist rein statistisch der Lange Graben. Dort haben sich nicht mehr so viele Unfälle ereignet.

Eine Ampel sei an der Einmündung der Breiteichstraße in die Westumgehung sinnvoller als nun an der geplanten Stelle wenige Hundert Meter entfernt, meint Gentner. Dort mündet die Grohwiesenstraße in die Westumgehung. SPD-Stadträtin Monika Jörg-Unfried sieht in dieser Aussage einen unnötigen Seitenhieb. „Da sind einige Unfälle nicht in der Statistik drin“, sagt die Verfechterin einer neuen Verkehrsregelung an dieser Stelle. „Dass an der Einmündung der Breiteich nichts passiert sein soll, ist nicht glaubwürdig.“ Gentner führt aus, dass auch an anderen Stellen, die als gefährlich gelten, nichts passiert. Er nennt das Scharfe Eck und die viel befahrene Kreuzung vor der Bausparkassenzentrale.

Definition der Schwerpunktstellen

Eine Unfallhäufungsstelle liegt vor,  wenn innerhalb eines Jahres fünf gleichartige Unfälle oder innerhalb von drei Jahren fünf Unfälle mit Personenschaden zu verzeichnen sind. Auch wenn auf einer Außerortsstrecke von 300 Metern Länge drei Unfälle mit Schwerverletzten oder Getöteten passieren, sind die Kriterien erfüllt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel