Musik Tag der offenen Tür: Papagei am Geigenbogen

„Fester halten und auf und ab, bravo!“, lobt Gerald Roppelt.
„Fester halten und auf und ab, bravo!“, lobt Gerald Roppelt. © Foto: Maya Peters
Schwäbisch Hall / Maya Peters 13.06.2018
Gerald Roppelt unterrichtet an der Musikschule. Beim Tag der Offenen Türen zeigen die Lehrer „ihre“ Instrumente.

Es trällert, tönt und wuselt im Haus der Bildung. Am vergangenen Sonntag ist in der städtischen Musikschule der Andrang bei den Lehrern und Konzerten groß. „Im letzten Jahr war ich auch schon hier“, lächelt die achtjährige Lotte und fühlt sich schon als „alter Hase“. Damals habe sie beschlossen, mit Geige anzufangen. Heuer gehört sie schon zu den „Stadtstreichern“, dem ersten Nachwuchsensemble unter Gerald Roppelt, seit 1987 Lehrer für Violine und Viola.

„Am meisten Spaß macht es, im Ensemble zu spielen“, erläutert er vor Konzertbeginn. „Wenn die Kinder schon stabil musizieren können, gilt unsere Aufmerksamkeit dem Hören in der Gruppe.“ Man fördere deshalb gemeinsame Auftritte. Das erkennt man auch an den nachfolgenden Gruppierungen mit unterschiedlichen Instrumenten von der Blockflöte zum Saxofon oder Klavier. Der Förderverein der Musikschule, „Viva la musica“, macht am Tag der offenen Türen ein besonderen Angebot: Diejenigen, die sich für Oboe, Fagott, Horn, Euphonium, Posaune oder Kontrabass entscheiden, bekommen die Leihgebühr für ein Schuljahr geschenkt. Der Auftritt der Klasse Georg Siebert motiviert zusätzlich. Schön ist, dass die kammermusikalischen und solistischen Vorträge so kurz und abwechslungsreich sind, dass selbst jüngere Kinder gebannt zuhören.

Die „Streichhölzchen“ warten

Die ersten Vorspiele sollten am besten ohne Noten, also auswendig vorgetragen werden, erklärt Roppelt. Teils werde auch durch „Solmisationslieder“ in Do – Re – Mi – Fa – So – La – Ti und Do geschult. Zwei Stücke tragen Lotte, Theo und Selina vor, unterstützt durch Johanna. Konzentriert spielen die Grundschüler und vergessen fast die obligatorische Verbeugung vor dem wohlwollenden Publikum. Mit mehr Spielpraxis steigen sie dann auf zu den „Streichhölzchen“ unter der Leitung von Steffen Pfundmaier. Diese haben bereits zu früherer Stunde ihren Auftritt gehabt.

Da war Roppelt noch in seinem Raum im zweiten Stock anzutreffen. Immer wieder guckt jemand neugierig hinein. 17 verschiedene Räume und deutlich mehr Instrumente vom Schlagzeug über Gitarre, Fagott, Klavier, Akkordeon, Kontrabass, Harfe, Querflöte oder Blechblasinstrumente bis hin zur Violine kann man auf den drei Stockwerken im Haus der Bildung ausprobieren.

Lisa (10) spielt bereits Harfe und überlegt, mit Geige oder Cello anzufangen. Darum ist sie an diesem Tag zu Roppelt gegangen. Doch zuvor gilt es zu warten. Denn Adrian (8) und Lennart (5) wollen auch mal das Streichinstrument ausprobieren, das es für Kinder in mehreren Größen von der Viertel- bis zur ganzen Geige gibt. Ein Gummi und ein kleines Frotteehandtuch dienen zunächst als Stütze. „Das ist einfacher am Anfang.“ Erst gilt es, die Geige zwischen Kinn und Schulter zu halten. Die Bogenhand des Grundschülers zupft zunächst nur an den Seiten. „Haben die gleich geklungen?“, fragt Roppelt und fühlt sich so in das Können und Wissen der Kinder ein. „Nein, eine war höher“, weiß Adrian. Und die nächsten seien wieder höher. Schnell sind die Stimmen verteilt: „Bär, Papa, Mama und Vögelchen“, nennt sie der Lehrer, zieht dabei passenden Grimassen. „1, 2, 3, 4“, zählt er vor und bestimmt so den Takt, mal fröhlich, mal schwerfällig. Auch das Material des Bogens wird zum Ratespiel. „Woraus ist der gemacht?“, fragt Roppelt. Dass die Antwort Pferdeschwanzhaare lautet, darauf kommen die Jungen nicht. Das Roßhaar dürfe man nicht anfassen, sonst kämen keine Töne mehr heraus, warnt er und überreicht den Bogen. Die Anleitung zum richtigen Griff folgt sogleich: Kein Adler-, sondern ein Papageienschnabel sind gefragt. Daumen und Mittelfinger sollen eine Art Ring bilden. Für den Fünfjährigen holt er zusätzlich Bilder bunter Papageien hervor, damit er sich diese Haltung besser vorstellen kann. Dann folgt eine Einheit zum ersten Erlernen der Streichbewegungen. „Fester halten und auf und ab, bravo“, lobt er und bewegt zugleich seinen Arm. Und schon erklingen die ersten Töne, noch geführt und doch durchaus eigenständig. Ein Lächeln macht seine Runde, von den Kindergesichtern zum Lehrer und dann wird fröhlich der Raum gewechselt.

„Lieber Dackel, ach wie dumm, deine Beine sind so krumm“, kann man bei Gitarrenlehrer Franz Herold zupfen – und auch wie herum man das Instrument hält. Noriko Wakabayashi führt ins Klavierspiel ein, zum Abschluss wird „Alle meine Entchen“ gespielt. Auch das Schlagzeug von Frank Wanninger zieht viele Kinder an. „Wir machen den Groove“, wirbt er und führt vor, wie aus Rock eine Ballade werden kann.

„Geigen war das beste“, sind sich jedenfalls die beiden Jungen am Ende des Nachmittags einig. Cello, Klavier, Schlagzeug und Gitarre haben sie ausprobiert und dem Abschlusskonzert gelauscht. Der Schnupperunterricht bei Roppelt gefiel ihnen besonders gut. Vielleicht auch, weil er so eindrücklich war mit Bär, Ross, Vögelchen und Papagei.

Violinenstudium in Trossingen

Gerald Roppelt wurde 1963 in Hermannstadt in Siebenbürgen geboren. Er studierte an der Musikhochschule Trossingen im Hauptfach Violine. Seit 1987 unterrichtet er an der Haller Musikschule Geige und Viola und leitet das jüngste Ensemble, die Haller „Stadtstreicher“. Er ist verheiratet und kinderlos. may

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