Arbeitskampf Mit härterer Gangart zum Erfolg

Schon im Januar mobilisierte die IG Metall Schwäbisch Hall Beschäftigte mehrerer Firmen  zu einer Kundgebung in Crailsheim.
Schon im Januar mobilisierte die IG Metall Schwäbisch Hall Beschäftigte mehrerer Firmen  zu einer Kundgebung in Crailsheim. © Foto: Daniela Knipper
Landkreis Hall / do/pm 11.09.2018
Die Gewerkschaften haben in der ersten Jahreshälfte offensiver gekämpft als im vergangenen Jahr. Mit Erfolg: Sowohl die Metaller als auch die Beschäftigen im Öffentlichen Dienst konnten sich durchsetzen.

Die Tarifkonflikte im ersten Halbjahr 2018 verliefen weniger kooperativ als im Vorjahr. Das belegt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. In der Metall- und Elektroindustrie war die Lohnrunde so konfliktreich wie seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat bundesweit 15 Tarifverhandlungen von Januar bis Juni dieses Jahres ausgewertet und festgestellt, dass gleich mehrere große Tarifrunden, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie, im öffentlichen Dienst und im Baugewerbe von heftigen Streiks begleitet waren.

Insbesondere die IG Metall kämpfte mit harten Bandagen.  Auch die Region war davon betroffen. In Crailsheim machten die Metaller aus zehn Firmen schon im Januar  mit  Warnstreiks auf ihre Forderungen aufmerksam. Sie bekundeten gleichzeitig ihre Solidarität mit den Constellium-Angestellten, deren Arbeitgeber aus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall aussteigen und damit die Tarifbindung aushebeln wollte. Bei der Firma Bosch Packaging Technology waren die Mitarbeiter am 1. Februar ganztägig im Ausstand und die Constellium-Beschäftigten streikten sich über vier Tage zurück in den Tarif.

Gescheiterte Runden

Nach fünf gescheiterten Verhandlungsrunden und Tagesstreiks einigten sich die Tarifparteien in der Metall- und Elektroindustrie auf einen innovativen Abschluss: Die IG Metall setzte eine „kurze Vollzeit“ durch, die es Arbeitnehmern  in Vollzeitbeschäftigung ermöglicht, ihre Wochenarbeitszeit zeitweise zu reduzieren. Im Gegenzug bekommen die Betriebe mehr Möglichkeiten, längere Wochenarbeitszeiten als die tariflich vereinbarten 35 Stunden durchzusetzen.

Dabei hat die IG Metall alle Eskalationsstufen – angefangen von der Tarifverhandlung bis hin zum Streik – ausgenutzt. Damit waren die Auseinandersetzungen die härtesten seit 2003, als die Metaller erfolglos für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland streikten. Gleichfalls konfliktgeladen waren die Auseinandersetzungen im öffentlichen Dienst, die auch im Verdi-Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken ausgetragen wurden.

Streiks an verschiedenen Orten

Bestreikt wurden hier der Nahverkehr in Heilbronn und die Kindertagesstätten in Schwäbisch Hall, Crailsheim und Kupferzell, die  Bundeswehr Neckarzimmern, die SLK-Kliniken und die Kreissparkasse Heilbronn. Gleichzeitig legten die Beschäftigten der Telekom aus Schwäbisch Hall und Bad Mergentheim die Arbeit nieder.

Das Institut der Wirtschaft berechnete zur Jahresmitte eine  fast doppelt so hohe Konfliktintensität wie im Vorjahr. Aus der Sicht der Gewerkschaften hat sich das bezahlt gemacht: Die Tarifverdienste stiegen bis Juni um durchschnittlich 2,7 Prozent, im Vorjahr waren es nur 2,1. Auch für die zweite Jahreshälfte rechnet das Institut mit harten Auseinandersetzungen.

2,7

Prozent mehr Gehalt  konnten die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie, im öffentlichen Dienst und im Baugewerbe im Durchschnitt des ersten Halbjahres erzielen. Grund dafür war nach Angaben der Gewerkschaft ihre erhöhte Konfliktbereitschaft im Arbeitskampf.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel