Michelfeld/Schwäbisch Hall Mit 15 PS ins Abenteuer: Peter Wagner und Nadanjo Vollrath fahren mit Schleppern nach Südtirol

Die jungen Männer und die alten Traktoren: Peter Wagner und Nadanjo Vollrath kurz vor dem Start ihrer Tour nach Südtirol. Dorthin fahren sie mit ihren Schleppern. Morgen oder übermorgen wollen sie dort ankommen.
Die jungen Männer und die alten Traktoren: Peter Wagner und Nadanjo Vollrath kurz vor dem Start ihrer Tour nach Südtirol. Dorthin fahren sie mit ihren Schleppern. Morgen oder übermorgen wollen sie dort ankommen. © Foto: Ufuk Arslan
Michelfeld/Schwäbisch Hall / KATHARINA GOTTSCHALK 11.06.2014
Zwei junge Männer wollen mit ihren alten Schleppern nach Meran in Südtirol fahren. Mit durchschnittlich 20 Stundenkilometern sind sie mehrere Tage unterwegs. Sie schlafen in einem selbstgebauten Hänger.

Der eine Schlepper ist ein Kramer K15 in Grün, Baujahr 1954. Der andere ist ein Perkins-Eicher 3254 A in Hellblau aus dem Jahr 1971. Beide haben viele Jahrzehnte auf dem Buckel und viele Kilometer. Doch beide stehen sehr gut da, denn ihre Besitzer hegen und pflegen sie. Wie kommen zwei junge Männer, 18 und 19 Jahre alt, zu solch einem Hobby? Peter Wagner und Nadanjo Vollrath schauen sich an und überlegen kurz. "Es ist alles noch mechanisch, und man kann selbst dran herumschrauben", sagt Wagner. "Ich glaube, es ist das Gemütliche, was mir gefällt. Die Entschleunigung. Man kann die Landschaft viel mehr genießen, wenn man so langsam unterwegs ist. Und ich schraube auch sehr gern", fügt Nadanjo hinzu.

Sein normales Straßengefährt ist ebenfalls schon ein Oldtimer. Eine Ente mit 29 PS. Immerhin schneller als sein Schlepper, der hat nur 15 PS und fährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometer pro Stunde. Während Vollrath also Vollgas geben muss, kann Peter Wagner auf Halbgas fahren. Er kann stolz sein auf 45 PS und 28 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit.

Die beiden Fahrer planen seit mehreren Monaten ihre Reise

Nun kommen auf die alten Schlepper noch einmal gute 1000 Kilometer drauf. Denn ihre Besitzer Peter Wagner (18) aus Michelfeld-Lemberg und Nadanjo Vollrath (19) aus Hessental wollen eine lange Reise antreten. Das Ziel ist Meran in Südtirol. "Wir haben bei einem Schleppertreffen in Waldenburg einen älteren Herrn kennengelernt, der ebenfalls großer Schlepperfan ist. Er wohnt in Meran, ist Rentner und hat viel Zeit. Irgendwann kam uns die Idee, dass wir mal einen größeren Ausflug machen wollen, und so haben wir Kontakt mit ihm aufgenommen", erinnert sich Wagner. Seit Februar planen die beiden jungen Männer ihre Fahrt. Sie haben sich eine Route herausgesucht und sich Etappenziele gesetzt. Werkzeug muss natürlich auch eingepackt werden, denn bei den beiden alten Gefährten weiß man nie, ob nicht mal etwas kaputt geht. Wagner und Vollrath können aber alles selbst reparieren. Wagner hat seinen Perkins-Eicher 3254 A allein restauriert und aufgebaut. Ihm hilft dabei seine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker, die er jetzt im dritten Lehrjahr absolviert.

Gute 1000 Kilometer und 35 Stunden Fahrt liegen vor den beiden jungen Männern. Sie freuen sich darauf, sind schon ein wenig aufgeregt. So eine lange Fahrt haben beide noch nie gemacht mit ihren alten Schleppern. "Am Tag wollen wir vier bis sechs Stunden fahren", sagt Vollrath.

Am Samstag starteten sie nach Dinkelsbühl zu einem Schleppertreffen. Dort blieben die beiden bis Pfingstmontag, dann machten sie sich auf Richtung Süden. "Je nachdem, wie es läuft, planen wir, dass wir Donnerstag oder Freitag in Meran ankommen", so Peter Wagner. Sie werden über normale Straßen fahren, inklusive einem Pass. "Da werden wir wohl den ein oder anderen Autofahrer ausbremsen", witzeln die beiden. Sie freuen sich darauf, bei gemütlichen 20 Stundenkilometern die Landschaft zu genießen. "Wenn es uns wo gefällt, halten wir auch mal an. Wir verständigen uns mit Handzeichen oder Hupe." Da beide ohne Dach und Außenwände fahren, wird es ordentlich ziehen. Handschuhe und warme Jacken sind schon eingepackt. Und wenn es regnet? "Machen wir halt eine Pause", meint Wagner und lächelt.

Geschlafen wird hinter dem Schlepper. Peter hat einen alten Anhänger, den Waldarbeiter für Pausen nutzen, auseinandergebaut und neu aufgebaut, inklusive Sitzecke mit Schlaffunktion, Tisch, Kommode und kleinem Gasherd. Vollrath wird in einem alten Schlauchbootanhänger der Feuerwehr schlafen. Der ist nur 80 Zentimeter hoch, aber zum Schlafen reicht es.