Einzelhandel Michelfeld ist der Gewinner

Einzelhandelsrelevante Kaufkraft
Einzelhandelsrelevante Kaufkraft © Foto: Grafik: Evi Barthelmeß
Jürgen Stegmaier 11.01.2018
Die IHK analysiert die Kaufkraft in Heilbronn-Franken. Aus der Region fließen 955 Millionen Euro ab, weil die Menschen online oder an anderen Orten einkaufen.

Das Bild ist schräg, zeigt aber dennoch, wie stark sich der Einzelhandel beispielsweise in Michelfeld entwickelt. Dort steigt der Einzelhandelsumsatz je Einwohner von 8617 Euro im Jahr 2015 auf 10 249 Euro im zurückliegenden Jahr. Das entspricht einem Zuwachs von 19 Prozent.

Freilich kaufen im dortigen Handelszentrum nicht nur Michelfelder ein. Tatsächlich weist das „Kerz“ eine hohe Anziehungskraft für Menschen aus einem weiteren Umkreis auf. Der stärkste Magnet dürfte dort der Modepark Röther sein, um den sich im Lauf der zurückliegenden Jahre eine Vielzahl weiterer Händler angesammelt hat – vom Discounter Aldi bis zum Schuhverkäufer Reno und dem Drogeriemarkt dm. Auch Bank-Filialen, Arztpraxen, eine Apotheke und das Lebensmittelhandwerk sorgen dort für ein Umfeld, in dem es vieles für den täglichen Bedarf zu kaufen gibt. Damit erfüllt das „Kerz“ inzwischen eine Funktion, die einst einzig den Innenstädten zugeschrieben wurde.

Hohe Umsätze

Dieses Phänomen ist nicht allein in Michelfeld zu beobachten. Ähnlich entwickelte sich auch der Einzelhandel im Norden der Region. Im so genannten Wertheim Village ist seit 2003 ein Outlet-Center mit mehr als 100 Boutiquen entstanden, die Kunden mit erheblichen Preisnachlässen locken. Dort verzeichnet der Einzelhandel wie auch in Michelfeld überdurchschnittlich hohe Umsätze.

Menschen ändern ihre Gewohnheiten. Bezogen auf den Einzelhandel werden besonders zwei Entwicklungen deutlich: Einerseits fahren viele in andere Städte oder Einkaufszentren, um sich mit Mode, Elektronik oder Lebensmitteln zu versorgen. Andererseits wächst der Onlinehandel von Jahr zu Jahr. Die IHK legt in dieser Hinsicht eine Statistik vor, aus der hervorgeht, dass 2017 schon fast jeder zehnte Euro des Einzelhandelsumsatzes übers Internet erwirtschaftet wird. Zum Vergleich: 2010 waren es 4,7 von 100 Euro, im Jahr 2000 gerade einmal 30 Cent von 100 Euro.

Kaufkraft fließt ab

Das Einkaufen in anderen Städten beziehungsweise in auswärtigen großen Zentren sorgt für das, was Statistiker Kaufkraftabfluss nennen. Dieser lässt sich für die Region ziemlich genau berechnen. Die IHK geht davon aus, dass 2015 von der „einzelhandelsrelevanten Kaufkraft“ pro Einwohner 965 Euro nicht dem jeweils heimischen Handel zugeflossen sind, sondern über Online-Plattformen wie Amazon ausgegeben wurden oder die Kassen von auswärtigen Händlern  klingeln ließen – oder für ganz anderes genutzt wurden. Beispielsweise für eine höhere Mietzahlung. 2017 betrug dieser Wert schon 1060 Euro je Einwohner in der Region. Wer diesen Betrag auf die Einwohner hochrechnet, kommt zu dem Schluss, dass der Einzelhandel in den Landkreisen Heilbronn, Main-Tauber, Hohenlohe, Schwäbisch Hall in Summe auf 955 Millionen Euro verzichten musste. Freilich hinkt diese Rechnung, denn es gibt nicht nur Kaufkraftabfluss, sondern auch -zufluss. Doch dieser ist nicht erfasst. Einige Händler versuchen jedoch zu ermitteln, woher ihre Kunden kommen. Sie könnten letztendlich genau sagen, wie viel Geld sie mit auswärtigen Kunden verdient haben. Ein Merkmal für die Erfassung dieser Daten ist, wenn die Kunden beim Bezahlen an der Kasse nach ihrer Postleitzahl befragt werden.

Insgesamt lässt die Aufstellung der Industrie- und Handelskammer den Schluss zu, dass die Kaufkraft bezogen auf den Einzelhandel von 2015 auf 2017 in Heilbronn-Franken um 4,6 Prozent gestiegen ist. Das ist ein höherer Wert als im Durchschnitt Baden-Württembergs oder Deutschlands.