Schwäbisch Hall Mit erhebenden Klängen ins Jahr

Orchester und Kantorei unter der Leitung von Kurt Enßle gestalten in der Haller Michaelskirche einen stimmungsvollen Jahresauftakt. Foto: Ufuk Arslan
Orchester und Kantorei unter der Leitung von Kurt Enßle gestalten in der Haller Michaelskirche einen stimmungsvollen Jahresauftakt. Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / BETTINA LOBER 03.01.2014
Eng geht es zu an diesem Neujahrsabend in St. Michael in Hall. Über 1200 Besucher kommen, um Werken von Bach sowie Erhard Mauersbergers und des Haller Michaelskantor Kurt Enßle zu lauschen.

Einen weiten Bogen spannt das Konzertprogramm bei der Stunde der Kirchenmusik am Neujahrstag in der Haller Michaelskirche: Werke von Johann Sebastian Bach stehen Kompositionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert gegenüber. Die Bänke im Kirchenschiff und auch auf den Empore sind eng besetzt, die Zuhörer erwartet festliche Musik zum neuen Jahr.

Mit Johann Sebastian Bachs Choral zum Neujahrslied "Helft mir Gotts Güte preisen" von Paul Eber (1511-1569) setzen die Kantorei St. Michael und das Orchester unter der Leitung von Kurt Enßle einen feierlichen, würde- und glanzvollen Auftakt. Ein ganz anderer Charakter entfaltet sich mit "Weihnacht" von Erhard Mauersberger, der von 1961 bis 1972 Thomaskantor als 14. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach wirkte: "Im Dunkeln tret ich gern hinaus, die Sterne schaun zur Nacht. . .", beginnen die sonoren Männerstimmen der Kantorei, zusammen mit den Frauenstimmen entwickelt sich ein emotionaler und sehnsuchtsvoller Klang. Und an einen Blues erinnert das Werk "Jesuskind wo bist du?" von Kurt Enßle, der einen Text des französischen Dramatikers Jean Anouilh (1910-1987) in eine stimmungsvolle Komposition umsetzte. Immer wieder taucht jene Frage nach dem Jesuskind auf und grundiert quasi als Ostinato die einzelnen Strophen, an deren Enden die Antwort gegeben wird: Dort, wo die Vergessenen, Einsamen und jene ohne Hoffnung sind.

Kurt Enßles Kanon zu Jahreslosung 2014 dagegen strahlt Zuversicht und Vertrauen aus. Sänger und Musiker singen und musizieren kraftvoll, der Dirigent wendet sich einladend auch zu den Kirchenbänken hin, aber nicht alle lassen sich zum Mitsingen animieren.

Mit Bachs Brandenburgischem Konzert II bringen die Musiker des Orchesters an St. Michael ein elegantes und tänzerisches Werk zum Klingen. Darin scheint sich Bachs Fantasie an den Klangfarben der Instrumente zu entzünden - ein musikalischer Wettstreit erfreut die Zuhörer. Weich und zart erklingt der Andante-Satz, festlich und flink der Schlusssatz.

Fein im Klang ist zunächst auch die Solokantate "Tritt auf die Glaubensbahn" (BWV 152). Bach komponierte das Werk für den Sonntag nach Neujahr. Reinhold Schreyer-Morlock füllt den Kirchenraum in der Aria mit seiner wohlklingenden Bassstimme. Irritationen entstehen, als die Viola zur Sopran-Aria "Stein, der über Schätze" zweimal neu ansetzen muss. Und Sopranistin Elvira Lessle scheint an diesem Tag ein wenig indisponiert, ihre Stimme klingt zuweilen grell. Es hakt und läuft nicht ganz rund.

Doch spätestens mit Bachs Teil IV des Weihnachtsoratoriums "Fallt mit Danken, fallt mit Loben", fangen sich alle wieder: Ruhig, ausgewogen, erhaben und weich gelingt der Eingangschor. Johannes Kaleschke beeindruckt mit seiner klaren warmen Tenor-Stimme, die auch in den leisen Stellen raumgreifend wirkt. Feierlich-meditativ ist auch die Echo-Sopranarie "Flößt, mein Heiland . . .", in der Elvira Lessle versiert singt.

Mit "Weihnachten in Schwäbisch Hall" von Kurt Enßle, ein gefühlvolles Stimmungsbild, setzen Kantorei und Orchester einen gemütvollen Schlusspunkt, in den die Gemeinde noch mit "O du fröhliche" einstimmt. Und so geht es mit erhebenden Klängen im Ohr ins neue Jahr.

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