Medizin Mit Botox gegen Inkontinenz

Von links: Torben Hofmann, Oberarzt der Diak-Urologie, Ricarda Bauer, Vorsitzende des Forum Urodynamicum, Schauspieler Michael Gaedt, Markus Grabbert, Preisträger des Eugen- Rehfisch-Preises und Chef der Urologie am Diak, Bernhard Brehmer.
Von links: Torben Hofmann, Oberarzt der Diak-Urologie, Ricarda Bauer, Vorsitzende des Forum Urodynamicum, Schauspieler Michael Gaedt, Markus Grabbert, Preisträger des Eugen- Rehfisch-Preises und Chef der Urologie am Diak, Bernhard Brehmer. © Foto: Sigrid Bauer
Schwäbisch Hall / Sigrid Bauer 14.03.2018
Urologieexperten aus Deutschland und den Nachbarländern tauschen sich in Hall aus. Eingeladen hat dazu Torben Hofmann vom Haller Diak.

Wir fühlen uns geehrt, dass wir das Jahrestreffen ausrichten dürfen und solche Koryphäen nach Hall kommen. Sonst sind die Veranstalter meist Uni-Kliniken oder spezielle Kliniken für Neuro-Urologie“, sagt Torben Hofmann, Oberarzt und einer von sieben Ärzten der Urologie im Diak. Hofmann ist regelmäßig bei Jahresveranstaltungen des Forums Urodynamicum dabei und hat vor zwei Jahren angeboten, das wissenschaftliche Treffen 2018 in Hall auszurichten.

Die Diak-Urologie-Abteilung von Chefarzt Dr. med. Bernhard Brehmer ist eine der Säulen des kürzlich zertifizierten Kontinenz- und Beckenboden-Zentrums Hohenlohe, in dem das Diak mit dem Crailsheimer Klinikum kooperiert. „Für unser junges Zentrum ist das Forum Urodynamicum eine gute Gelegenheit, sich zu präsentieren“, so Hofmann. „Und unseren wissenschaftlichen Anspruch zu zeigen“, ergänzt der Chef der Urologie.

Rund 150 Teilnehmer in Hall

Letztendlich profitiere der Patient auch von solchen Veranstaltungen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse in Therapien einfließen, so Brehmer. „Uns war wichtig, die Region nicht nur wissenschaftlich zu präsentieren, sondern als Gesamtheit“, betont er. Dabei hätten viele Sponsoren unterstützt. „Erstaunlicherweise nicht nur Unternehmen aus der Medizin, sondern auch Firmen aus der Region, die nichts mit Medizin zu tun haben“, so Brehmer.

Hofmann hat für die rund 150 Teilnehmer aus den Bereichen Urologie, Neuro-Urologie, Urogynäkologie und der Industrie eine Veranstaltung auf hohem wissenschaftlichen Niveau, aber auch ein Rahmenprogramm etwa mit einer Führung in der Kunsthalle Würth organisiert. Für den Samstagvormittag holte sich Hofmann Schauspieler Michael Gaedt, einst Mitglied der Gruppe „Die kleine Tierschau“, als Co-Moderator.

In den Fachvorträgen ging es um neue Therapiemöglichkeiten der Harninkontinenz, der überaktiven Blase, um die Diagnostik bei kindlicher Harninkontinenz und den Einfluss der Ernährung auf Inkontinenz.

Männer verschweigen das häufig

„Wir hoffen auf einen Zugewinn an Patienten“, so Hofmann auf die Frage, was er sich von dem Kongress erwartet. „Die Patienten sollen sehen, dass wir hier alle etablierten Verfahren anwenden und sie nicht nach Hamburg oder München zu fahren brauchen.“ Für viele Menschen, vor allem für Männer sei Harninkontinenz ein Thema, das sie lieber verschweigen, mit dem sie sich arrangiert haben. „Den meisten Menschen könnten wir aber helfen, zumindest so weit, dass das Leben für sie einfacher wird.“ Harninkontinenz sei nicht nur ein Thema älterer Menschen, wobei Frauen durch Geburten in der Regel früher als Männer betroffen sind, sondern auch von Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose oder einer Querschnittslähmung. Meist gibt es drei Therapieansätze: konservativ, darunter fallen Methoden, die den Beckenboden stärken; Therapie mit Biofeedback; Elektrostimulation. Medikamentöse Verfahren könnten bei einer überaktiven Blase helfen, indem sie die Muskulatur beruhigen. „In manchen Fällen von Überaktivität setzen wir auch Botox ein. Vielen Patienten geht es danach besser, ihre Lebensqualität ist wie ausgewechselt“, schildert Hofmann.

Impulsgeber am Steißbein

Mit einem kleinen operativen Eingriff ist die sogenannte sakrale Neuromodulation verbunden. Dabei wird ein Impulsgenerator in der Nähe des Steißbeins unter die Haut gepflanzt, der die Nerven zur Steuerung der Blasenmuskel stimuliert. Ein österreichischer Referent hat Ergebnisse aus der Grundlagenforschung vorgestellt. Die genaue Funktionsweise ist bei dieser Therapie noch nicht bekannt. Ebenfalls operativ setzen Urologen künstliche Harnblasenschließmuskel oder Bänder aus Kunststoff ein. „Im Diak versuchen wir, das komplette Therapiespektrum außer der Nierentransplantation abzubilden,“ so Hoffmann.

Ärzte werden in Hall ausgezeichnet

Dr. Stephanie Knüpfer von der Urologischen Klinik der Uni Kiel ist mit dem Eugen-Rehfisch-Preis für die beste Arbeit im Bereich der urologischen Grundlagenforschung ausgezeichnet worden.  Den Preis für die beste klinische Arbeit erhielt  Dr. Markus Grabbert von der Urologischen Klinik der Uni Köln

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