Initiative Mit Mut Verantwortung übernehmen

Landkreis / Julia Vogelmann 17.11.2018
Frauen politisch aktiv: Das steckt hinter Frapolia, einer neugeründeten Gruppe, die sich für mehr Frauen in der Politik einsetzt. Das Ziel sei aber nicht, Männer zu ersetzen.

Frauen sind in der Politik unterrepräsentiert. In vielen Gremien, vor allem auf kommunalpolitischer Ebene, sitzen nur einzelne Frauen oder sie fehlen völlig. Dabei ist die weibliche Perspektive genauso wichtig für die Entwicklung der Gesellschaft und eine Bereicherung, die von Frauen und Männern gleichermaßen wahrgenommen werden sollte, meint Isabell Rathgeb. „Kommunalpolitik ist alles, was mich im alltäglichen Leben tangiert. Es ist ein spannendes Feld, wo wir die Frauen ermutigen möchten, mitzugestalten und nicht nur gestalten zu lassen.“

„Wir“, das ist die neue überparteiliche und überkonfessionelle Initiative im Landkreis, der auch die Stimpfacherin angehört. Frapolia steht für Frauen politisch aktiv und richtet sich an Frauen, die in der Kommunalpolitik mitwirken oder es vorhaben.

Rathgeb selbst ist im Gemeinderat Stimpfach aktiv. Sie meint, die Initiative sei längst überfällig gewesen. „Es geht darum, sich kennenzulernen. Austausch hilft und bereichert“, formuliert sie die kurzfristigen Ziele der Initiative. Das große langfristige Ziel: „Wir wünschen uns 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen in den Gremien.“ Sie verweist auf die Statuten der Grünen, wo dies als Vorgabe längst festgeschrieben ist. „Ich finde, die Grünen gehen da mit gutem Beispiel voran. Die leben das auch“, lobt Rathgeb.

Mit Emanzipation habe die Initiative nur am Rande zu tun, vielmehr gehe es den Frauen darum, zu zeigen, dass es möglich ist, sich einzubringen, auch wenn man bereits Familie, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen muss. „Ich bin der Meinung, dass Männer und Frauen das Leben am besten gemeinsam gestalten. Da wünsche ich mir, dass mehr Frauen sich einbringen“, betont sie.

Ratlosigkeit auf beiden Seiten

Auch von Männern, die mit ihr in Gremien sitzen, wisse sie, dass diese einen höheren Frauenanteil wünschten. Es klappte aber angesichts fehlender Frauen nicht. Ein wenig Ratlosigkeit herrscht also auf beiden Seiten, weshalb sich gerade junge Frauen so schwertun, sich politisch zu engagieren. Argumente wie Familie, Beruf, aber auch gläserne Decke und patriarchalisch geprägte Traditionen will Rathgeb nur bedingt gelten lassen. „Frauen sollten sich das einfach zutrauen. Man sollte sie dazu ermutigen, sich auch in unbekannte Themen einzuarbeiten. Man hat jede Menge Hilfe dabei.“ Schließlich stünden Männer vor der gleichen Herausforderung.

„Auch sie wissen nicht gleich alles.“

Dass das Thema die Initiative umtreibt, spiegelt sich auch in den aktuellen Aktionen wider, die seit einigen Wochen laufen. Dazu gehören nicht nur Informationsabende, an denen politisch aktive Frauen einen Einblick in ihre Aufgaben geben, sondern auch öffentliche Aktionen, die auf die Ziele von Frapolia aufmerksam machen sollen. So fand am Montag in Hall ein Flashmob statt.

Ein roter Teppich unterhalb der Großen Treppe sollte den bereiteten Weg in die Kommunalpolitik weisen. Mitgebrachte Schuhe repräsentierten die vielen Frauen, die den Weg, angefangen beim Kampf für das Frauenwahlrecht, vor ihnen gegangen sind. Rund 100 Frauen kamen in der Mittagspause zusammen.

„Wir sind total zufrieden“, freute sich Isabell Rathgeb. Besonders positiv bewertete sie, dass auch ein paar Männer gekommen waren, auch wenn diese sich nicht getraut hätten, über den Teppich zu gehen. „In der Wahrnehmung ist das immer noch ein Frauenthema.“

Große Bandbreite vertreten

Aus Sicht von Rathgeb sollte man Demokratie nicht für selbstverständlich ansehen. „Es lohnt sich, sich dafür zu engagieren.“ Positiv sei, dass in der Initiative eine große Bandbreite dessen vertreten ist, was Kommunalpolitik für Frauen zu bieten hat: von der Landtagsabgeordneten über die Bürgermeisterin bis hin zur Gemeinderätin und Vertreterin der Landfrauen. „Wir wünschen uns auch Männer, die sagen, dass das eine gute Sache ist und sich als Unterstützer outen, das Thema Politik halbe-halbe hinzubekommen.“ Für die Kommunalwahlen im Mai 2019 wünscht sie sich deshalb jede Menge engagierter Frauen, die sich auf die Wahllisten setzen lassen. Interessierte Frauen lädt sie deshalb bereits jetzt schon ein, Kontakt aufzunehmen. „Wir sind schlagkräftiger, wenn wir uns zusammentun – dann machen wir das doch.“

Info Weiteres zur Initiative auf
www.frapolia-frauenpolitik.de.

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