Trauer Meister des Wortes und der Historie

Leidenschaftlicher Archivar und humorvoller Kenner der Geschichte im deutschen Südwesten: Manfred Akermann.
Leidenschaftlicher Archivar und humorvoller Kenner der Geschichte im deutschen Südwesten: Manfred Akermann. © Foto: Archiv / Margit Haas
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 15.02.2018

Meist war sein Blick in die Vergangenheit gerichtet. Doch von dort aus tat sich ein großer Horizont auf. Manfred Akermann hat von 1985 bis 1993 das Haller Stadtarchiv geleitet. Als er im Juni 1993 in den Ruhestand verabschiedet wurde, sprach er in einem Zeitungsinterview von einem „archivarischen Jugend­traum“, der mit der mehr als achtjährigen Tätigkeit in Schwäbisch Hall in Erfüllung gegangen sei: „Das Haller Archiv galt durch seine umfangreichen und kostbaren eigenen Bestände, seine wertvollen Deposita, seine großen wissenschaftlichen Bibliotheken stets als eine der ersten Adressen unter den Kommunalarchiven Süddeutschlands“, so Akermann. Am 5. Februar ist Manfred Akermann im Alter von 86 Jahren gestorben.

„Er war ein vielseitig interessierter Mann, sehr menschlich im Umgang und sehr gebildet – ich habe ihn außerordentlich geschätzt“, erzählt Albert Rothmund, der während Akermanns Zeit in Hall Vorsitzender des Historischen Vereins für Württembergisch Franken war. Auch nach seinem Weggang aus Hall blieb Akermann der Stadt verbunden. Er lebte in einem aus dem Jahr 1690 stammenden alten Pfarrhaus in Schnaitheim bei Heidenheim. Dort hat er gemeinsam mit seiner Frau Renate auch eine Galerie eingerichtet und betrieben. Wenn Akermann im Sommer ins Kochertal kam, um eine Aufführung der Freilichtspiele zu besuchen, habe er immer auch mal im Hällisch-Fränkischen Museum vorbeigeschaut, erzählt HFM-Leiter Armin Panter.

Albert Rothmund pflegte regelmäßig den Kontakt zu Akermann in Schnaitheim. Vor wenigen Wochen haben die beiden noch miteinander gesprochen, „deshalb war ich überrascht und betroffen, als ich von seinem Tod erfahren habe“, sagt der ehemalige Regierungsdirektor im Haller Landrats­amt traurig.

Am Fuße des „Kaiserbergs“

Geboren wurde Manfred Akermann am 3. Juni 1931 in Stuttgart. Aufgewachsen ist der leidenschaftliche Archivar – wie er sich selbst bezeichnete – am Fuße des „Kaiserbergs“ Hohenstaufen in Göppingen. Seine Archivausbildung erhielt er am Hauptstaatsarchiv in Stuttgart und an der Archivschule in Marburg. Danach war Akermann von 1955 bis 1973 Stadtarchivar in Göppingen. Nebenberuflich leitete er auch das Kreisarchiv. Sein Name ist dort bis heute unvergessen. Der ausgewiesene Kenner der staufischen Geschichte erhielt die Bürgermedaille der Stadt Göppingen und wurde mit dem internationalen Preis „Premio Federichino“ ausgezeichnet, der die Erinnerung an den Stauferkaiser Friedrich II. wachhält. Als Mitgründer und leitendes Mitglied der Staufergesellschaft führte er Reisen auf den Spuren der Staufer in ganz Europa.

1973 leitete Akermann das städtische Kulturamt in Memmingen, bevor er 1974 Leiter des Stadtarchivs in Heidenheim wurde. In der Stadt an der Brenz hat er viele Spuren hinterlassen: im Kutschenmuseum auf Schloss Hellenstein, im Römerbadmuseum, im Schlossmuseum und in der städtischen Kunstsammlung.

1985 wechselte Akermann nach Hall und wurde als Nachfolger von Kuno Ulshöfer Leiter des Stadtarchivs – sein archivarischer Jugendtraum. Die Erforschung und vor allem die Vermittlung von Geschichte waren dem zweifachen Vater eine Herzenssache. Zudem beobachtete er, dass ein „wachsendes Geschichtsbewusstsein das Stadtarchiv immer mehr zu einer gefragten Stätte historischer Forschung machte“. Akermanns Exkursionen waren beliebt: „Die Busse waren immer voll“, erinnert sich Albert Rothmund an den offenen, humorvollen Mann mit dem fröhlichen Naturell: „Er war sehr temperamentvoll,  aber immer höflich und rücksichtsvoll. Er konnte auf die Menschen zugehen und hatte eine gewinnende Persönlichkeit.“

Am Ende seiner acht Jahre in Hall zog Akermann selbst folgende Bilanz: 69 Vorträge oder Seminare mit speziellen Themen aus der Haller Stadtgeschichte, rund 60 Stadtführungen oder Führungen durch die Comburg oder das Hohenloher Freilandmuseum und 20 Studienfahrten. Dies ist nur ein Teil seiner Auflistung. Bei seinem Abschied 1993 würdigte OB Karl Friedrich Binder ihn als „äußerst loyalen Kollegen“. Und Rothmund sagte über Akermann: „Sie sind ein Meister des Wortes und der Historie. Sie sind ein Mensch, den man gern zum Freund hat.“

Info Die Trauerfeier für Manfred Akermann ist am Freitag, 23. Februar, um 13 Uhr auf dem Friedhof in Schnaitheim.

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