Globe Millimeterarbeit mit Tonnenlast

Die Baustelle des Neuen Globes auf dem Unterwöhrd: Fassadenbauer montieren Längspfosten für die Glasfassade. Einen Blick in das künftige Innenleben des Theaters zeigt die Schnittdarstellung im rechten Bereich (Quelle: Stadtverwaltung).
Die Baustelle des Neuen Globes auf dem Unterwöhrd: Fassadenbauer montieren Längspfosten für die Glasfassade. Einen Blick in das künftige Innenleben des Theaters zeigt die Schnittdarstellung im rechten Bereich (Quelle: Stadtverwaltung). © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Marcus Haas 07.04.2018

Der Wind bläst kräftig gegen den langen Fassadenpfosten, der am Kranseil hängt und ins Pendeln kommt. Millimeterarbeit und Fingerspitzengefühl mit tonnenschwerer Last sind bei den Fassadenbauern gefragt. Die Arbeiter montieren in den nächsten zwei Wochen 36 dieser 13,5 Meter langen, stählernen Pfosten mit einem Einzelgewicht zwischen 600 Kilogramm und 1,1 Tonnen.

Die senkrechten Pfosten beginnen, wo das Bühnenhaus aufhört. Die Längspfosten bilden gemeinsam mit den Querriegeln das Gerippe für die Glasfassade des Zuschauerhauses – die Sitzebenen sind bereits montiert. „Drei Viertel der runden Globefassade werden verglast sein“, informiert Dieter Koch. Der Hochbauamtsleiter schätzt, dass mittlerweile 35 Prozent des neu entstehenden Theaters fertig sind. Er schaut sich gemeinsam mit Baubürgermeister Peter Klink auf der Baustelle um, wo derzeit im Schnitt zehn Arbeiter schaffen.

Dach wird ab Mitte Mai montiert

Wenn das Gerippe sitzt, soll ein Innengerüst eingebaut werden, um das Dach zu montieren. Erst danach wird das Glas eingesetzt. Die Zimmerer kommen Mitte Mai für die Dacharbeiten. „Um die Glasfassade wird dann noch ein Netz aus gestanztem Blech angebracht“, erläutert Koch. Das bietet Sonnenschutz, ist transparent und soll das Gefühl der Freilichtbühne verstärken – wie Balkon, öffenbares Dach, ein- und ausfahrbarer Bühnenkörper, um den Vorplatz mitzunutzen.

Der Rest der Fassade des Neuen Globes besteht aus Muschelkalk, passend zum massiven Bühnenhaus. Dort machen Trockenbauer Trennwände rein, arbeiten oben am Aufenthaltsbereich der Schauspieler, wo Maske, Dusche und Toiletten sein werden. Von außen gliedern Fensterschlitze die Fassade, lockern auf, lassen Licht rein. Die Schauspieler waren früher im alten Globe unten in der Enge des Kellers, im Neuen Globe bekommen sie ganz oben „fast fünfmal soviel Platz“, erläutert Koch.

Das Neue Globe erreicht bis zum Dachrand eine Höhe von 13,5 Metern und einen Durchmesser von rund 25 Metern – fast dieselben Maße wie der Vorgängerbau an ähnlicher Stelle. Strahlungsheizung unter der Decke sowie Bodenheizung sollen das Neue Globe ganzjährig bespielbar und samt Foyer, Bewirtungsmöglichkeiten auch für andere Veranstaltungen nutzbar machen.

Neues Globe: 84 Prozent der Arbeiten sind mittlerweile vergeben

„Der Bau liegt im neuen Zeit- und Kostenplan“, informiert Hochbauamtsleiter Dieter Koch. 84 Prozent der Arbeiten sind mittlerweile vergeben. Es fehlen unter anderem noch Bühnentechnik und Arbeiten für Böden sowie Decken. Das neue Theater mit drei Bühnenebenen wird Platz für 372 Zuschauer haben, die alle gute Sicht haben sollen, weil die Stützpfosten hinter den Zuschauerrängen sind. Noch vor Weihnachten 2018 soll das Neue Globe fertig gebaut sein. 2019 wird es bespielbar sein.

„Es war richtig, die Reißleine zu ziehen, mehr Luft zu geben,“ sagt Dieter Koch zur Entscheidung im November 2017, den geplanten Premierentermin am 10. August 2018 im neuen Theater fallen zu lassen. Koch sieht „Zeit als wichtigen Faktor für Qualität“. Die Kosten fürs Neue Globe waren von anfangs 5,2 auf rund neun Millionen Euro gestiegen. Als Hauptgrund nannte Baubürgermeister Peter Klink die überhitzte Konjunktur. Es gab nun keine weitere Kostensteigerung mehr, informiert Koch. Durch den Zeitgewinn konnten beispielsweise Schlosserarbeiten neu ausgeschrieben und dadurch gespart werden. Wie werden die neun Millionen Euro fürs neue Theater finanziert? Die Stadt gibt einen Zuschuss von 4,5 Millionen Euro. Das Land fördert mit einer Million. Die Freilichtspiele haben Eigenmittel von 300 000 Euro, vom Förderverein kommen 200 000 Euro. Für die restlichen drei Millionen nehmen die Freilichtspiele ein Darlehen auf, das durch erhöhte Zuschüsse der Stadt an die Freilichtspiele zurückgezahlt wird. Im Jahr 2019 beträgt der Zuschuss der Stadt an die FLS 730 000 Euro. Sponsoring soll das Darlehen reduzieren. cus

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel