Frankenhardt Minimalistisch und schnörkellos

Anschauen und Anfassen ausdrücklich erlaubt: Die begehbare Kunst soll neue Perspektiven eröffnen.
Anschauen und Anfassen ausdrücklich erlaubt: Die begehbare Kunst soll neue Perspektiven eröffnen. © Foto: Julia Voglemann
Frankenhardt / Julia Vogelmann 06.06.2018
Zu ihrem 25-jährigen Jubiläum enthüllt die Kultur OHG Frankenhardt auf dem Burgberg eine Plastik von Rolf Kurz.

Wir wollten etwas schaffen, das bleibenden Wert hat, das uns sowohl an die Geschichte, auch an Sagenhaftes unserer Heimat erinnert als auch durch seine zeitgenössische, kühne Gestaltung zur Interpretation, zum Weiterdenken inspirieren kann“, fasste der Vorsitzende der Kultur OHG Frankenhardt, Kurt Kochendörfer, in seinem Grußwort zusammen. Mit Rolf Kurz fiel die Auswahl auf einen regionalen Künstler, der mit klaren Formen und Linien und minimalistischer und schnörkelloser Ausführung besticht, und Kochendörfer scherzte: „Wie es auch der Wesensart der Hohenloher Franken nahekommt.“

Tatsächlich besticht das Arrangement aus patiniertem Messing durch seine Einfachheit und die Begehbarkeit, die immer wieder neue Ansichten bietet. „Wenn man genau hinschaut, kann man die Plastik entschlüsseln und im Kopf vollenden. Sie soll den Typus einer Kapelle darstellen, deshalb sind die Teile reduziert auf das Wesentliche“, erklärte der Künstler selbst sein Werk. Basierend auf der Mariensage, die sich um den Burgberg rankt, verknüpft das Kunstwerk nicht nur Sage und Geschichte, sondern durch den Standort auch die Gegenwart in einer Gemeinde mit drei Hauptorten, die, obwohl unterschiedlich, doch eine Einheit bilden. Mit klaren Worten ließ Kurz die Zuhörer an seinem gedanklichen Schaffensprozess teilhaben und blickte zurück auf den Weg vom Gedankenkonstrukt bis hin zur realen Kunst, die nun auf dem Burgberg zu bewundern ist. Dabei bedankte er sich für das Vertrauen, das die Kultur OHG in einen so jungen Künstler – Kurz ist erst 38 Jahre alt – gesetzt hat.

„Mit der Skulptur bekommt die Gemeinde Frankenhardt ein neues Wahrzeichen, freute sich auch Bürgermeister Jörg Schmidt und betonte: „Kunstwerke verändern die Orte, an denen sie stehen. Es werden ganz neue Sichtweisen und Perspektiven eröffnet“, lobte er die Initiative der Kultur OHG. „Die Kultur OHG wurde und ist besonderer Bestandteil des Gemeindelebens“, formulierte er anerkennend und ergriff die Gelegenheit, eine Lanze für bürgerliches Engagement in seiner Gemeinde zu brechen.

Stiftung und Leader fördern

Deshalb beteiligte sich auch nicht nur die Bürgerstiftung der Gemeinde an der Finanzierung des Großprojekts, das jetzt nach zwei Jahren Planungs- und Umsetzungszeit zur Einweihung kam. Es qualifizierte sich auch für Fördergelder aus dem europäischen Förderprogramm Leader, das Gelder für die Entwicklung ländlicher Räume bereitstellt. „Und so scheint es, dass die Frankenhardter besonders gute und pfiffige Ideen haben, wie man das Leben vor Ort noch schöner und besser machen kann“, freute sich die Regionalmanagerin Simone Mittl. Sie gratulierte zu einem „neuen Kleinod in der Region“ und lobte: „Die Absicht, Heimatgeschichte neu zu beleben und damit auch das kulturhistorische Erbe zu pflegen, passt sehr zu den regionalen Zielsetzungen, die wir in der Jagstregion mit den Fördergeldern von EU und Land verwirklichen möchten.“

Kunst mit allen Sinnen erlebt

Bevor das Kunstwerk zur öffentlichen Betrachtung freigegeben wurde, gab es von Pfarrer Ralf Bürzele noch den Segen. Er sagte: „Wir brauchen Kunstwerke, um über unser Leben nachzudenken.“ Die Gelegenheit, dies zu tun, ergriffen vor allem die jungen Besucher des Festakts. Sie bevölkerten das symbolische Dorf im wahrsten Sinn des Wortes und steckten viele Erwachsene mit ihrer Begeisterung, das Kunstwerk mit allen Sinnen zu erleben, an.

Wer ein Foto nur vom Kunstwerk wollte, hatte an diesem Tag Pech. Doch die Kultur OHG hat vorgesorgt: Zur Entstehungsgeschichte des Kunstwerks ist ein kleines Büchlein erschienen, das über den Verein zu beziehen ist. Darin finden sich Bilder und Texte, die einen zukünftigen Besuch auf dem Burgberg begleiten können. Übrigens: Weil für das Kunstwerk Fläche versiegelt werden musste, wurden sozusagen als Wiedergutmachung fünf Obstbäume auf der angrenzenden Obstbaumwiese gepflanzt. Die Patenschaften für die Bäume übernahmen Schüler der Wilhelm-Sandberger-Schule.

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