Schwäbisch Hall Mit Druck zur Heimat

Robert Wenzel gibt der Lunge den letzten Strich.
Robert Wenzel gibt der Lunge den letzten Strich. © Foto: d
Schwäbisch Hall / Verena Köger 14.06.2018
Studenten der Haller Kunstakademie hauchen ausrangierten Holztischplatten Leben ein. Die Objekte werden in einem Ulmer Café ausgestellt.

Was bedeutet Heimat? Diese Frage haben sich einige Studenten der Haller Akademie der Künste gestellt. Im Plastizierkurs von Stefan Vollrath haben sie sich dem Heimatbegriff auf verschiedene Weise angenähert.  Einen gemeinsamen Ausgangspunkt gibt es: Die Studenten haben ihre Interpretation auf Holzplatten von ausrangierten Bistrotischen zum Ausdruck gebracht. Die Tische stammen aus dem Haller Eiscafé Venezia in der Blockgasse. „Wir haben die Eisdiele Anfang des Jahres umgebaut und die Tische aussortiert“, sagt Giacomo Dona. Der Betreiber hat diese der Akademie geschenkt.

Vollrath hatte gleich eine Idee dazu im Kopf. „Heimat ist all das, was man dort vorfindet“, so der Bildhauer. Die Eisdiele besteht schon seit rund 30 Jahren in Hall. Menschen mit Geschichten gehen dort ein und aus. „Die Tischplatten sind Heimatträger“, so Vollrath. Seine Studenten haben ihnen eine neue Funktion verliehen.

Heimat ist Leben

Einer der Studenten ist Robert Wenzel. Der 22-Jährige kommt aus der Nähe von Nürnberg und hat in Hall Arbeiten für seine Mappe erstellt, mit der er sich an Hochschulen beworben hat.

Wenzel verbindet Heimat mit Leben. Das Ausrangieren der Tische hat er sinnbildlich mit dem Tod gleichgesetzt. Der Akademiestudent hat sich die Frage gestellt, wie er ihnen wieder Leben einhauchen kann. Er entschied sich für drei Symbole: Herz, Lunge und Gehirn. Mit einem Stechbeitel und einem Hammer hat er die Konturen der Organe auf jeweils einer Platte eingeprägt. Zusätzlich hat er Schriftzüge wie „Apoplexie“, der medizinische Begriff für Schlaganfall, gestaltet. Mit Stacheldraht und Stromkabeln hat er die elektrischen Impulse der Nervenbahnen verdeutlicht. Für das Bearbeiten einer Platte hat er fast einen Tag gebraucht. „Es war das erste Mal, dass ich handwerklich gearbeitet habe. Es hat Spaß gemacht“, sagt Wenzel. Dann ging es an den Druck.

Mit einer Walze hat der Bayer Druckfarbe aufgetragen und ein großes Blatt darauf gedrückt. So wurden die Umrisse auf der weißen Fläche seitenverkehrt sichtbar.  Nach dem Druck hat er die Oberflächen der Platten mit weißer Acrylfarbe bemalt. „Das Holz hat sich mit der Farbe vollgesogen. Durch das Weiß kam die Druckstruktur wieder zum Vorschein“, erklärt Wenzel.

Heimat ist Vielseitigkeit

Vollrath war es wichtig, seinen Studenten keine Vorgaben zu machen. Er wollte zeigen, dass Vielfältigkeit zur Heimat gehört. Der Dialog über die Bilder könne viele Impressionen auslösen.

Neben Wenzel haben noch vier weitere Studenten Holzplatten bearbeitet. Insgesamt sind es neun Objekte. Diese werden am Samstag, 16. Juni, im Café Jam in Ulm präsentiert. Anlass ist eine Veranstaltung der Volontäre, Auszubildenden und Studenten der Südwest Presse, zu der das Hohenloher und Haller Tagblatt sowie die Rundschau Gaildorf gehören. Die Veranstaltung trägt den Titel „heim|herz. Musik. Poetry. Kunst“. Künstler aus dem süddeutschen Raum tragen vor, wie sie Heimat definieren. Die Arbeiten aus der Haller Akademie der Künste werden danach für eine Weile in einem Künstlercafé in Ulm ausgestellt.

Musik und Kunst aus Schwäbisch Hall

Die Volontäre, Auszubildenden und Studenten der Südwest Presse organisieren jedes Jahr ein gemeinsames Projekt. Dieses Mal ist es ein Event, das am Samstag, 16. Juni, um 20 Uhr im Café Jam in Ulm stattfindet. „heim|herz. Musik. Poetry. Kunst“ heißt es. Künstler aus dem süddeutschen Raum, darunter Poetry-Slammer, Musiker und ein Comedian, zeigen, was für sie Heimat bedeutet. Neben der Akademie der Künste wirkt auch die Haller Band „Derailed“ mit.

Flyer liegen in den HT-Shops in Hall und Crailsheim aus. Dort sind auch Karten für die Veranstaltung erhältlich. Näheres zum Projekt gibt es auf www.heim-herz.de. ena

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