Landkreis Mehr Service für Geschichtsforscher: Findbücher stehen im Netz zur Verfügung

Kreisarchivarin Monika Kolb vor ihrem Rechner. Auf dem Bildschirm ist die Startseite eines Programms zu sehen, mit dessen Hilfe jeder Archivnutzer von zu Hause aus prüfen kann, ob zu bestimmten Fragen Dokumente vorliegen.
Kreisarchivarin Monika Kolb vor ihrem Rechner. Auf dem Bildschirm ist die Startseite eines Programms zu sehen, mit dessen Hilfe jeder Archivnutzer von zu Hause aus prüfen kann, ob zu bestimmten Fragen Dokumente vorliegen. © Foto: Ufuk Arslan
Landkreis / ELISABETH SCHWEIKERT 03.02.2015
Wer in Archiven forscht, muss oft viel Zeit mitbringen, um abzuklären, ob überhaupt etwas da ist. Im Kreisarchiv können Suchende für einzelne Orte nun online schon zu Hause erkunden, ob es Dokumente gibt.

Kreisarchivarin Monika Kolb hat ihr Büro samt den Archiven im vierten Stock des Haller Landratsamts. Ein großer Raum mit mehreren Tischen. Eine Türe führt in einen Nebenraum, in dem in raumhohen Regalen Zeitungsbände, Akten, Bücher, Sammlungen, Karten und anderes mehr feinsäuberlich beschriftet gelagert werden. Zuständig ist das Kreisarchiv für den 1973 gegründeten Landkreis Schwäbisch Hall und dessen Einrichtungen. Auch die Verwaltungsunterlagen der früheren Altkreise Crailsheim und Schwäbisch Hall finden sich dort.

Darüber hinaus gehört zu den Aufgaben des Kreisarchivars, die Archive der Gemeinden aufzuarbeiten. Sprich: Monika Kolb sichtet in den Gemeinden das Material, mistet aus, sortiert und katalogisiert das Gefundene. Nur selten sind Dokumente aus der Zeit vor 1803 vorhanden - ab da gab es eine württembergische Verwaltung. Die Dokumente aus den Jahrhunderten davor liegen andernorts - etwa in den Fürstenhäusern, den Staatsarchiven oder den Stadtarchiven, bei den früheren oder heutigen Besitzern. Nur vereinzelt sind Dokumente aus dem 16. und 17. Jahrhundert in den Gemeindearchiven vorhanden.

Die Dokumente und Bücher der Gemeinden bleiben vor Ort. Aber die sogenannten Findbücher, in denen eingetragen ist, welche Dokumente im jeweiligen Gemeindearchiv liegen, stehen zusätzlich im Kreisarchiv. So kann Kreisarchivarin Monika Kolb auf Anfrage relativ schnell sagen, ob zu bestimmten Personen oder Sachverhalten Dokumente in den Gemeindearchiven vorhanden sind.

Ein Teil der Findbücher ist inzwischen digitalisiert worden und kann von Archivnutzern online zu Hause durchstöbert werden. Wer also recherchieren will, ob es im Archiv beispielsweise Unterlagen dazu gibt, wann Telegraphen- und Fernsprecheinrichtungen in seinem Wohnort eingerichtet worden sind, kann dies von zu Hause aus tun.

Möglich ist auch, Archivalien zu bestellen. Sprich: Für einen angekündigten Termin bei den Gemeinden werden die jeweiligen Dokumente herausgesucht. "Für die Gemeinden und uns ist das eine außerordentliche Entlastung, da die Mitarbeiter konkretere Anfragen bekommen und eigene, umfangreiche Recherchen wegfallen", stellt Monika Kolb fest. "Von Hamburg, Stuttgart oder vom Ausland kann jeder sofort sehen, ob zum Forschungsgebiet etwas vorliegt."

"Es liegen Schätze in den Gemeinden, die kein Mensch dort vermutet", berichtet Monika Kolb. So fand sie jüngst einen Stapel Akten vom Königlich-Bayerischen Landgericht Gerabronn. Ein Zufallsfund, den sie aktuell auswertet. In Ettenhausen (Schrozberg) fand sie Arbeitskarten samt Fotografien von Zwangsarbeitern. "Da weiß man dann erst, dass es in jeder Gemeinde solche Dokumente gegeben haben muss." Die Zeit, um die Akten selbst aufzuarbeiten und in historische Aufsätze und Bücher zu verarbeiten, fehlt ihr. Aber wenn Orts-Chronik-Autoren auf Themensuche sind, gibt sie Tipps.

Viele Findbücher werden noch 2015 online gestellt

Online-Adresse Auf der Internetseite Kreisarchiv-lrasha.findbuch.net findet man neben dem Bestand Oberamt/Landkreis Schwäbisch Hall (1802 bis 1938) auch folgende Findbücher der früher selbstständigen Gemeinden Billingsbach und Gammesfeld (beide Blaufelden), Geislingen (Braunsbach), Langenburg, Bächlingen, Bartenstein (Schrozberg) und Weipertshofen (Stimpfach).

Bald zugänglich Es folgen im Lauf dieses Jahres die mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft digitalisierten noch maschinenschriftlich erstellten Findbücher der folgenden Gemeinden: Fichtenau (Lautenbach, Matzenbach, Unterdeufstetten, Wildenstein), Fichtenberg, Kirchberg an der Jagst (Gaggstatt, Hornberg, Kirchberg, Lendsiedel), Mainhardt (Ammertsweiler, Bubenorbis, Geißelhardt, Hütten, Mainhardt), Michelfeld (Gnadental und Michelfeld), Oberrot (Oberrot, Hausen an der Rot), Rosengarten (Rieden, Uttenhofen, Westheim), Rot am See (Beimbach, Brettheim, Hausen am Bach, Reubach, Rot am See), Satteldorf (Ellrichshausen, Gröningen, Satteldorf), Schrozberg (Leuzendorf, Spielbach), Untermünkheim (die Verwaltung steht der Angelegenheit positiv gegenüber, Entscheidung jedoch noch nicht gefallen - Enslingen, Übrigshausen, Untermünkheim).

SWP

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