Wochenmarkt Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Rosen für Brigitte Felger: Nach 35 Jahren verabschiedet sie sich als Marktstand-Betreiberin aus Hall. Ihren Demeterstand übergibt sie an ihren Nachfolger Florian Keimer (in roter Jacke links).
Rosen für Brigitte Felger: Nach 35 Jahren verabschiedet sie sich als Marktstand-Betreiberin aus Hall. Ihren Demeterstand übergibt sie an ihren Nachfolger Florian Keimer (in roter Jacke links). © Foto: Privatfoto
Bettina Lober 08.01.2018
Brigitte Felger hört nach 35 Jahren als Betreiberin des Demeterstands auf dem Haller Wochenmarkt auf. Ihren Stand übergibt sie an ihren Nachfolger Florian Keimer.

Sektflaschen am Demeterstand von Brigitte Felger auf dem Haller Wochenmarkt: Aber nein, damit wird an jenem Samstagmittag kurz vor dem großen Zusammenräumen auf dem Bonhoeffer-Platz nicht aufs neue Jahr angestoßen. Vielmehr wird Abschied gefeiert: Nach 35 Jahren hört Brigitte Felger aus Finsterrot als Marktstand-Betreiberin auf. Das hat verschiedene Gründe. Zum Beispiel die Gesundheit: Sie müsse mit ihren Kräften haushalten und wolle nun mit 60 Jahren einen Gang zurückschalten, lässt sie durchblicken. Wachsende Anforderungen machten die Arbeit nicht gerade einfacher und kosten zusätzlich Geld. Zudem sei es immer schwieriger, Personal für den Stand zu finden.

„Ich scheide mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, hat sie in einem Brief an ihre Kunden zum Jahresende geschrieben. Gewiss, die Kollegen und die Kunden werde sie sehr vermissen, räumt sie ein. Aber das Aufstehen um 4 Uhr in der Früh, wenn ab 5.40 Uhr vor Ort aufgebaut werden muss, dem trauert die Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache Großmutter nicht hinterher. Ebenso wenig dem oft nassen und kalten Wetter im Winterhalbjahr, erklärt sie und zeigt unterm Marktschirm hervor in Richtung Himmel, von dem es gerade gleichmütig herunter regnet. In guter Erinnerung bleiben ihr aber die vielen guten Gespräche mit den Kunden, die gegenseitige Wertschätzung und das daraus entstandene Vertraten.

Ihre Kollegen habe Brigitte Felger ins Herz geschlossen. „Die hätte doch noch nicht aufhören müssen“, zitiert Armin Stutz den liebevoll frotzelnden Kommentar seines Vaters Paul Stutz, der jahrzehntelang auf dem Markt Eier verkaufte. „Der Paul hat mich damals unter seine Fittiche genommen“, erinnert sich Brigitte Felger an ihre Anfänge auf dem Haller Wochenmarkt, als sie zunächst nur Gemüse verkaufte, das in der eigenen Demeter-Gärtnerei in und um Großhöchberg angebaut wurde. Mit der Zeit wurde das Sortiment mit immer mehr Bioware erweitert – „die Nachfrage ist stetig gestiegen“. Überhaupt: Die Hilfsbereitschaft unter den Marktbeschickern in Hall sei sehr groß, sagt Felger dankbar. Zum Abschied schenken die Marktkollegen ihrer „Biggi“ unter anderem Gutscheine – damit sie sich im Schenkenseebad verwöhnen lassen und den Marktplatz bei den Freilichtspielen auch einmal von einer ganz anderen Seite erleben kann.

Mit dem Demeterstand auf dem Haller Markt geht es übrigens nahtlos weiter: Künftig wird der Stand von Gärtnermeister Florian Keimer (38), Chef der Demetergärtnerei Großhöchberg, gemanagt. Im Hintergrund mischt Brigitte Felger bei der Vorbereitung der Markttermine auch weiterhin mit – „backstage also“, sagt Keimer schmunzelnd. Und Brigitte Felger ergänzt lächelnd: „Ich bin nicht aus der Welt, ab und zu wird man mich wohl auch als Hilfskraft am neuen Demeterstand antreffen.“