Chanson Mit Liedern dahin reisen, wo die Kunst herkommt

Sitzt am Flügel und lächelt verschmitzt: Horst Maria Merz singt in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall.
Sitzt am Flügel und lächelt verschmitzt: Horst Maria Merz singt in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. © Foto: Würth/Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Maya Peters 12.06.2018

„Lassen Sie sich einfach gehen“, rät Chansonier und Pianist Horst Maria Merz dem Publikum am vergangenen Mittwoch im Adolf-Würth-Saal der Schwäbisch Haller Kunsthalle Würth. Und lässt die Zuhörer zum Abschluss der gut einstündigen Revue mit Liedern und Musikstücken aus neun Ländern wahre Lachsalven mitsingen und erzeugen. „Hoho, haha, hihi“ intoniert er rhythmisch vor, bis man Absicht und Heiterkeit nicht mehr unterscheiden kann. Der sogenannte Lachfoxtrott des Niederländers Robert Krais ist ein passendes Ende des unterhalt­samen Abends im Rahmenprogramm der Kunsthallen-Ausstellung „Wohin das Auge reicht“.

Im Dreiteiler sitzt Horst Maria Merz am Flügel und lässt seine Finger beschwingt über die Tasten gleiten. Seine Augenbrauen bewegen sich nach oben, das gelegentliche Lächeln zum Publikum ist sympathisch. Kurzweilig sind die Wechsel von reinen Klavierstücken zu gesungenen Preziosen von Europa bis Amerika. Der Unterhaltungskünstler hat musikalisch starke Gegensätze aus den Heimatländern der ausgestellten Künstler zusammengesetzt. Merz leitet beredt zu den Komponisten über, dabei verweist er immer wieder auf die Ausstellung. Sehr gelungen ist „La valse à mille temps“ (Jacques Brel). Der Walzer beginnt langsam, wird immer schneller, lauter und intensiver, bis der Text unsingbar ist und die Finger des Pianisten schier über die Tasten rasen. Verschmitzt blickt Merz auf und endet unter Beifall.

Danach erklingt virtuos Frédéric Chopins „Fantaisie-Impromptu“ vor „Nur ein Lächeln“ von Udo Jürgens, gefolgt von zwei Georg-Kreisler-Liedern. Merz setzt Klassik – auch im Sinne von modernen Klassikern – neben Schlager. Für England hat er den Sänger und Pianisten Elton John ausgewählt und verbindet „Your Song“, „Rocket Man“ oder „Don’t Let The Sun Go Down On Me“ zu einem gelungenen Medley, mit dem er kräftigsten Zwischenapplaus erntet.

Doch stimmlich und musikalisch richtig stark ist er vor allem in der Interpretation von Otto Reutter und Georg Kreisler. Denn die bösen, zynischen und witzigen Chansons scheinen ihm im Blut zu liegen. Kein Wunder, dass es auch als Zugabe nochmals Georg Kreisler zu hören gibt.

Künstler in drei Sparten

Horst Maria Merz ist Pianist, Schauspieler und Sänger. Der aus Frankfurt am Main stammende Künstler tourt mit dem Kreisler-Soloabend „Weil ich unmusikalisch bin“. Er trat bei den Salzburger Festspielen als Chansonnier auf. Seit 1997 spielt er die Rolle des Pianisten Erwin Bootz im Theaterstück „Comedian Harmonists“, gehört zu den „Berlin Comedian Harmonists“ und war musikalischer Leiter am Badischen Staatstheater Karlsruhe und bei den Ettlinger Schlossfestspielen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel