Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek  Uhr
Das Büro Kraft + Kraft Architekten wird den barrierefreien Zugang zur Michaelskirche gestalten. Wann der Bau losgeht, steht noch nicht fest.

„Ich war erstaunt über die kreativen und fantasievollen Entwürfe“, sagt Dekanin Anne-­Kathrin Kruse. Sie ist Sachpreisrichterin beim Ideenwettbewerb für einen barrierefreien Zugang zu St. Michael. Ausgelobt wurde der Wettbewerb von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Hall.

Zehn Architekturbüros haben ihre Entwürfe eingereicht. An Stellwänden sind die Pläne angepinnt. Nach sieben Stunden und mehreren Rundgängen haben sich sechs Fach- und vier Sachpreisrichter auf den Siegerentwurf verständigt. Kraft und Kraft Architekten aus Schwäbisch Hall haben das Rennen gemacht.

Haupteingang wieder beleben

„Es ist ein sehr unaufdringlicher Entwurf, der sich auch gut in die Landschaft und Topografie einfügt“, begründet Henning Baurmann, Architekt aus Karlsruhe und Vorsitzender der Preisrichter, die Wahl. Der Entwurf sieht vor, dass über die Südseite ein barrierefreier und rollstuhlgerechter Zugang gebaut wird. Somit soll der ehemalige Haupteingang im dritten Joch der Kirche wieder belebt werden.

Umgestalten wollen die Architekten auch den Vorplatz an der Südseite. „Das Niveau des Kirchenhofs soll minimal angehoben werden“, erklärt Architekt Alexander Beck vom Haller Architekturbüro Beck. Das Büro wurde von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde für die Auslobung des Ideenwettbewerbs beauftragt. Außerdem haben sie die eingereichten Entwürfe vorgeprüft. Beck und sein Mitarbeiter Luigi Monzo haben dann die Entwürfe dem Preisgericht vorgestellt.

Die vorhandene Treppe vor dem ehemaligen Haupteingang soll durch ein Podest ersetzt werden. Vom Holzmarkt kommend führt eine Rampe auf dieses, von den anderen beiden Seiten vier Stufen. „Es ist toll, dass das Thema Treppe aufgegriffen wird, die für Hall ja wichtig sind“, sagt Beck. Als Material sehen die Architekten Sandstein vor, um die vorherrschende Substanz der Kirche aufzugreifen. Der Handlauf der neuen Treppe orientiert sich an den schlichten Eisenkonstruktionen. Auch ein Wege-Leitsystem für Menschen mit Seheinschränkungen ist vorgesehen.

„Jede Arbeit hatte einen neuen Moment, über den man einige Minuten nachdenken konnte“, sagt Beck. „Wir haben aber erstaunlich schnell einen Konsens gefunden“, erklärt Baurmann. Die Entwürfe wurden vor der Präsentation auch noch mit dem Verein Barrierefrei Schwäbisch Hall durchgesprochen. Unter anderem wurden in den Entwürfen Außen- und Innenaufzüge, eine weitere Podestlösung, eine neue Türe oder die gesamte Einebnung des Bereichs um die Kirche vorgeschlagen.

Es gibt zwar einen barrierefreien Zugang zu St. Michael durch das Brauttor, das zum Chor führt. „Die, die nicht anders können, sollen aber nicht durch den Dienstboteneingang reingehen“, sind sich Dekanin und Architekten einig.

Durch die Neugestaltung des Südtors solle ein Zugang für alle Kirchgänger und Besucher geschaffen werden. Wann das Projekt realisiert wird, steht noch nicht fest. Bevor es überhaupt in Angriff genommen werden kann, muss der Entwurf auch noch diverse Gremien, wie zum Beispiel den Gesamtkirchengemeinderat, passieren. Einen Kostenvoranschlag gebe es auch noch nicht.

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Zehn Architekturbüros haben Entwürfe eingereicht

Zehn Büros haben ihre Entwürfe für eine barrierefreie Michaelskirche eingereicht: Klumpp + Klumpp Architekten (Stuttgart), Rita Walpurgis (Schwäbisch Hall), Werner Schuch Freier Architekt (Schwäbisch Hall), Krämer, Gölz + Zimmermann (Murrhardt), Haalarchitekten (Schwäbisch Hall), Michael Hart (Schwäbisch Hall), Ulrich Mix Freier Architekt (Schwäbisch Hall), Markus Gundelfinger Landschaftsarchitekt (Schwäbisch Hall) und Designbüro Reichert.Design (Stetten am Bodensee), T41 Architekten Katrina Wilhelm mit Peter Gärtner Architekt (Stuttgart) sowie Kraft + Kraft Architekten (Schwäbisch Hall).

Sachpreisrichter beim Wettbewerb waren: Dekanin Anne-Kathrin Kruse, Pfarrer Klaus Anthes, Architekt Albert Scheib und Heinz Schüle vom Förderverein Mittelalterliche Kirchen.

Fachpreisrichter waren: Henning Baurmann, Architekt in Karlsruhe und Professor an der Hochschule Darmstadt, Erster Bürgermeister Peter Klink, Freier Landschaftsarchitekt Roland Steinbach und Vorsitzender der Kammergruppe Hohenlohe, Architekt Gerald Wiegand von der Evangelischen Landeskirche Württemberg, Thomas Erne, Theologe und Professor an der Universität Marburg sowie Dieter Koch, Leiter der Abteilung Hochbau der Stadt
Hall. Als beratende Sachverständige ohne Stimmrecht war Kunsthistorikerin Simone Meyder vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-­Württemberg dabei. kv