Region Mehr Frauen, mehr Azubis: Mangel an Fachkräften bremst Wachstum

2009 arbeiteten 6558 Frauen mit akademischem Abschluss in der Region Heilbronn-Franken. In sechs Jahren sollen es 14000 sein. Symbolfoto: dpa
2009 arbeiteten 6558 Frauen mit akademischem Abschluss in der Region Heilbronn-Franken. In sechs Jahren sollen es 14000 sein. Symbolfoto: dpa
Region / JÜRGEN STEGMAIER 25.07.2014
Es reicht nicht, wenn mehr Frauen arbeiten, mehr junge Leute studieren oder mehr Menschen ohne Abi an die Hochschulen dürfen. Es muss auch die Zahl der Ungelernten reduziert werden. Zu diesen Schlüssen kommt das Fachkräftebündnis.

In der Region fehlen 12.000 Fachkräfte. Das könnte bald schon die Unternehmen in Heilbronn-Franken schwächen. Deshalb hat sich vor zwei Jahren ein Fachkräftebündnis gegründet. "Nur gemeinsam und abgestimmt können wir diese Zukunftsaufgabe meistern", erklärte gestern bei einem Treffen in Heilbronn IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig.

80 Prozent der nicht besetzten Stellen beziehen sich auf Fachkräfte, insbesondere in den Bereichen der Pflege sowie die kaufmännischen und technischen Ausbildungsberufe. 20 Prozent betreffen Stellen, die mit Akademikern zu besetzen sind, allen voran Ingenieure.

Das Fachkräftebündnis hat sich konkrete Ziele gesetzt und diese mit Zahlen hinterlegt. Beispielsweise sollen bis 2020 158000 Frauen in der Region sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein. 2009 waren es 136.000, derzeit sind es rund 151.000.

Verringert werden soll die Zahl der Arbeitslosen, die keine Berufsausbildung haben: von 11.700 im Jahr 2009 auf 7900 im Jahr 2020. Derzeit liegt diese Zahl bei 9500. "Mit Vor-Ort-Beratungen und Fachforen zum Thema Qualifizierung von An- und Ungelernten leisten wir einen Beitrag zur Sensibilisierung der Unternehmen", sagte Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken.

Zahl der Ungelernten soll reduziert werden

Ein Baustein, um den Fachkräftemangel zu beheben, sei die Zuwanderung von qualifizierten Menschen aus dem Ausland. Mit dem Welcome Center in Heilbronn sei eine zentrale Anlaufstelle geschaffen worden, in der gebündelt Informationen rund um das Leben und Arbeiten in der Region zur Verfügung gestellt würden.

In der Region können längst nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Thekla Schlör, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, erklärte dazu: "Die Aktivitäten, Ausbildungsplätze in der Region zu besetzen, enden nicht an den deutschen Grenzen. Zusätzlich zu hier wohnenden Bewerbern dehnen wir die Suche nach Ausbildungsinteressenten auch auf das europäische Ausland aus." In Kooperation mit ihren Partnern spreche die Agentur Ausbildungsinteressenten an und werbe für eine duale Ausbildung. Wichtige Voraussetzung seien Deutschkenntnisse und ein Praktikum. Künftig werde die Agentur ausbildungsinteressierte Betriebe und Bewerber noch intensiver unterstützen, um nicht nur den Beginn, sondern auch die gesamte Ausbildung zu unterstützen.

Der Engpass an Fachkräften dürfe sich nicht zu einer Wachstumsbremse für die Unternehmen und Wirtschaft in der Region entwickeln, warnte Rolf Blaettner vom Arbeitgeberverband. Eine strukturierte und nachhaltige Zusammenarbeit der Bündnispartner sowie relevanter Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Kommunen und Politik sei von großer Bedeutung. "Die Sicherung der Fachkräftebasis in Heilbronn-Franken ist eine Gemeinschaftsaufgabe", so Blaettner.

Zusammenschluss in der Region Heilbronn-Franken

Partner Zu dem Fachkräftebündnis haben sich sieben Partner zusammengeschlossen: IHK, Handwerkskammer, Arbeitgeberverband, Wirtschaftsregion (jeweils Heilbronn-Franken), Deutscher Gewerkschaftsbund Nordwürttemberg sowie die Arbeitsagenturen Heilbronn und Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim.

SWP

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