Hohenloher Kultursommer Mit Sinn für die musikalische Geste

Die Pianistin Ana-Marija Markovina und der Komponist Stefan Heucke nehmen den Applaus entgegen.
Die Pianistin Ana-Marija Markovina und der Komponist Stefan Heucke nehmen den Applaus entgegen. © Foto: Ralf Snurawa
Schwäbisch Hall / Ralf Snurawa 12.09.2018
Ana-Marija Markovina erntet beim Hohenloher Kultursomer in der Haller Kunsthalle Würth heftigen Beifall.

Eigentlich haben die Werke von Beethoven, Liszt, Anton Urspruch und Stefan Heucke keine direkten Beziehungen zueinander. Dennoch stellte sich beim Konzert mit der Pianistin Ana-Marija Markovina am Sonntagabend in der Haller Kunsthalle Würth der Eindruck des Verflochtenseins ein.

Das betraf zum einen die beiden Stücke des ersten Teils. Franz Liszts „Après une lecture de Dante“ wird vom Intervall des Tritonus durchzogen. Ana-Marija Markovina meißelte die Akkorde nicht wie andere Pianisten in die Tasten, sondern achtete auf die musikalische Geste.

Der Tritonus findet sich auch verstärkt im Schlusssatz von Stefan Heuckes dritter Klaviersonate, die am Sonntag uraufgeführt wurde. Der Komponist sagte in seiner Einführung, er komponiere in einer Tonalität, die durch die Atonalität hindurchgegangen sei. Und: Er wolle ausloten, inwieweit eine klassisch komponierte Sonate heute noch möglich sei. Möglich ist sie schon, konnte man feststellen, aber sie erwies sich als zurückhaltend.

Anklänge an Schostakowitsch waren unüberhörbar. Der Scherzo-Satz wies in seinem huschenden Stil auf Mendelssohn. Mit Schwere war der Beginn des langsamen Satzes zu hören, dem eine stetige Bewegungszunahme folgte. Terzkaskaden durchzogen den Tonraum. Etwas Lisztsches schien dem finalen Satz mit wuchtigen Akkorden und drängender Melodik zu eigen.

Anton Urspruch war ein Lieblingsschüler von Franz Liszt. Davon war seinen 24 Variationen in A-Dur kaum etwas anzumerken. Die Tonsprache des Frankfurter Komponisten erinnert an Schumann, Brahms und Chopin. Und da schien er sich mit Stefan Heucke zu treffen. Die vollgriffigen Fortschreitungen reichten von sehnsüchtigen Melodien über perlende Tastenläufe, rätselhaftes Sinnieren, dramatische Ausbrüche bis hin zur grazilen Eleganz.

Ana-Marija Markovina beschloss Beethovens „Appassionata“-Klaviersonate aufgewühlt bis hinein ins Atemlose und wurde mit heftigem Beifall belohnt.

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