Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek Um Talente und Zukunft geht es in der Rede an die Jugend im Gymnasium bei St. Michael. Genetiker Markus Hengstschläger spricht zu den Schülern.

Warum schießt Lionel Messi so viele Tore und andere Fußballspieler nicht?“, fragt Markus Hengstschläger die Schüler in der vollbesetzten Aula am Schulzentrum Ost. Hat das etwas mit Talent zu tun? Der österreichische Genetiker hat in seiner Rede an die Jugend auch gleich eine österreichische Antwort parat: „So was hat man oder hat man nicht.“

Talente müssten schon in der Schule erkannt und gefördert werden, denn „jeder Mensch kann Talent haben“, ist er überzeugt. Der Genetiker in ihm kommt bei der Rede zum Tragen: „Jeder unterscheidet sich von seinem Nachbarn genetisch nur um 0,1 Prozent.“ Die Schüler wechseln Blicke und ein Raunen geht durch die Menge. Aber Menschen seien nicht auf ihre Gene reduzierbar, erklärt er weiter.

Vier Jugendliche aus Windhoek, Namibia, schnuppern derzeit in Haller Betriebe rein. Darunter Maria Garoes und Festus Garoeb. Sie arbeitet im Hotel Goldener Adler, er in der Kläranlage Vogelholz.

So auch nicht das Talent. Ob man talentiert ist, bestimmen auch nicht Likes und Follower in sozialen Netzwerken. „Menschen pflegen zu können ist ein mindestens so großes Talent wie Fußball spielen zu können.“ Und genau in diesem Punkt macht Hengstschläger der Jugend einen Vorwurf: Sie verwendet den Talentbegriff diskriminierend. Nicht die große Medienpräsenz mache Menschen zu Talenten, sondern es hänge davon ab, was sie beitragen möchten zur Lösung der Probleme der Zukunft.

Flexibel und individuell sein

Aber Zukunft ist für Hengstschläger nicht gleich Zukunft. Es gebe die vorhersehbare und die unvorhersehbare. Er macht das Dilemma an einem anschaulichen Beispiel deutlich: 20 Schüler in einer Turnhalle und Bälle kommen aus der einen oder anderen Richtung. „Sie müssen sich so aufstellen, dass sie die Bälle fangen können.“ Aber wo stellt man sich am geschicktesten hin, wenn sie aus unvorhersehbaren Richtungen kommen? „Am besten nicht auf einen Haufen“, so Hengstschläger. „Wenn man die Zukunft nicht kennt, dann braucht man in der Gegenwart höchstmögliche Flexibilität und Individualität.“ Schüler sollen eigene Ideen entwickeln.

Zum Stichtag Dienstag, 30. November 2018 verzeichnete die IHK Heilbronn-Franken (IHK) 4687 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse.

Trotzdem gebe es Standards, vor allem in der Schulbildung, „unter die man nicht gehen darf“, so Hengstschläger. Schreiben, rechnen, lesen nennt er als Beispiel. Aber Stärken sollten gestärkt werden. Und da kommt er aufs Thema Talentscouts. Er wünscht sich, dass es an jeder Schule solche gebe. „Also fordern Sie ein Umdenken im Schulsystem?“, fragt einer der Schüler. „Genau, denn wer glaubt, dass er an der Schule gerade professionell begleitet wird bei der Entdeckung seiner Talente? Hand hoch“, fordert er. Nur eine Schülerin meldet sich. „Woher werdet ihr dann wissen, welche Talente ihr habt?“ Ein Bildungssystem müsse daher Wissen vermitteln und sich professionell damit beschäftigen, welche Talente die Schüler haben. Außerdem ermuntert er sie, keine Angst vor der Zukunft zu haben und gibt ihnen mit, dass Fragen der Zukunft die Fragen der Gegenwart sind.

„Leise rieselt der Schnee“, klingt aus den Lautsprechern, auf die der Regen prasselt. Kommen Sie da schon in Weihnachtsstimmung?

Nach eineinhalb Stunden sind Rede und Fragestunde vorbei. Für manche Schüler zu lange. „Aber er hat viel Interessantes erzählt“, meint Schülerin Emely Schwarz. Vor allem das Thema Talente fördern kommt an: „Es macht keinen Sinn, wenn jeder dasselbe macht. Nicht jeder Schüler passt in eine Form“, meint Nicole Schmieg.

Info Seit 2002 lädt die Haller Bürgerstiftung im Dezember Redner aus verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Journalismus, Wissenschaft oder Politik ein, um zu den Schülern zu sprechen.