Mobilität Mit Elektroantrieb zum Erfolg

Ein umfangreiches Sortiment an E-Bikes halten die Händler in der Region bereit – hier etwa das „MHW Bike House“ in Schwäbisch Hall.
Ein umfangreiches Sortiment an E-Bikes halten die Händler in der Region bereit – hier etwa das „MHW Bike House“ in Schwäbisch Hall. © Foto: Marc Hannes Schilling
Landkreis Hall / Frank Lutz 07.11.2018
Die Fahrradhändler in der Region verkaufen immer mehr E-Bikes – ein Grund ist, dass Elektrofahrräder mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 25 Stundenkilometern versicherungsfrei sind. Die EU will das jetzt ändern.

Die elektrische Revolution hat auch den Fahrradmarkt längst erfasst: Im vergangenen Jahr lag der Umsatz, der bundesweit mit E-Bikes erzielt wurde, erstmals über dem für herkömmliche Fahrräder. Das vermeldet das Kölner Marktforschungsinstitut IFH, das einen wichtigen Grund für den Erfolg in der Versicherungsfreiheit für Pedelecs – E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern – sieht. Nun aber legt die EU-Kommission einen Entwurf vor, der die bisherigen Vorschriften für die Kraftfahrzeugversicherung verschärfen und Versicherungen auch für Pedelecs vorschreiben soll. Was denken Fahrradhändler in der Region darüber? Machen auch sie mit E-Bikes derzeit glänzende Geschäfte? Und wie schätzen sie die künftige Entwicklung des Marktes ein?

Hoher Umsatzanteil

„Wir können bestätigen, dass das Umsatzvolumen erstmals auch bei uns höher lag als in den Vorjahren“, sagt Heinz Neumann, Geschäftsführer des „MHW Bike House“ in Schwäbisch Hall, über das Verhältnis von verkauften E-Bikes und herkömmlichen Fahrrädern im letzten Jahr. Das liege aber vor allem am wesentlich höheren Verkaufspreis der E-Bikes, denn bei den verkauften Stückzahlen machten sie gerade einmal 25 bis 30 Prozent aus. Andere Händler aus der Region bestätigen Neumanns Einschätzung: „Wir verkaufen mehr Pedelecs als normale Räder, am Umsatz gemessen“, sagt Jürgen Egger von „Eggis Bike Planet“ in Gaildorf: Zwar hätte nur gut die Hälfte der verkauften Räder einen Elektroantrieb, sie würden aber fast zwei Drittel zum Gesamtumsatz beitragen. „Zwei Drittel Umsatz mit E-Bikes, zu einem Drittel normale Bikes“ sei auch die Verteilung bei „Aktiv Sport Bohn“ in Fichtenberg, wie Inhaber Karl Bohn schätzt.

Unter den E-Bikes wiederum sind die Pedelecs immer beliebter: Zwar würden die auf 25 Stundenkilometer beschränkten E-Bikes bei „Future-Bikes“ in Crailsheim bisher nur 13 bis 15 Prozent zum Umsatz mit Elektrofahrrädern beitragen. Doch die Tendenz sei „stark steigend“, berichtet Inhaber Oliver Hoffmann. Bei „Aktiv Sport Bohn“ liege der Anteil bereits bei knapp zwei Dritteln, im „MHW Bike House“ sogar bei fast 100 Prozent.

Was aber, wenn die Versicherungspflicht für Pedelecs tatsächlich eingeführt wird? Hier haben die Händler eine eindeutige Meinung: Sie sind gegen die Versicherungspflicht. „Ich bin mir sicher, dass eine Versicherungspflicht das Geschäft negativ beeinträchtigen würde. Genauso wie zum Beispiel auch eine Helmpflicht“, meint Oliver Hoffmann. Heinz Neumann pflichtet ihm bei: „Wir befürworten diese Versicherungspflicht nicht, da es sich bei einem Pedelec immer noch um ein Fahrrad handelt, welches nicht ohne Hilfe angetrieben werden kann.“ Auch Neumann erwartet, dass eine Versicherungspflicht den Verkauf von Pedelecs stark einschränken würde. Jürgen Egger fände eine obligatorische Versicherung nur für Pedelecs ungerecht: „Dann müssten Räder ohne Motor auch versicherungspflichtig werden.“

Trotz ihrer Bedenken bezüglich der Pläne der EU-Kommission blicken die meisten Händler optimistisch in die Zukunft: „Der Gesamtumsatz wird sicher weiter steigen. E-Bikes werden einen immer größeren Anteil einnehmen“, prognostiziert Hoffmann für die Zukunft des Fahrradmarkts.

„Das Volumen wird wohl sicher steigen, da ein Ende der Steigerungsraten im Bereich E-Bikes noch nicht abzusehen ist“, erwartet Neumann. Ob dadurch aber auch der Gesamtumsatz steige, sei schwer abzusehen. Vorsichtig optimistisch zeigt sich auch Egger: „Die Umsätze werden nicht mehr so stark ansteigen wie bisher, da auch eine gewisse Sättigung eintritt. Allerdings wird sich alles auf sehr hohem Niveau bewegen.“

Sportlicher Ehrgeiz

Werden E-Bikes aber künftig herkömmliche Fahrräder ganz verdrängen? Auch hier haben die Händler eine klare Meinung: Fahrräder ohne Elektroantrieb werden immer ihre Käufer finden. Für Neumann ist unter anderem der sportliche Ehrgeiz einiger Hobbyradler hier ausschlaggebend: „Gründe sind unter anderem die weiterhin sportiven Fahrer, die ohne zusätzliche Hilfe auf die tägliche Strecke gehen möchten – Rennradfahrer und Mountainbikefahrer – und natürlich das höhere Preissegment.“

Auch Karl Bohn erwartet, dass sich der Markt in den kommenden zwei Jahren einpendeln wird: „Dann wird sich das Preisgefüge gliedern bis 1000 Euro für normale Bikes und ab 2000 Euro für E-Bikes. Über 1000 und mehr Euro für ein normales Rad werden nur noch die Sportler-Rennfahrer und nicht die Hobbyradfahrer anfragen.“

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Milliarden Euro Umsatz wurden letztes Jahr bundesweit mit dem Verkauf von Fahrrädern gemacht. 51 Prozent davon entfielen auf E-Bikes – sechs Prozent mehr als 2016.

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