Ilshofen Maschinenring: anerkannter Sozialismus

Dieses Archivfoto zeigt Traktoren und Ackergerätschaften des Maschinenrings bei einer Vorführung. Aktuell können beim Ring 88 Maschinen ausgeliehen werden.
Dieses Archivfoto zeigt Traktoren und Ackergerätschaften des Maschinenrings bei einer Vorführung. Aktuell können beim Ring 88 Maschinen ausgeliehen werden. © Foto: Archivfoto: privat
Ilshofen / Von Elisabeth Schweikert 31.08.2018
Landwirte in Hohenlohe scheuten sich vor 50 Jahren davor, landwirtschaftliche Maschinen gemeinsam zu nutzen.

Sozialisten!“; „Wie auf einer Kolchose – da kann er doch gleich nach drüben gehen!“ – Die Idee, teure landwirtschaftliche Maschinen gemeinschaftlich zu nutzen, war etlichen Landwirten in Hohenlohe vor 50 Jahren höchst suspekt. Der Bauernstolz war ausgeprägt, vorherrschende Meinung war: „Wenn ich mir die Gerätschaften, die ich brauche, nicht leisten kann, bin ich kein guter Bauer“, berichtet Fritz Hube, Geschäftsführer des Maschinenrings, über die Einstellung der Landwirte im Jahr 1968 zu gemeinschaftlich genutzten Maschinen.

Anfänge in Sulzdorf

Nicht alle vertraten die tradierte Meinung. In Sulzdorf hatten Mitte der 1960er-Jahre bereits einige Landwirte gute Erfahrungen mit einer Kooperation gemacht – hauptsächlich organisiert von Richard Ott und Fritz Vogel. Nach Verrechnungssätzen der Raiffeisen-Maschinenaustauschgemeinschaft lieh ein Landwirt einem anderen seine Ackergerätschaften.

Doch Richard Ott und Ernst Rudolf, Mitarbeiter im Landwirtschaftsamt, schwebte eine große Lösung vor: Alle Landwirte sollten über die gegenseitige Ausleihe von Gerätschaften einerseits Kosten sparen können und andererseits mit neuer Technik effizienter und schneller arbeiten können. Die beiden organisierten einen Infoabend und Infofahrten. Am 25. März 1968 trafen sich schließlich Bauern aus dem Haller Raum im „Lamm“ in Sulzdorf.

Am Ende gaben 26 Bauern eine Beitrittserklärung ab, Richard Ott aus Buch wurde zum Vorsitzenden gewählt, Fritz Thier aus Gottwollshausen zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der Geschäftsführer des Bauernverbands Günter Hallensleben erklärte sich zusätzlich bereit, in der Anfangszeit die Geschäfte zu führen.

Bäuerliche Revoluzzer

„Das war revolutionär damals“, berichtet Fritz Hube. Der Geschäftsführer des Maschinenrings Schwäbisch Hall hat sein Büro im früheren Rathaus in Ilshofen. Diese Woche sind er und seine Mitarbeiter dabei, das Jubiläumsfest „50 Jahre Maschinenring Schwäbisch Hall“ vorzubereiten. Am Sonntag, 2. September, sollen die Mitgliedsfamilien in der Arena Hohenlohe einen schönen Tag erleben können. Es gibt ein Kinderprogramm, eine Maschinenausstellung. Die „Rouder Schnäpsle“ machen Musik und die Erwachsenen können sich auf einem Parcours mit Quads austoben. Zudem stellt der Maschinenring viele seiner Maschinen aus. „Das ist eine geschlossene Gesellschaft“, erklärt Hube, „wir nehmen auch keine Anmeldungen mehr an.“ Feierliche Reden, Ehrungen und Rückblicke werde es auch geben, aber nur kurz. „Es soll nicht nur der Landwirt kommen, auch die Frau und die Kinder sollen mit dabei sein.“

Fritz Hube ist seit 25 Jahren Geschäftsführer des Maschinenrings und hat sich in Vorbereitung auf das Fest in die Entstehungsgeschichte des Maschinenrings eingelesen. Am Anfang organisierte der Maschinenring das gegenseitige Ausleihen der Ackergeräte. Vieles lief noch ehrenamtlich, berichtet Hube. Abends, nach Feierabend, organisierten die Landwirte vom Wohnzimmer aus die Einsätze der Maschinen. „Das war ein idealistischer Verein.“

Der Verein wuchs rasch. 1984 kam der Betriebshilfsdienst dazu: Hauswirtschafterinnen und Landwirte wurden angestellt und halfen auf den Höfen, wenn die Bäuerin oder der Bauer ausfiel. Aus dem Maschinenring wurde der Maschinen- und Betriebshilfsring. Das kam an, in der Zeit machte die Mitgliederzahl einen Sprung nach oben. Der Grund waren gesellschaftliche Änderungen: Wohnte früher manches Mal noch der ledige Onkel auf dem Hof, lebten in dieser Zeit viele Bauernfamilien als Kleinfamilien. Wenn eine Arbeitskraft fehlte, konnten Vollerwerbsbetriebe dies nicht mehr aus eigener Kraft kompensieren. „Vor 50 Jahren ging das noch. Dann übernahm oft die Frau einige Zeit alle Arbeiten auf dem Hof. Heute ist das nicht denkbar. Die Betriebe sind durchgetaktet. Wenn einer ausfällt, braucht es Ersatz.“

Landkreis unterstützte Kauf

1988 kam es zum „Systembruch“,  berichtet Hube: Der Maschinenring kaufte selbst Maschinen – es wurden nicht nur die Geräte von den Landwirten untereinander vermietet. Die ersten Gerätschaften, welche der Maschinenring anschaffte, waren eine Maishacke und ein Striegel. „Es gab damals auch Unterstützung vom Landkreis.“ Im Jahr darauf wurde mit Peter Grün der erste hauptberufliche Geschäftsführer eingestellt.

Inzwischen habe sich die Situation verändert, berichtet Fritz Hube. Den Landwirten mache das negative Image ihres Berufsstandes sehr zu schaffen. „Die stehen den ganzen Tag im Stall und schaffen, und abends in der Tagesschau hören sie, was sie alles falsch machen“, erzählt Hube. „Das zehrt an den Nerven, das nimmt vielen die Lust, weiterzuarbeiten.“

Region mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung

45 Menschen sind aktuell beim Maschinenring Schwäbisch Hall beschäftigt. Insgesamt hat der Dienstleister und Geräteverleiher 88 Maschinen im Angebot, die auf 20 Stationen im Altkreis Schwäbisch Hall verteilt sind.

Drei Maschinenringe gibt es im Landkreis Schwäbisch Hall: den Haller (805 Mitglieder), den Crailsheimer (rund 800 Mitglieder) und den Blaufeldener (rund 900 Mitglieder), berichtet Fritz Hube. Er sagt: „Wenn sich alle drei Maschinenringe zusammenschließen würden, wären wir der größte im Land. Die Zahlen zeigen, dass die Region hier ein intensiv landwirtschaftlich genutztes Gebiet ist und noch viele Landwirte im Vollerwerb ihren Hof bestellen.“ sel

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