Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek Der 23-jährige Student Laurin Waldmann aus Obermünkheim hat gemeinsam mit Freunden den gemeinnützigen Verein „Kolumbien direkt“ ins Leben gerufen.

Mehr als 9000 Kilometer Luftlinie liegt zwischen den beiden Städten Schwäbisch Hall und Cali in Kolumbien. Das spielt aber für Laurin Waldmann und die Mitglieder des Vereins „Kolumbien direkt“ keine Rolle. Der 23-jährige Student hat den gemeinnützigen Verein Anfang des Jahres ins Leben gerufen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder aus schwierigen Verhältnissen durch Patenschaften und finanzielle Unterstützungen mittels Spenden zu helfen.

Keine leichte Aufgabe, derer sich Laurin Waldmann angenommen hat. „Ich musste da auch erst einmal reinkommen“, erzählt er bei einer Tasse Kaffee in Schwäbisch Hall. Begonnen hat die Geschichte mit einem Auslandsjahr in Kolumbien im Jahr 2013/14. Gemeinsam mit der in Deutschland geborenen Kolumbianerin Anna-Maria Ebermann arbeitete Laurin Waldmann als Freiwilliger im Rahmen des „weltwärts“-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Warum er sich gerade für das südamerikanische Land entschieden hat, hat mehrere Gründe: „Ich wollte bei einem sozialen Projekt mitmachen, zum Beispiel mit Straßenkindern arbeiten.“ Daraus geworden ist dann ein Engagement an einer Schule und zwar an der Colegio Ekklesía, die der Verein auch heute noch unterstützt. „Ich konnte damals noch nicht richtig Spanisch und musste dann auch Elternabende organisieren. Das war echt nicht einfach.“ Vielleicht war es aber auch so etwas wie Vorsehung, denn „ich habe am Nationalfeiertag Kolumbiens Geburtstag“.

Das Jahr in Kolumbien hat ihn sehr geprägt. „Dort begegnen einem die Menschen auf Augenhöhe und sind sehr offen.“ Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm eine Begegnung in der ersten Woche seinen Auslandsjahres: „Ich war in einem Kloster untergebracht, und da war eine alte Dame, die mich zum Abschied einfach umarmt und mir einen Kuss auf die Wange gedrückt hat.“

Aber neben den positiven Erlebnissen hat Laurin Waldmann auch die Armut mitbekommen und die Notwendigkeit erkannt, zu handeln und etwas auf die Beine zu stellen. „Als Student hat man zwar keine Kohle, dafür aber Zeit“, erzählt der Biotechnologiestudent schmunzelnd. Gedacht, gesagt und dann auch getan. Mittlerweile hat „Kolumbien direkt“ nicht mehr nur zehn Gründungsmitglieder, sondern auch 50 Fördermitglieder aus elf verschiedenen Ländern und mehr als zehn Patenschaften am Laufen.

Begonnen haben die Patenschaften mit der Schülerin Daniela Ramirez. „Sie war sehr tüchtig und engagiert und kam aus schwierigen finanziellen Verhältnissen.“ So hat sich die Familie von Laurin Waldmann dann kurzerhand dazu entschlossen, die Patenschaft für Daniela für ein Jahr zu übernehmen. „Unkompliziert und ohne bürokratischen Aufwand.“ Und genau das ist einer der Eckpfeiler des Vereins: direkte Unterstützung, Projekte und Menschen vor Ort persönlich kennen, ehrenamtliche Mitarbeiter und alles auf einem professionellem Level.

„Da ist es super, dass die Gründungsmitglieder verschiedene Dinge studiert haben oder studieren. So hat jeder sein Spezialgebiet.“ Mit dabei sind unter anderem Betriebswirte, Psychologen und Biotechnologen aus München und Schwäbisch Hall. „Ich habe in den letzten Jahren vor allem gelernt, mit Leuten zu sprechen und zu verkaufen.“

30 bis 40 Stunden im Monat

Wenn Laurin Waldmann nicht gerade mit Vereinsarbeit beschäftigt ist, was rund 30 bis 40 Stunden im Monat sind, ist er noch beim Mountainbike-Nachwuchsteam des Tura Untermünkheim aktiv. „Das gleicht mich dann auch voll aus.“ Vor kurzem hat er auch seine Bachelorarbeit an der TU München abgegeben.

Bald geht es dann für ein Auslandssemester nach Singapur, bevor er seinen Master in Biotechnologie anfangen wird. „Aber ich möchte eigentlich weniger mit Molekülen, sondern mehr mit Menschen machen.“ 2018 steht dann wieder eine
Reise nach Kolumbien auf dem Plan.

Vereinsgründer und Mountainbiker

Laurin Waldmann, geboren am 20. Juli 1993 in Obermünkheim, hat die Realschule Schenkensee besucht und später das Biotechnologische Gymnasium an der Sibilla-Egen-Schule auf der Tullauer Höhe. An der TU München studiert er Biotechnologie, er hat vor kurzem seine Bachelorarbeit abgegeben. Er ist Mitglied im MHW-Cube-Racing-Nachwuchsteam des Tura Untermünkheim. Gemeinsam mit neun weiteren Unterstützern hat er am 7. Januar 2017 den Verein „Kolumbien direkt“ gegründet. Dieser unterstützt durch Patenschaften und Spenden die Partnerorganisationen Colegio Ekklesía und Fundación Amadeus in Cali, Kolumbien. Weitere Informationen zu den Projekten im Internet unter
www.kolumbien-direkt.de. kv