Freilandmuseum Wackershofen Mehr als 13.000 Besucher kommen zum Backofenfest

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 01.10.2018
Blooz, Rosenküchle, Ochs am Spieß und Flachswickel werden serviert. Taschenspieler, Tänzer und Musiker unterhalten die Besucher.

Eine riesige Rauchwolke quillt aus dem Kamin des Backhäuschens. Es riecht nach Holzfeuer. Das Stadtorchester spielt „We are the world“. Besucher nippen am Hohenloher Schaumwein, beißen in den duftenden Blooz. Die Kombination der Reize in Nase, Ohren, am Gaumen, die wärmenden Sonnenstrahlen des Herbstes samt dem Blick über die Hohenloher Ebene: Das perfekte Backofenfest-Gefühl stellt sich ein. Der Herbst kann kommen.

Er riecht gut

Doch was macht den perfekten Blooz aus? Helga Wollschläger (61) kennt die Antwort. „Er muss natürlich beim Essen noch heiß, muss gleichmäßig durchgebacken sein. Der Boden darf nicht zu dick werden. Er darf natürlich keine Blasen werfen. Er muss einen leichten Geschmack des Holzfeuers bieten.“ Im Grunde sei aber der Duft vor dem Rennbeißen das Wichtigste. Wenn einen der Blooz „einfach so anlacht“, sei er im Grunde perfekt.

100 Blooz am Tag kommen aus dem Ofen heraus, den Helga Wollschläger und ihre Mitbäckerinnen neben dem ehemaligen Wirtshaus Steigenhaus bestücken. „Das Feuer muss eine Stunde brennen. Dann schießt man neun Bleche ein“, erläutert Frank Henninger (61). Der Blooz sei ein Indikator für die Ofentemperatur gewesen. Sei der Teig nach acht bis zehn Minuten durchgebacken, sei es Zeit, das Brot in den Ofen zu stecken. War der Ofen noch zu heiß, musste man mit dem Brotbacken warten, da die Kruste sonst schwarz wurde.

Diese Details werden Besuchern des Backofenfests gern erläutert. Denn vielen muss erst vermittelt werden, dass die Öfen lange angeheizt werden, bevor wieder eine Fuhre Blooz herauskommt.

Geselliger Treffpunkt

Am Samstagmittag werden Rinder durch den Ring geführt. Für den Züchternachwuchs geht es darum, ihre Lieblinge zu präsentieren. „Er kriegt Heu und Stroh“, erläutert Nico Bürk (9) aus Hütten, dessen Kälbchen Aria so gar nicht ruhig stehen bleiben will. Während er am Kälbchenstrick zieht, spricht er noch schnell ins Mikrofon: „Morgens erhält es vier Liter Milch und abends vier Liter Milch. Wasser darf es so viel saufen wie es will.“

Dutzende Darbietungen von Musik- und Volkstanzgruppen sowie viele Marktstände runden das Fest ab. Doch für den als Büttel verkleideten Heinz Kugele (74) sowie Wilhelmine (63) und Berthold Lachmann (66) sind die in diesem Moment gar nicht so wichtig. Sie haben sich ein ruhiges Eck gesucht und unterhalten sich am Biertisch über das Fest. „Essen, Tanz und das Zusammensein: Das Backofenfest spiegelt das ganze Museumsleben wider“, meint Heinz Kugele. „Es ist lebendig hier“, sagt Wilhelmine Lachmann. Ihr Mann ergänzt: „Wir versuchen, so oft wie möglich herzukommen.“ Die beiden wohnen in Schwäbisch Gmünd, sind aber Mitglieder im Museumsverein. Museumsleiter Michael Happe schätzt die Besucherzahl auf mehr als 13.000.

Bilanz des Sommers: Weniger Besucher bei Hitze

Mit dem Backofenfest enden die langen Sommeröffnungszeiten im Freilandmuseum, mit dem Schlachtfest am 3. und 4. November geht die Saison zu Ende. „Bei 35 Grad geht keiner ins Freilandmuseum“, berichtet Michael Happe. Der Leiter des Hohenloher Freilandmuseums hat sich kürzlich mit Kollegen aus ganz Deutschland getroffen: „Alle sagen dasselbe: Für Kultureinrichtungen war der heiße Sommer eine Katastrophe.“ Freibäder und Baggerseen seien attraktiver. „Aber“, sagt Happe, „vielleicht können wir dennoch die Rekordbesucherzahlen aus dem Vorjahr erreichen.“ 110 000 Gäste wurden damals gezählt. Denn das Frühjahr sei ausgesprochen gut gelaufen, die Feste wurden gut besucht und der Herbst könnte noch einige Besucher anlocken. „Viel wichtiger für mich ist allerdings die Tatsache, dass kein Unfall passiert ist und die Renovierungsarbeiten ausgeführt wurden. Die wertvolle Substanz muss erhalten werden.“ Zudem sei er froh, dass außer ein paar heruntergefallen Dachziegel keine Sturmschäden zu beklagen seien. Im nächsten Jahr soll das MAN-Stahlhaus eingeweiht werden. Zudem werde ein Besucherleitsystem eingeführt. tob

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