Internet Michelbach prüft interkommunalen Breitbandausbau

Michelbach / Sigrid Bauer 26.06.2018
Die Gemeinderäte sehen für den Bau eines leistungsstarken Breitbandnetzes die Zusammenarbeit mit dem Landkreis kritisch. Sie prüfen eine alternative Lösung.

Michelbach sieht das Backbonekonzept des Kreises zum Breitbandausbau skeptisch. Der Gemeinderat möchte die Alternative einer Kooperation mit den Haller Stadtwerken oder der Telekom prüfen. Der Landkreis plant, eine Glasfaser-Datenautobahn mit Abzweigungen zu allen Kreisgemeinden zu bauen. Der innerörtliche Breitbandausbau, also Glasfaser vom Verteiler zu den Gebäuden, bliebe Gemeindesache. Von Anfang an kritisch hat das Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim gesehen.

Wie die beiden anderen Partner der Verwaltungsgemeinschaft Schwäbisch Hall, Michelfeld und Rosengarten, will auch Michelbachs Bürgermeister Werner Dörr dem Vertrag, der die Kooperation der Kreisgemeinden mit dem Kreis für den Bau der Backboneleitung regelt, nicht zustimmen. Dafür werden mehrere Gründe angeführt: Da die Haller Stadtwerke ebenfalls einen Ausbau der Breitbandversorgung in ihrem Netzgebiet planen und auch die Telekom Kooperationsbereitschaft mit den Kommunen signalisiere, könnte ein gemeinsamer Ausbau deutlich günstiger sein als der alleinige Bau durch den Kreis. Dörr verwies in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf die Region Stuttgart, wo sich 179 Kommunen, fünf Landkreise und Stuttgart mit der Telekom auf einen Zeit- und Finanzierungsrahmen zum Bau des Backbones plus zusätzlicher Kabel mit Glasfaser bis ins Haus geeinigt haben.

Keine Doppelstrukturen

Die vier Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft befürchten außerdem, dass Doppelstrukturen entstehen. Auch die Finanzierung über die Kreisumlage, also letztlich über Steuern, erscheint ihnen fraglich, zumal nach dem vorgeschlagenen Solidarprinzip alle Gemeinden zahlen müssten, auch wenn sie  bereits über ein gutes Netz verfügen. Wie viel das für die einzelne Gemeinde wäre, sei nicht  bekannt. Zum Nachweis der Wirtschaftlichkeit fehlten belastbare Zahlen. So sei völlig unklar, mit welchen Einnahmen die Kommunen rechnen können.

Die Mehrheit des Michelbacher Gemeinderats schloss sich in der Abstimmung dieser Sicht an und möchte zunächst ein Modell, das die Kooperation des Kreises mit einem der vorhandenen Netzbetreiber vorsieht, prüfen lassen. Dörr betonte aber, er wolle die Planung des Kreises nicht blockieren.

Von den Vorzügen der reinen Kreisvariante, die Heinz Kastenholz von der Haller Wirtschaftsförderungsgesellschaft dem Gremium vorstellte, ließ sich nur Wolfgang Schickner überzeugen. Er warnte vor einer Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, die ein Unternehmen der Stadt Hall sind. Er betonte außerdem, dass Michelbach gleich in der ersten Ausbaustufe des Backbones profitieren würde, weil dann durch das bisher unterversorgte Rauhenbretzingen von Hessental ein Glasfaserstrang verlegt würde. „Dann hätten wir alle Teilorte an der Hauptleitung“, argumentierte er.

 

am Dienstag, 26. Juni, 11 Uhr, laden Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und seine Amtskollegen Jürgen König (Rosengarten), Wolfgang Binnig (Michelfeld) und Werner Dörr (Michelbach) zu einem gemeinsamen Pressegespräch ein. Sie werden sich gemeinsam zum Thema „Backbone-Ausbau“ im Landkreis Schwäbisch Hall positionieren. Der Termin findet im Sitzungssaal im Erdgeschoss des Rathauses statt.

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