Schwäbisch Hall/Rom Haller Ministranten besuchen den Papst

Rom/Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek 22.08.2018
Die 15-jährige Lara Berger und der 25-jährige Kathrin Beerlage sind bei der internationalen Ministrantenwallfahrt in Rom dabei. Beide engagieren sich im katholischen Dekanat in Hall.

Dem Papst einmal ganz nahe sein. Das konnten Kathrin Beerlage und Lara Berger. Sie waren bei der internationalen Ministrantenwallfahrt in Rom, mit einer Sonderaudienz bei Papst Franziskus, dabei. „Das Highlight war, als der Papst durch die Reihen gefahren ist“, erzählt die 15-jährige Lara. Sie war zum ersten Mal in der Ewigen Stadt. Kathrin hat die Reise bereits zum vierten Mal mitgemacht. Heuer als Begleiterin.

Fünf Tage lang waren 87 Ministranten aus dem Haller Dekanat Ende Juli, Anfang August in der Stadt unterwegs und haben bei rund 40 Grad geschwitzt. Eine Herausforderung für die Organisatoren und Begleitpersonen, das Programm durchzuziehen. „Wir mussten viel improvisieren“, erzählt Kathrin.

In einem sind sich Kathrin und Lara einig: „60.000 Ministranten standen da und man fühlte sich geborgen in der Gemeinschaft. Ein überwältigendes Gefühl.“ Ausgeschrieben war die Wallfahrt von der Diözese Rottenburg-Stuttgart, an der auch „Minis“, wie die Ministranten oder Messdiener genannt werden, aus dem Dekanat Schwäbisch Hall teilgenommen haben. Ein Selfie mit dem Papst, wie es ein Oberministrant aus dem Hohenlohekreis ergattern konnte, ist den beiden leider nicht gelungen. „Ich stand zwar oben, wo der Papst war, für ein Selfie hat es aber leider nicht gereicht“, meint die 25-jährige Oberministrantin Kathrin.

Trotzdem war es ein ehrfurchtgebietender Moment. „Der Papst ist das Bindeglied zwischen Gott und den Menschen. Da hat man schon einen großen Respekt“, so Lara. Seitdem sie neun Jahre alt war, ist sie in der Filialkirche St. Peter und Paul in Westheim, die zur Kirchengemeinde St. Markus gehört, aktiv. „Mein Vater war Mesner, meine Mutter ist Mesnerin und meine beiden Schwestern sind so wie ich Ministrantinnen“, erklärt Lara.

Für sie war klar, dass sie in der Kirche bleibt. Momentan ist sie gerade auf der Suche nach neuen Ministranten, da es in ihrer Gemeinde nur vier gibt. „Wir haben manchmal auch evangelische Ministranten, weil wir sonst niemanden haben“, erklärt sie. Zur Evangelischen Kirche hat die 15-Jährige eine klare Meinung: „Ich bin sehr in der katholischen Tradition verwurzelt. Wenn ich in einem evangelischen Gottesdienst eine Frau predigen sehe, ist das für mich im ersten Moment immer ein bisschen komisch“, sagt Lara.

Ein mulmiges Gefühl

Zurück in Rom. Ein paar Punkte dürfen bei einem Besuch einfach nicht fehlen. Wie ein Gottesdienst in St. Paul vor den Mauern, der Trevi-Brunnen, die spanische Treppe oder das Kolosseum. „Etwas mulmig wurde mir beim Aufstieg in die Kuppel im Petersdom“, so Lara. Die engen und schiefen Gänge muss sie nicht noch einmal haben, gesteht sie. Aber wenn sie in vier Jahren immer noch als Ministrantin dabei ist, würde sie wieder mitfahren.

Davor möchte sie aber nach ihrem Abitur auf dem Erasmus-Widmann-Gymnasium in Hall Sonderpädagogik in Ludwigsburg studieren. „Ich habe eine Zeit lang den behinderten Bruder von einer Freundin betreut und auch schon im Sonnenhof ein Praktikum gemacht.“ Auch Kathrin möchte mit Kindern arbeiten. Sie studiert derzeit auf Lehramt mit den Schwerpunkten Theologie und Mathematik in Schwäbisch Gmünd, um Grundschullehrerin zu werden.

Obwohl sie genug mit ihrem Studium zu tun hat, möchte Kathrin es nicht missen, die jungen Ministranten auf ihren Ausflügen und Reisen zu begleiten. Ebenso wie Lara gefällt ihr das Gemeinschaftsgefühl, das man gerade bei solchen Aktivitäten hat. So auch in Rom. Sie kamen mit anderen Ministranten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und von weiter weg ins Gespräch. Die Ministranten waren auch sofort zu erkennen – an ihren farbigen Pilgertüchern, die auch getauscht wurden. „Da unterhält man sich mitten in Rom mit anderen Ministranten, die man so nicht angesprochen hätte“, betont Lara. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber: „Ich wollte unbedingt ein Tuch aus Österreich haben, aber das hat nicht ganz geklappt. Ich habe immerhin eines aus ­Passau“, meint sie schmunzelnd.

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