Die Gemeinde Michelbach bekommt vielleicht einen Netto-Supermarkt. Der Gemeinderat weist dazu an der nördlichen Ortseinfahrt gegenüber des Neubaugebiets Taubental im Gewann Straßenäcker außer einem Mischgebiet auch ein Sondergebiet für Einzelhandel aus. Schon länger interessiere sich die Supermarktkette für Michelbach, zuletzt vor etwa einem Jahr. „Mit der Erschließung des Straßenäckers können wir jetzt eine passende Fläche anbieten“, so Bürgermeister Werner Dörr. Denn für die Gemeinde sei es erklärtes Ziel, einen größeren Lebensmittelmarkt in den Ort zu bringen. Allerdings liefen gerade erst die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern. „Wenn wir den Grund erworben haben, geht es mit Netto weiter“, hofft er.

Netto-Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern

Uwe Ferdinand, der in Michelbach einen kleinen Lebensmittelladen führt, habe er früh informiert. „Bevor das Thema in den Gemeinderat kam“, betont Dörr. Ferdinand ist nämlich Gemeinderat. Er sei weiter mit ihm im Gespräch, um eine Lösung für seinen Laden zu finden. Er biete ja auch Getränke an, außerdem habe er Toto, Lotto, Post und eine Textilreinigungsannahme. Vielleicht könne man das ausbauen, so Dörr.

Die Gemeinde müsse darauf achten, dass es in Michelbach weiterhin Einkaufsmöglichkeiten gibt, vor allem für ältere Bürger, die nicht so mobil sind, betont Franz Weissinger, Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister. „Die Metzgerei hat ja auch zugemacht.“ Deshalb begrüße er das Interesse seitens Netto. Da sei man sich im Rat einig. „In trockenen Tüchern ist das aber noch nicht“, betont er. Für Ferdinands Laden wünscht er sich, dass er mit Post, Toto, Lotto und Getränken weiter bestehen kann. Die Gemeinde habe ihm Hilfe angeboten.

Uwe Ferdinand teilt den Optimismus allerdings nicht: „Wenn der Supermarkt kommt, ist bei mir nach 30 Jahren Schluss. Auch mit der Post, Lotto und Toto.“ Noch bevor Bürgermeister Werner Dörr ihn im November 2018 offiziell über den möglichen Netto im Straßenäcker informiert hat, habe er es von einem früheren Gemeinderat erfahren. „Die Buschtrommeln funktionieren noch in Michelbach“, meint der Kaufmann. Ferdinands Hauptkundschaft sind Hausfrauen, Schüler und ältere Leute. „Dann habe ich noch einige Stammkunden, berufstätige Leute, die extra zu uns kommen, weil sie es schön finden, dass es hier noch einen Tante-Emma-Laden gibt“, berichtet er.

Nur noch ein Hobby

Auch für die Kinder bedauert er es, wenn er schließen muss. „Wo sonst gibt es noch Artikel für ein paar Cent, damit sie den Umgang mit Geld lernen?“ Die Vereine würden es ebenfalls spüren, wenn sein Laden dichtmacht. „Wir liefern bei Veranstaltungen die Getränke, füllen im Gemeindehaus auf und beliefern die Schule“, zählt er auf. Trotzdem sei der Laden nur noch ein Hobby. Er arbeite inzwischen bei der Post als Zusteller und seine Frau gehe abends putzen. Die Michelbacher würden bevorzugt woanders einkaufen. „Sie gehen gleich nach der Arbeit zu Aldi oder Lidl. Deshalb habe ich auch Zweifel, ob der Netto überhaupt kommt, zumal die Rede davon ist, dass in Westheim ins Reutter-Gebäude ein Supermarkt einzieht und in Hessental ein Rewe eröffnen soll“, meint er.

Um ihren Hofladen sorgt sich auch Anke Maas vom gleichnamigen Bioland-Hof. Sie befürchtet, dass ein paar ihrer Kunden dann lieber auf das günstigere Bio-Angebot des Supermarkts umsteigen. „Hofläden sind teurer, weil sie einheimische Produkte zu einem fairen Preis verkaufen, aber auch, weil wir nicht so große Mengen ordern wie Supermärkte“, erklärt sie. Sie hofft, dass ihre Kunden das anerkennen. „Ein Vorteil für uns ist vielleicht auch, dass wir unverpackte Ware verkaufen“, meint sie. Sie könne es momentan aber nicht abschätzen, wie sich ein Supermarkt auswirken würde. „Wenn es weniger bei uns wird, muss ich den Laden schließen. Das würde sich aber auf unser Milchmobil auswirken, weil wir dann keine Milchprodukte mehr liefern können“, vermutet sie. Das Maas-Milchmobil beliefert Kunden in Hall und den umliegenden Gemeinden mit eigener frischer Bio-Milch sowie zugekauften Milchprodukten.

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