Gartenfreunde aus der ganzen Region suchen zwischen Ende Januar und Mitte April gerne den Hügel am Langenburger Rumänenhäusle auf. Dort blühen auf einem ausgedehnten Gelände am Hang viele Tausend Lenzrosen. An kalten Tagen wie in der vergangenen Woche legen die Stauden die zarten Blütenköpfe unter der Knute des Frosts auf den Boden. Scheint die Sonne, recken sich die Blüten, die in allen erdenklichen Schattierungen zwischen weiß, grün, rosa und dunkelkarminrot blühen, dem Licht entgegen.

Arnold Ruopp und seine Frau Heide kennen jeden Winkel des Südhangs beim Schloss. Dem früheren Pfarrer von Langenburg und Bächlingen (1988 bis 2011) und seiner Frau ist es zu verdanken, dass seit einigen Jahren das Gelände samt früherem Wein­berg­hang saniert wird – mit finanzieller Unterstützung des Albverein-Landesverbands, der dazu das Geld aus einem Vermächtnis zur Verfügung stellt. Zudem hat der Geschichts- und Kulturverein zusammen mit dem Ehepaar Ruopp das Rumänenhäusle saniert. Und nicht zuletzt hat das Paar mit seinen Forschungen dafür gesorgt, dass die zauberhafte Geschichte um die Entstehung des Gartens inzwischen bekannt ist. Bislang wurde in Langenburg kolportiert, dass der Name „Rumänenhäusle“ daher rühre, dass die Urgroßtante des jetzigen Fürsten Philipp zu Hohenlohe-Langenburg, Königin Maria von Rumänien, dort öfters zu Besuch gewesen sei. Die Forschungen des Ehepaars Ruopp, haben weitere Details wieder ans Licht der Öffentlichkeit getragen. Die Bauakte und die Rechnungsbücher von Erbprinzessin Ale­xandra sind die historischen Quellen im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein für dieses Projekt.

Fürst Ernst II. (der Urgroßvater des heutigen Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg) war 33 Jahre alt, als er 1896 die 17-jährige Prinzessin Alexandra von Sachsen-Coburg und Gotha heiratete. Die junge Frau, eine Enkelin von Königin Viktoria und Zar Alexander II. von Russland, verbrachte mit ihren drei Schwestern ihre Kindheit und Jugend in England, auf Zypern und Malta sowie in Coburg. Mit der Anlage eines Prinzessinnengartens wollte Erb­prinz Ernst seiner jungen Frau das Ankommen in Hohenlohe erleichtern, schildert Ruopp.

Ein Kukuruz-Häuschen

Im Hochzeitsjahr kündigte Erbprinz Ernst die seitherigen Pachtverträge und ließ das Grundstück in einen Luxusgarten umwandeln. 1898 sollte ein Blockhäuschen gebaut werden. Prinzessin Alexan­dra bekam in diesem Jahr jedoch ein Foto ihrer Schwester Maria von Rumänien zugeschickt. Es zeigte ein Kukuruz-Häuschen, ein Gartenhaus, das mit Maisstroh gedeckt ist. Genau so eines wollte Prinzessin Alexandra auch haben, und sie bekam es. Allerdings mit Roggenstroh bedeckt.

Der Einweihungstermin stand bald fest: Es sollte der 20. Geburtstag der Prinzessin sein, der 1. September 1898. Doch wie so oft bei Bauten wurde es offenbar auch bei der Errichtung des Rumänenhäusles zeitlich eng. Wie Lohnlisten zu entnehmen ist, fünf fürstliche Gärtner mit, dass „Gypser Johann Ruppert aus Gera­bronn“ das Strohdach noch rechtzeitig aufbringen konnte. Das neue Gärtchen und der Geburtstag der Prinzessin wurden gebührend gefeiert: „Sandra’s Geburtstag. Nachmittags Fahrt nach ­Leofels. Abends Feuerwerk in unserem Gärtchen“, schrieb Erbprinz Ernst am Abend in sein Tagebuch.

In den ersten Jahren steckte das Prinzenpaar viel Geld in die Ausgestaltung des Gartens. 1901/1902 ließ es beispielsweise 600 Erdbeerpflanzen setzen. 1902 orderten sie von der Gärtnerei Heinemann aus Erfurt zwei Mal je zehn Helleborus-Pflanzen. Diese 20 Lenzrosen waren die Keimzelle des heutigen Hains.

Patente Fürstin

1913, nach dem Tod von Hermann zu Hohenlohe-Langenburg, wurde das Prinzenpaar die Fürsten auf Schloss Langenburg. Gesellschaftliche Umbrüche und der Erste Weltkrieg erschütterten Europa. Beide engagierten sich in der Krankenpflege, er an der Ostfront, sie in Coburg. Schloss und Garten in Weikersheim standen nach dem Krieg stärker im Blickpunkt des fürstlichen Ehepaares. Zudem waren beide oft in ganz Europa unterwegs. Am Steuer saß häufig Fürstin Alexandra – sie war die erste Frau in Langenburg, die einen Führerschein hatte. Sie starb 1942 in Schwäbisch Hall, er 1950 in Langenburg.

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