Wohl selten war die Stimmung im heimischen Handwerk besser. Der vor Kurzem veröffentlichte Konjunkturbericht lässt keine Zweifel: Die meisten Betriebe verzeichneten zuletzt mehr Aufträge, machten mehr Umsatz (rund 9,65 Milliarden Euro). Auch der Blick nach vorne gibt keinen Anlass zur Klage. „Fast alle Betriebe sind derzeit gut oder sogar sehr gut ausgelastet“, erklärt Kammerpräsident Ulrich Bopp und ist sich deshalb sicher: „Die Nachfrage nach Handwerkern bleibt weiter hoch.“

Mehr als drei Viertel der befragten Handwerker sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Gut ein Viertel erwartet weitere Zuwächse. Die Kapazitäten der Betriebe scheinen derzeit die einzige Grenze des Wachstums zu sein.

Gute Perspektiven

Mehr als die Hälfte der Betriebe gibt an, zu fast 100 Prozent ausgelastet zu sein. Jeder siebte arbeitete Ende des zurückliegenden Jahres sogar über der Kapazitätsgrenze. Bei den Beschäftigten gab es ein leichtes Plus. Es wurden rund zwei Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigt (insgesamt rund 98 300). Der Beschäftigungsaufbau war auch dem Umstand geschuldet, dass das Handwerk gerade auch für Gründer und Übernehmer „goldenen Boden“ hat. So stieg die Zahl der Firmen weiter an und es gibt in der Region Heilbronn-­Franken so viele Betriebe wie noch nie. Insgesamt waren bei der Handwerkskammer Ende 2018 exakt 12­ 378 Unternehmen gemeldet. Das ist der höchste Stand an selbstständigen Handwerkern seit Bestehen der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Bei den zulassungspflichtigen Betrieben waren zuletzt 7958 Betriebe registriert.

Zulassungspflichtig bedeutet, dass der Gründer zur Betriebsführung den Meistertitel oder eine vergleichbare Qualifikation nachweisen muss. „Wir sehen die Entwicklung, dass es immer weniger zulassungspflichtige Betriebe gibt, kritisch“, mahnt Martin Weiß, bei der Kammer für die Eintragung in die Handwerksrolle zuständig: „Denn dadurch sinkt die Qualität.“

„Leider ist der Rückgang in diesem Bereich nichts Neues, sondern ein Trend, den wir seit Jahren sehen“, bilanziert Martin Weiß. Den Grund hierfür sieht er im Konzentrations-Prozess, von dem vor allem das Lebensmittel-Handwerk stark betroffen ist: „Die kleineren Betriebe werden häufig von den größeren geschluckt. Da kauft dann eine Backkette die kleine Traditionsbäckerei auf oder der Metzger von nebenan macht zu, weil er mit den Preisen der Discounter nicht mithalten kann. Oder es fehlt der Nachfolger, der den Betrieb übernehmen kann.“

Der Bestand an zulassungsfreien Handwerksbetrieben erhöhte sich zuletzt um knapp drei Prozent von 2347 Unternehmen auf jetzt 2413 Betriebe in 2018. Ganz ähnlich ist auch die Situation bei den handwerksähnlichen Gewerken: Hier kamen im zurückliegenden Jahr 2018 insgesamt 33 neue Unternehmen hinzu. In Summe waren das dann 1990 Betriebe.

Die Handwerksordnung (HwO) regelt, welche Berufe zum Handwerk gehören. Dabei wird zwischen zulassungspflichtigen, zulassungsfreien und handwerksähnlichen Gewerben unterschieden. Die Anlage A der HwO beschreibt 41 Handwerks-Berufe, bei denen eine Meisterprüfung oder eine vergleichbare Qualifikation die Voraussetzung für eine Selbstständigkeit ist. Dazu zählen zum Beispiel Maurer, Kraftfahrzeugtechniker, Bäcker, Klempner, Steinmetze und Elektrotechniker.

Die Anlage B1 erfasst 53 zulassungsfreie Berufe, die keine Qualifikation bei der Selbstständigkeit erfordern. Das sind etwa Fotografen, Uhrmacher, Parkettleger sowie Fliesenleger. Anlage B2 listet dann noch 57 handwerksähnliche Gewerbe auf: Das sind zum Beispiel Berufe wie Bodenleger, Rohr- und Kanalreiniger, aber auch Änderungsschneider oder Kabelverleger.

Imagekampagne

Um dem Nachwuchsmangel zu begegnen, der perspektivisch auch die Betriebszahlen beeinflusst, schreibt das Handwerk seine zuletzt sehr erfolgreiche Imagekampagne fort. Am Beispiel von fünf Botschaftern wird dargestellt, wie zukunftsweisend der Wirtschaftsbereich ausgerichtet ist. „Ist das noch Handwerk?“, wird auf Plakaten gefragt, die aktuell in der Region Heilbronn, Schwäbisch Hall und Tauberbischofsheim zu sehen sind.

Einer der fünf Protagonisten der Kampagne ist der Kfz-Mechaniker Jimmy Pelka, der seine eigene Tuning-Software entwickelt hat und heute Kunden rund um den Globus betreut. Hauptsitz seines international agierenden Unternehmens ist die Kurstadt Bad Mergentheim. Ulrich Bopp: „Internationalität, Digitalisierung, Diversität, Humanität gehören heute genauso zum Handwerk wie Tradition, Werkbank und Blaumann.“

43


Betriebe weniger wurden zuletzt im zulassungspflichtigen Handwerk gezählt. Im Landkreis Schwäbisch Hall waren es insgesamt 1905 Unternehmen. Fünf weniger als im Jahr zuvor.