Ehrentitel Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeichnet Erhard Eppler mit Ehrentitel aus

Feierlicher Akt: Ministerpräsident Kretschmann (links) überreicht Erhard Eppler die Verleihungsurkunde für den Ehrentitel Professor.
Feierlicher Akt: Ministerpräsident Kretschmann (links) überreicht Erhard Eppler die Verleihungsurkunde für den Ehrentitel Professor. © Foto: Staatsministerium
Schwäbisch Hall / JOCHEN KORTE 17.11.2014
Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Erhard Eppler den ehemaligen SPD-Entwicklungshilfeminister, Publizisten und Essayisten aus Schwäbisch Hall mit dem Ehrentitel Professor ausgezeichnet.

"Wenn ich das alles glauben würde, könnte ich übermütig werden. Doch ich werde nicht abheben. Auch der Professor und Minister a. D. wird weiterhin in seinem Garten Unkraut jäten und Paprika pflanzen." Mit der für ihn typischen Bescheidenheit bedankte sich Erhard Eppler (87) am Samstag bei Kretschmann für die Auszeichnung.

Im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart hatten sich über 60 Weggefährten, SPD-Politiker aus dem Land und der Stadt Hall, Vertreter der evangelischen Kirche, Freunde und große Teile von Epplers Familie versammelt. Darunter waren Epplers Frau Irene, die drei noch lebenden Geschwister Richard, Irmgard und Ilse, seine Tochter Verena, drei Enkel (Johann, Anne sowie Tilman mit Freundin Theresia) und das älteste Urenkelkind Martin, das in wenigen Tagen drei Jahre alt wird. Aus dem Kreis Hall waren unter anderem der SPD-Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou, der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Bachmaier und der ehemalige Haller Dekan Paul Dieterich dabei.

Winfried Kretschmann bekannte, dass es für ihn als Laudator ein recht aussichtsloses Unterfangen sei, die Vielfalt Epplers politischer Funktionen, programmatischer Vorstöße und einflussreicher Publikationen auch nur zu streifen. In Baden-Württemberg beheimatet, sei provinzielle Beschränkung nie Epplers Ding gewesen. "Politik haben Sie immer verstanden als Weltinnenpolitik", sagte Kretschmann. Obwohl Eppler 1991 alle politischen Ämter niedergelegt habe, trage und bestimme er bis heute den politischen Diskurs in der Republik mit. "Ich bin fest überzeugt, dass Sie einer der bedeutendsten Vorarbeiter bei der Kultivierung des politischen Bodens waren, auf dem die grün-rote Landesregierung derzeit so gut gedeiht", meinte der grüne Ministerpräsident. Eppler sei mehr als nur Parteipolitiker. Überragende Wirkung entfalte er als politischer Denker. Er sei Lehrer der Demokratie, der sich öffentlich bekennend, redend und schreibend um die demokratische Kultur in Deutschland verdient gemacht und seine ganze Existenz der Sache demokratischer Politik verschieben habe. "Ihnen steht der Titel Professor als erarbeiteter Ehrentitel zu", meinte Kretschmann und überreichte Erhard Eppler die Verleihungsurkunde.

"Ich freue mich über diesen Tag und dass so viele gekommen sind, das mit mir zu erleben", bedankte sich Eppler nicht nur mit Blick auf den "Eppler-Clan", wie er seine Familie nannte. Es sei 1952 doch nicht ganz so dumm gewesen, die akademische Laufbahn zu beenden und sich voll der Politik zu widmen. (Eppler hatte damals promoviert und stand auf dem Sprung nach Dublin, um dort in Anglistik zu habilitieren.) Er nehme den Titel gerne an, und er werde sich auch künftig politisch einmischen. "Sie haben etwas geschaffen, was ich nicht zustande gebracht habe, den Regierungswechsel", führte der Geehrte an Kretschmann gewandt aus. "Nicht, weil Sie ein Genie und ich ein dummer Hund bin. Sondern weil Sie so wunderbar in dieses Land passen. Sie können noch langsamer reden als ich", sagte Eppler mit der ihm eigenen Selbstironie.

Was die Auszeichnung "Professor" bedeutet

Bei dem Ehrentitel "Professor" handelt es sich laut Staatsministerium nicht um einen akademischen Titel, sondern um eine staatliche Auszeichnung für herausragende Leistungen in der Wissenschaft. Mit dieser Professur ist keine Lehrtätigkeit verbunden - obwohl die Bezeichnung auch von Hochschullehrern geführt wird. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg kann den Titel auf Basis der Landesverfassung verleihen. Eine Rangfolge zu anderen akademischen Titeln, wie dem Ehrendoktor, ergibt sich nicht. Der Ehrentitel wird ohne Zusatz geführt und darf maximal viermal im Jahr vergeben werden. kor

SWP

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