Straßensperrung Mercedes dreht Werbefilm: Dendelbachstraße ist gesperrt

Rosengarten / Norbert Acker und Richard Färber 04.08.2018

Es kommt der Punkt, an dem es ein bisschen albern wird. Nein, er dürfe nicht sagen, wer sein Auftraggeber ist, sagt Charlie Dombrow von der KGB Locationservice in Frankfurt. Der „Locationscout“ hat sich mit seiner Crew auf einem schmalen Parkplatz an der Zufahrt zu dem Oberroter Teilort Frankenberg eingerichtet, nur wenige Meter von der L 1054 entfernt. Dombrow hat die Dendelbachstraße für Dreharbeiten sperren lassen. Gleich hinter der Sperre steht ein großer Transporter mit Anhänger und Mercedes-Benz-Aufschrift. Dombrow grinst.

Sein Auftrag war, eine Strecke nahe Stuttgart zu finden, um ein fahrendes Fahrzeug zu filmen. Die vor kurzem sanierte Dendelbachstraße scheint dafür bestens geeignet. Sie schlängelt sich mehrere Kilometer bergab durch den Wald, ist leicht zu sperren und es gibt dort keine Wohnbebauung. Dennoch ist sie die zweite Wahl. Die Kreisstraße zwischen Bibersfeld und Wielandsweiler wäre besser geeignet gewesen, sagt Dombrow. Das Landratsamt Schwäbisch Hall habe wegen des Verkehrsaufkommens aber keine Genehmigung erteilt.

Bei der L 1054 gab es hingegen keine Probleme. Man habe die Sperrung korrekt beantragt und die Genehmigung erhalten, sagt Dombrow. Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Genehmigung seien gegeben, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Sobald eine Straße bei Veranstaltungen mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werde, sei eine Genehmigung zu beantragen. Die Information der Anlieger wurde als Bedingung in die Genehmigung aufgenommen. Die Gebühr für die Straßensperrung beläuft sich auf 50 Euro.

Zuschauer unerwünscht

Die Filmaufnahmen sind allerdings keine öffentliche Veranstaltung. Gedreht würden Pressevideos eines neuen Pkws, teilte Dombrow am Mittwoch auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Einzelheiten könne er nicht nennen, weil das Fahrzeug „noch geheim ist und auch bleiben soll“. Zuschauer seien weder erwünscht noch möglich.

Vor Ort ist er dann etwas gesprächiger: Gefilmt werde das geheimnisvolle Auto mit einem Spezialfahrzeug mit aufmontierter Kamera. Zum Drehort gebracht wurde es in dem Mercedes-Benz-Transporter. Insgesamt 15 Leute seien im Einsatz. Security achte darauf, dass sich über die ebenfalls gesperrten Waldwege keine Paparazzi nähern. Einen habe man aus der Ferne entdeckt: „Waren Sie das?“

Proteste gab es kaum. Ein Radfahrer, der nach Uttenhofen möchte, biegt in Richtung Stiershof ab. Er suche bei der Hitze einen möglichst kurzen Umweg, sagt er. Die Sperrung nimmt er kommentarlos hin. Eigentlich, sagt Dombrow, habe nur der Chef des nahegelegenen Golfplatzes protestiert: „Die haben heute wohl ein Turnier.“

Pikanterweise handelt es bei dem Turnier um den „Mercedes-Benz After Work Cup“, bei dem ein Benzhändler aus der Region auch Fahrzeuge ausstellen will. „Eigentlich erwarte ich bei solch einer Veranstaltung um die 40 Spieler“, sagt Adam Gerich, geschäftsführender Gesellschafter des Golfclubs Oberrot-Frankenberg GmbH & Co. KG. Nun rechnet er nur noch mit etwa 25 Teilnehmern. Er befürchtet, dass Golfer, die normalerweise über die Dendelbachstraße kommen, die Umleitungen nicht in Kauf nehmen wollen. Das bringe auch finanzielle Einbußen für den Club mit sich. Gerich spricht von 500 bis 800 Euro. Sein Club habe durch die sanierungsbedingte lange Sperrung der L 1054 schon genug Geld verloren. Er habe daher auch mit dem Filmteam Kontakt aufgenommen und mit Dombrow gesprochen. „Versprochen worden ist mir da aber nichts“, so Gerich.

Zwei Autos nebeneinander

Am Freitagmorgen steht Gerich an der gesperrten Landesstraße kurz hinter Ziegelmühle. Die Absperrung ist nach der Abbiegung Richtung Rieden aufgebaut. „Das haben die Leute vom Landratsamt für uns gemacht“, sagt ein Mitglied der Filmcrew. „Wenn wir fertig sind, stellen wir alles zur Seite.“ In orangener Warnweste achtet er darauf, dass niemand doch die Straße nimmt. Zwei Fahrradfahrer kommen die Kreisstraße aus Richtung Rieden heruntergefahren. Der Wachmann hält sie auf und erklärt freundlich, aber bestimmt, dass kein Durchkommen ist: „Das ist auch lebensgefährlich. Da fahren teils zwei Auto nebeneinander her.“ Die Radler aus Murrhardt nehmen es gelassen, drehen um und fahren den Weg, den sie gekommen sind, zurück. Autofahrer halten gar nicht erst an und nehmen einfach die Umleitung.

„Ich ärgere mich einfach über die Informationspolitik zu der Sperrung“, sagt Gerich, während er zu seinem Wagen geht. Er sei darauf erst durch eine Golferin aus Hall aufmerksam gemacht worden. Sie hatte es in der Zeitung gelesen.

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