Schwäbisch Hall Mehrgenerationen-Wohnen ist in Hall gefragt

Melissa Hullman und Karl-Heinz Pastoors stellen ihre Vision vor: Sie wollen  im Bahnhofsareal ein Gebäude bauen, in dem junge und alte Menschen einziehen können. Die sollen sich gemeinsame Wohnbereiche teilen. Viele Zuhörer kommen ins Haus der Bildung.
Melissa Hullman und Karl-Heinz Pastoors stellen ihre Vision vor: Sie wollen  im Bahnhofsareal ein Gebäude bauen, in dem junge und alte Menschen einziehen können. Die sollen sich gemeinsame Wohnbereiche teilen. Viele Zuhörer kommen ins Haus der Bildung. © Foto: xxx
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 16.02.2018
Gleich fünf Gruppen planen derzeit in Hall den Bau von Immobilen, die Raum für ein Miteinander über Generationengrenzen hinweg bieten.

Jahrelang standen sich die Mitstreiter von „Heller Wohnen“ am Milchmarkt-Stand die Beine in den Bauch. Kaum einer interessierte sich fürs erste Haller Mehrgenerationenhaus. Am Ende hat der Bau auf dem Katzenkopf doch noch geklappt.

„Wegen Überfüllung geschlossen, aber wir dürfen noch im Gang stehen“, wird den heraneilenden Zuhörern beim Infoabend über Wohnprojekte im Musiksaal des Hauses der Bildung am Mittwochabend zugeraunt. Rund 150 meist ältere Menschen kommen. Fünf Baugruppen stellen sich vor.

„Viele haben Väter und Mütter im Alter begleitet und gemerkt: Wir wollen es nicht so machen“, erläutert Martin Weis, der als Leiter des Mehrgenerationentreffs im Haus der Bildung zur zentralen Ansprechperson geworden ist. Die 68er-Generation werde jetzt alt. „Wir machen alles anders als die Eltern. Das geht jetzt beim Wohnen im Alter weiter.“

Wolfgang Schmalzried (70) von der Baugruppe im Sonnenrain bestätigt das: „Unsere Eltern waren alle überfordert: Wie lange kann ich im großen Haus leben.“ Dann kam der harte Schnitt: ab ins Altersheim. Allen fünf Wohngruppen ist gemeinsam: Durch intelligente Zuschnitte der Wohnungen, Zugänge ohne Stufen und nachbarschaftliche Kontakte sollen alle Lebensabschnitte von der Geburt bis zum Tod im Haus ihren Raum finden. Dabei reichen die Konzepte von Eigentum ohne Gemeinschaftsräume bis hin zur Idee, sich sogar die Küche zu teilen.

Zwischen den Projekten tobt ein Wettbewerb um junge Bewohner. Denn die können sich offensichtlich nicht so leicht Baupreise von 2950 Euro pro Quadratmeter leisten. Doch auch dafür werden Lösungsansätze, wie Mietwohnraum, vorgestellt und an den Stehtischen eifrig diskutiert.

Die fünf Haller Projekte für Mehrgenerationenwohnen im Überblick

Die Bahnhofsgruppe will auf dem ehemaligen Gleisgelände an der Ringstraße bauen. Dort soll in den nächsten Jahren eine neues Wohngebiet entstehen. Jeder Bewohner soll den Grundriss seiner Wohnung selbst bestimmen können. Über die individuellen Apartments hinaus soll es einen Gemeinschaftsbereich geben. „Viele Dinge sind noch nicht strukturiert, das ist eine Chance für Interessierte daran mitzuwirken“, sagt Karl-Heinz Pastoors von der Baugruppe. Neue Teilnehmer am Wohnprojekt würden gesucht.

Das Quartier Gräterweg wird wegen des geplanten Auszugs der Polizei von Gerit Franz neu gestaltet. Sie hat die großen Grundstücke geerbt. Gerit Franz will drei Bestandsgebäude renovieren, drei Mehrfamilienhäuser bauen und weitere kleiner Bungalows erstellen. Sie sucht „Menschen, die mehr wollen als nur stadtnah wohnen“. Im Idealfall beteiligen sich die neuen Bewohner der 80 Wohneinheiten am Leben im Quartier. Dafür würden Treffpunkte geschaffen, wie ein Spielplatz, möglicherweise eine Boulebahn und ein Café. Sie sucht Mieter und Käufer. Wenn die Polizei im Sommer in ihren Neubau zieht, geht die Umgestaltung des Quartiers los.

Der Sonnenhof plant das größte alternative Wohnprojekt in Hall. Grundidee: Bisher wurden Behinderte in Wohngruppen in Stadtviertel ausquartiert, um sie mit der Stadtbevölkerung in Kontakt zu bringen. Jetzt holt die soziale Einrichtung Bürger aufs Gelände, um die Grenze zwischen Menschen mit und ohne Betreuungsbedarf aufzubrechen. Bis zu 200 Wohnungen werden entstehen. Ein Teil der heutigen Gebäude wird ersetzt. In drei Bauabschnitten soll das von 2019 bis 2030 geschehen.

Den Namen „Viva!Karee“ hat sich eine Gruppe gegeben, die im Sonnenrain bauen will. Auf ein Grundstück am östlichen Rand des ersten Bauabschnitts im neuen Hessentaler Wohngebiet besitzt die Gruppe eine Kaufoption. Vier Gebäude mit Gemeinschaftsbereichen könnten darauf Platz finden. Für das erste haben sich zehn neue Bewohner gefunden, im zweiten sollen Mietwohnungen entstehen. Für zwei Häuser würden noch Interessierte gesucht, die jeweils eine eigene Baugruppe gründen.

Am Ripperg wird wohl am schnellsten ein Wohnprojekt entstehen. Das Baugesuch der Initiative „Weitblick“ wird nächste Woche eingereicht. Zwischen acht und zwölf Wohnungen können in den Gebäudeteilen untergebracht werden. Es gibt kaum Gemeinschaftsräume, nur einen gemeinsamen Waschmaschinenraum, einen Garten samt Gartenhäuschen und eine Werkstatt. Gesucht werden noch Mieter und Bauherren.

Infos zu allen Baugruppen und deren Kontaktdaten erteilt Martin Weis vom Haus der Bildung. E-Mail:  martin.weis@schwaebischhall.de, Telefonnummer  07 91 / 9 70 66 50.

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