Kommunalpolitik  Martin Blessing: Der Job ist noch vielfältiger, als ich erwartet habe

Vergangenen Donnerstag war Martin Blessing, Bürgermeister in Ilshofen, seit 100 Tagen im Amt. Er sagt:  „Es war ein gutes Ankommen, es war ein guter Start. Das finde ich klasse.“ Im Arm hält er ein Vogelhäuschen, das ihm seine Kollegen vom Forstamt zum Abschied geschenkt haben. Für die Ilshofener und die Menschen in den Teilorten  will Blessing Bauflächen erschließen, damit sich die Bauherren dort ihren Traum vom Wohnen im eigenen Haus verwirklichen können.
Vergangenen Donnerstag war Martin Blessing, Bürgermeister in Ilshofen, seit 100 Tagen im Amt. Er sagt:  „Es war ein gutes Ankommen, es war ein guter Start. Das finde ich klasse.“ Im Arm hält er ein Vogelhäuschen, das ihm seine Kollegen vom Forstamt zum Abschied geschenkt haben. Für die Ilshofener und die Menschen in den Teilorten  will Blessing Bauflächen erschließen, damit sich die Bauherren dort ihren Traum vom Wohnen im eigenen Haus verwirklichen können. © Foto: Elisabeth Schweikert
Ilshofen / Elisabeth Schweikert 13.07.2018
Ilshofens Bürgermeister Martin Blessing ist seit 100 Tagen im Amt.  Er sagt: „Es war ein gutes Ankommen, war ein guter Start.“ 2019 will er für den Kreistag kandidieren.

Die Kuhschellen der Rollenbuben hängen noch an der Garderobe im Chefzimmer des Rathauses Ilshofen. Neu indes ist der Bürgermeister, der lächelnd die Türe öffnet: Am Donnerstag sind es 100 Tage, dass Martin Blessing im Amt ist. Neu auch: Auf dem Schreibtisch steht eine blaue Wasserflasche. „Das Wasser schmeckt. Es schmeckt nur nach Wasser, sonst nach gar nichts“, erklärt Blessing. Seit einigen Jahren hat die Familie eine Wasseraufbereitungsanlage mit Umkehrosmose eingebaut, „seitdem trinke ich gerne Wasser“. Morgens, bevor Blessing mit dem Fahrrad von Kirchberg nach Ilshofen radelt – stramm, damit er stressabbauend ins Schwitzen kommt – füllt er die Flasche auf.

100 Tage im Amt – schnell vergangen?

Martin Blessing: Total schnell. Das ist unglaublich. Jeder Tag ist so von spannenden Themen durchdrungen, von interessanten Gesprächen. Das Aufgabenfeld ist noch vielfältiger, als ich erwartet hatte.

Was war denn das Überraschendste?

Jeden Moment merkt man: Man wird gebraucht. Man hat Entscheidungen zu treffen, strategische Überlegungen anzustellen und ist in sehr intensivem Miteinander hier in der Verwaltung. Das ist klasse. Einfach gut.

 Bürgermeister sein ist also immer noch Ihr Traumberuf?

Ja (lacht).

Was haben Sie unterschätzt?

Na, sagen wir: Unterschätzt habe ich das Thema Einarbeitung. Insbesondere was die Einarbeitung ins EDV-System anbelangt. Da bin ich noch nicht ganz firm. Leider kann ich mir die Zeit zur Einarbeitung nicht so nehmen. Das würde ich gerne, um es zu durchdringen, um alle Kniffe zu können. Ich muss damit flott und umfassend umgehen können. Da habe ich jemanden am Telefon, der will Auskunft. Dann muss ich während des Telefonats auf die Karten im einen System und die Bauakten im anderen. Wenn man nicht ganz vertraut ist mit dem System, dann ist das am Telefon schwierig.

Wie ist die zeitliche Belastung?

Ich nehme mir für diese Aufgaben schon richtig viel Zeit, wesentlich mehr als vorher im Beruf. Da zähle ich die schönen Repräsentativ-Termine, die auch Spaß machen, gar nicht hinzu. Trotzdem empfinde ich das nicht als wirkliche Belastung. Das gehört dazu, das bringt der Job mit sich.

Sie sind noch beflügelt?

Ja. Kann man so sagen.

Auf wie viele Stunden beläuft sich Ihre Wochenarbeitszeit?

Na ja, die geht Richtung 50 Stunden – ohne repräsentative Termine.

Haben Sie noch Zeit für Familiäres oder Persönliches?

Ja, das muss auch sein. Ich versuche manches zu kombinieren. Bei manchen Veranstaltungen, die auch einen gewissen Freizeitfaktor mit sich bringen, sind  meine Familie oder meine Frau dabei.  Und persönlich brauche ich meinen sportlichen Ausgleich. Den nehme ich mir, indem ich mit dem Fahrrad herfahre.

Bald sind Sommerferien, nehmen Sie sich wenigstens eine Woche Zeit für Urlaub?

(Lacht.) Eine Woche gönne ich mir. Den Rest sind die Kinder in Ferienfreizeiten.

Wie war der Start?

Am ersten Tag habe ich alle begrüßt, Herr Berger war hier und auch Herr Wurmthaler.

Nutzen Sie sein Angebot, Ihnen beim Einstieg zu helfen?

Ja, er war immer wieder hier im Haus, um die Hintergründe zu den laufenden Projekten zu vermitteln.  Es ist gut, dass er mir Interna mitgegeben hat.

Kennen Sie inzwischen alle Mitarbeiter?

Im Rathaus ja, bei den Erzieherinnen kenne ich mittlerweile etwa zwei Drittel mit Namen. Bauhofmitarbeiter kenne ich alle. Ich hatte eigentlich vor, mit allen Einzelgespräche zu führen, aber das braucht mehr Zeit. Nächste Woche ist Betriebsausflug, das ist eine tolle Gelegenheit, mit allen ins Gespräch zu kommen.

Sie sagten im Wahlkampf, Sie möchten mit dem Gemeinderat ein Stadtentwicklungskonzept erarbeiten. Wird das der aktuelle Gemeinderat entscheiden oder der, der im September 2019 gewählt wird?

Wir bereiten das jetzt vor, und der neue Gemeinderat wird das intensiv bearbeiten und auf den Weg bringen.

Sie hatten auch  angekündigt, für den Kreistag zu kandidieren. Auf welcher Liste?

Ich bin noch nicht ganz entschieden. Es haben schon mehrere Fraktionen angefragt, die mich gerne aufnehmen möchten, nahezu alle. Ich habe im Wahlkampf ja meine unparteiische Haltung signalisiert. Und wahrscheinlich werde ich diesem Grundsatz auch treu bleiben. Da gibt es Punkte, die mir bei der CDU im Kreistag gut gefallen, da gibt es auch Punkte, die mir bei den Grünen gefallen. Und bei den Freien ist es so, dass sie eine sehr starke Lobby für ihre Gemeinde machen. Und der Gemeinde bin ich als Bürgermeister natürlich zuvorderst verpflichtet.

Klar, da treten Sie nicht nur als Privatperson auf, sondern auch als Bürgermeister. Wenn Sie im Kreistag sind, wie werden Sie bei der Ortsumfahrung Oberaspach abstimmen?

Da habe ich einen klaren Auftrag vom Gemeinderat. Die Räte haben sich für die Straße entschieden. Das Thema wird aber sicher noch mal auf die Tagesordnung kommen. Und das, was ich dann mit auf den Weg bekomme, gilt dann. Ich weiß, dass es von den betroffenen Landwirten kontrovers diskutiert wird. Die Planungen laufen, es gibt demnächst eine Entwurfsplanung.

Im Wahlkampf sprachen Sie sich – in Abgrenzung zu Frau Nolde – für begrenztes Wachstum aus.  Aus der Bürgerschaft kam nach der Wahl auch der Wunsch, die Entwicklung zu forcieren.

Fakt ist, dass wir Gewerbeentwicklung brauchen, das werde ich weiterentwickeln. Die Gewerbeflächen sind am Ausgehen, wir brauchen neue Flächen.

Wo sollen die entwickelt werden?

Zunächst in Großallmerspann, zwischen Arena und Autobahnpolizei.

Die Wohnbebauung in Ilshofen ist rasant gewachsen. Wie viele Bauplätze gibt es noch in Ilshofen – die Schmerachaue sollte ja für zehn Jahre reichen.

Wir haben in der Schmerachaue alle Bauplätze vergeben, einer ging wieder zurück und ist noch frei. In den Teilorten sieht’s besser aus. In Ruppertshofen haben wir noch einige Möglichkeiten, in Obersteinach haben wir noch etwas. In Eckartshausen sind wir dran, da machen wir gerade die Auslegung des Bebauungsplans. Oberaspach ist am Vollwerden, da haben wir noch etwas. Und dann steht das große Baugebiet „Ilshofener Höhe“ an, Richtung Eckartshausen. Das ist noch etwas Zukunftsmusik. Was zeitlich näher liegt, ist die innerörtliche Entwicklung an der Sölker Straße,  nahe dem Wasserturm. Dort sind auch Mehrfamilienhäuser geplant.

Was möchten Sie am Ende Ihrer Amtszeit realisiert haben?

Folgende angestoßene Projekte sollten abgeschlossen sein:  Die Erweiterung/Sanierung der Kläranlage und die dazugehörigen Abwasserleitungen von Ruppertshofen und Unteraspach. Der neue Kindergarten im Comburger Weg soll gebaut und voll funktionsfähig und mit Leben gefüllt sein. In der Siedlungsentwicklung soll die Ilshofener Höhe erschlossen werden. Und vom Stadtentwicklungskonzept soll so viel wie möglich umgesetzt sein. Auch möchte ich, dass es den Mitarbeitern bei der Stadt gut geht bei der Arbeit.

Wahl am 4. Februar: 55,9 Prozent für Blessing

Martin Blessing   wurde am 4. Februar mit 55,9 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister  gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,3 Prozent. Er hatte drei Mitbewerber (Kristina Nolde – 42,6 % –,  Friedhild Miller, Jürgen Rogowski). Der 47-jährige Forstingenieur trat im April die Nachfolge von Roland Wurmthaler an, der mehr als 30 Jahre lang die Stadtentwicklung gestaltete. Martin Blessing ist verheiratet mit seiner Frau Florentine. Das Paar hat drei Kinder (13, 15 und 17 Jahre alt). Er ist parteilos, jedoch seit 2009 für die unabhängige grüne Liste in Kirchberg im Gemeinderat. Die Familie lebt weiterhin in Kirchberg. sel

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