Liedermacher Mehr als 50 Jahre Lieder gegen rechts

Schwäbisch Hall / Von Matthias Imkampe 05.10.2017
Der Haller Neubau-Saal ist ausverkauft, als Hannes Wader dort auf seiner Abschiedstournee gastiert. Der 75-Jährige nimmt das Puglikum schnell für sich ein.

Bis zum nächsten Mal in Schwäbisch Hall … hätte ich normalerweise an dieser Stelle gesagt. Doch jetzt sage ich: Macht’s gut! Denn ich habe mich entschlossen, mein Tourneeleben noch in diesem Jahr zu beenden.“ So endete um kurz nach zehn der reguläre Teil des ausverkauften Konzertes des Liedermachers Hannes Wader am Tag der Deutschen Einheit im Haller Neubau-Saal.

Mit „Macht’s gut!“ ist demzufolge auch seine Abschiedstour überschrieben, auf der Hannes Wader noch einmal in gut zwei Stunden knapp zwei Dutzend Lieder seiner langen, langen Karriere in bester Liedermachermanier darbietet. Dabei war die zweite Station der Tour, die Ende November im Berliner Tempodrom enden wird, eigentlich von Anfang an ein Heimspiel. Vom ersten Song an war klar, dass hier in Schwäbisch Hall niemand von den Qualitäten dieses Liedermachers überzeugt werden muss.

„Heute hier, morgen dort“

Pünktlich um acht betritt Hannes Wader mit seiner Gitarre die Bühne und spielt und singt „Heute hier, morgen dort“. Klingt eigentlich nach Zugabe, beschreibt jedoch den Habitus des reisenden Sängers zutreffend, in seiner über 50 Jahre dauernden Bühnenkarriere nirgends wirklich zuhause zu sein. Wohl kaum ein Lied wurde und wird öfter an Lagerfeuern oder zuhause im stillen Kämmerlein gesungen als dieses: „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort, hab’ mich niemals deswegen beklagt.“

Viele singen im Geiste mit

Angesichts des letzten Auftrittes in der Stadt ist das Publikum vor Ehrfurcht mäuschenstill. Man würde gerne mitsingen, traut sich aber nicht, und so singen wohl viele still im Geiste mit. In knappen Einführungen erzählt Hannes Wader Geschichten zu seinen Liedern, wie zum Beispiel zu den „Moorsoldaten“. Entstanden 1933 im KZ Börgermoor bei Papenburg, gehört das Lied zum festen Repertoire seiner Konzerte. In Hall erzählt er, wie er es 2011 mit dem echten „Moorsoldaten“ Hans Lauter (2012 98-jährig verstorben) auf einer Veranstaltung gegen rechts am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig gesungen hat.

Wer sich die Frage stellt, inwieweit Hannes Wader denn nun aktuell politisch ist, findet hier die Antwort: Die Partei, die neuerdings am rechten Rand agiert, muss nicht benannt werden, seine Haltung gegen dererlei Umtriebe ist klar. Auch dass Hannes Wader immer schon ziemlich links war und ist, zeigt sich zum Beispiel beim im Talking-Stil dargebotenen „Wo ich herkomme“ aus dem letzten Studioalbum von 2015. Nämlich seine Sympathie für die sogenannte Unterschicht, aus der er selbst kommt, auf die sich die Oberschicht drauflege, „denn, sonst wäre sie ja nicht die Ober-, sondern nur ne Seiten- oder Nebenschicht“.

Zeitlos links

Noch Fragen zur politischen Haltung? Nein, Hannes Wader muss das nicht extra betonen, seine Lieder sind zeitlos links. Hannes Wader spielt die Gitarre mit Fingerpicking und Schlagtechnik gewohnt präzise und virtuos. Seine sonore Stimme trägt ihn durch den Abend, gegen Ende merkt man ganz leicht deren Alter an. Das Publikum dankt mit kräftigem Applaus, der Sänger lässt sich um Zugaben nicht lange bitten, und so endet der Abend mit einem Mitsinglied „Sag mir, wo die Blumen sind“. Und wir ändern den Tourslogan: „Mach’s gut, Hannes! Schade, dass du nicht mehr öffentlich singst, aber wir gönnen dir den Ruhestand.“

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