Motorsport Oldtimertreffen in Bühlertann mit Weltmeister

Bühlertann / Rainer Richter 19.06.2018
Die meisten Gäste in Bühlertann schätzen es, gemütlich beieinander zu sitzen und Fachgespräche zu führen. Veranstalter und Besucher eint eines: Sie machen sich keinen Stress.

Wer hätte das gedacht: Vor 25 Jahren begann die Geschichte der Oldtimerabteilung im Motorsportverein Bühlertann. Ziemlich prosaisch schildert Wolfgang Fuchs, einer der Mitbegründer, die Vorgeschichte. „Am Anfang haben wir zu dritt eine Ausfahrt gemacht und uns danach gemütlich zusammengesetzt. Weil‘s so schön war, haben wir das zu fünft ein Jahr später wiederholt. Weil uns das gemütliche Beisammensein so gut gefiel, ließen wir im dritten Jahr die Ausfahrt einfach weg.“ Das war die Geburtsstunde der Oldtimer­abteilung des MSV.

Seit 25 Jahren hält der Trend. Von Jahr zu Jahr steigt die Besucherzahl. Nicht alle melden sich an, die Teilnahme ist frei. So ist es schwierig, die genauen Teilnehmer mit Fahrzeug zu ermitteln. Es dürften an die 1000 sein. Wenn man die rund ums Gelände ausgestellten Fahrzeugreihen betrachtet, erscheint das plausibel. Die Tausende Besucher, die übers Areal schlendern, lassen sich beeindrucken und begeistern. Das schöne Wetter ist natürlich ein Katalysator. Die liebevoll restaurierten Fahrzeuge dem Regen auszusetzen, ist nicht jedermanns Geschmack. Zumal manche der exquisiten Stücke nicht einmal ein Dach haben.

Engelbert Stirner, Vorsitzender des MSV, kennt auch noch andere Motive für die Beliebtheit des Treffens. „Wir machen den Teilnehmern und uns keinen unnötigen Stress. Die meisten wollen gemütlich beisammensitzen und fachsimpeln.“ Sie verzichten auf Bewertungen und Preisverleihungen. Das gibt nur Unmut und Ärger und ist, wenn es Qualität haben soll, schwierig zu machen.

Alle einfahrenden Fahrzeuge werden vom Publikum und von Moderatoren wie Christoph Holl begrüßt. Mit ungeheurem Basiswissen werden nahezu zu jedem Fahrzeug kompetente Daten aus dem Stegreif bereitgehalten und Anekdoten erzählt.

Die meisten sind Schrauber

Eddi Westermayr, der jedes Jahr mit einem seiner Traktoren teilnimmt, schätzt es, Gleichgesinnte zu treffen und Tipps und Adressen auszutauschen. Die meisten Oldtimer-Besitzer sind nämlich auch Schrauber und begnadete Bastler. Werner Horlacher erläutert beispielsweise den Interessenten, die seinen Kreiner-­K18-Traktor umringen, dass er die Filzringe gegen Simmerringe austauschen will.

Allen gemeinsam ist die Liebe zu ihren Gefährten. Wolfgang Fuchs sagt es deutlich: „Ich habe nie eines meiner Fahrzeuge verkauft.“ Helmut Kasten aus Sulzbach ist mit einem Yamaha-Gespann angereist. „Ein Gespann ist der Traum meiner Jugend“, gesteht er. Da von der Industrie Gespanne nicht gefördert wurden, hat er seines selbst konstruiert. Sein Sohn ist schon zu alt dafür und hat kein Interesse am Gespannfahren. So muss halt der Hund als Beifahrer dienen. „Es ist wie ein Virus. Es lässt einen nicht mehr los“, philosophiert er.

Rudolf Glück fährt mit einem blitzsauberen Thurner RS vor. Das Fahrzeug stammt aus dem kleinsten Sportwagenunternehmen Deutschlands in Bernbeuren. Als Basis diente die um 100 mm verkürzte Bodengruppe des NSU 1200 C mit dem Heckmotor des NSU TT. Darauf wurde die auf einem Stahlrohrrahmen montierte Karosserie aus Fiberglas und glasfaserverstärktem Kunststoff verschraubt. Der zweisitzige Sportwagen hat Flügeltüren, die Doppelscheinwerfer des NSU TT liegen unter Plexiglasabdeckungen in der flachen Schnauze. Die Windschutzscheibe stammt vom Porsche 904. Außer der Straßenversion entstand auch noch eine Rennversion, der Thurner RS-R mit einem NSU-Abt-Einspritzmotor, der 135 PS entwickelte. Rudolf Glück mutmaßt: „Von den 121 gebauten Fahrzeugen sind wohl 25 noch fahrbereit.“ Er selbst ist mit seinem schon an die 100 000 Kilometer gefahren und besitzt für sein Fahrzeug sogar Winterreifen. Seit 1943 wird in der Familie ununterbrochen NSU gefahren.

Ideale Plattform für Bastler

Fritz Dollman und seine Frau Aloisia aus Aalen sind mit einem Sportwagen-Eigenbau vorgefahren. Das Fahrzeug hat vorne zwei, hinten ein Rad – ein sogenannter Threewheeler –, mit einem BMW- Boxer-Motor auf einem Gitterrohrrahmen, die Achse vom Mini Cooper, die Armaturen vom Motorrad. „Ich habe lange gebraucht, bis der TÜV das Fahrzeug abgenommen hat“, erzählt er. „Da bin ich halt mit einem roten Nummernschild gefahren.“ Gerade konstruiert er noch einen Rückwärtsgang. Sofort sind Gleichgesinnte zur Stelle, die Lösungsideen haben. Das ist das Herzblut des Oldtimertreffens: Dafür bieten die Bühlertanner die ideale Plattform.

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