Schwäbisch Hall Mann fordert Neunjährige zum Mitgehen auf - Polizei nimmt Stellung

Der Aufzug am Ende der Salinenstraße.
Der Aufzug am Ende der Salinenstraße. © Foto: WAG
WOLF-DIETER RETZBACH 11.12.2015
Ein Mädchen macht in Hall zwei merkwürdige Erfahrungen mit Männern. Die Polizei untersucht die Fälle. Dennoch sagt die Polizei zu solchen Vorkommnissen, dass es meistens keinen Grund zur Sorge gibt.

Das Mädchen, neun Jahre alt, fährt am 23. November gegen 16.30 Uhr mit dem Aufzug am Ende der Salinenstraße (Froschgraben) hoch zur Marktstraße. Ein Mann springt im letzten Moment in den Fahrstuhl, in dem sich auch eine ältere Dame befindet. Oben angekommen, verfolgt der etwa 25-Jährige das Mädchen in der Marktstraße, hält und spricht sie an. Er wolle ihr etwas zeigen, sie solle kurz mit ihm mitkommen, sagt der Mann. Die Neunjährige sagt "Nein", aber der Unbekannte lässt nicht locker. Es dauere auch nur ganz kurz, sagt er und lügt das Mädchen an: Er habe mit ihrer Mutter gesprochen, diese wisse Bescheid, das sei in Ordnung. "Wir sind auch gleich wieder zurück." Das Mädchen sagt laut "Nein, ich will nicht", wechselt die Straßenseite und läuft nach Hause. Der Mann wendet sich ab und biegt in die Neue Straße ein.

2015: Acht Vorfälle in der Stadt Hall, 24 im Kreis gemeldet

Diese Begebenheit erzählt die Mutter des Mädchens dem HT, ebenso wie eine weitere: An einem frühen Oktobermorgen hielt ein älterer Mann das Mädchen am Ende der Oberen Herrngasse fest und zwang ihr Süßigkeiten auf. Die Neunjährige lief weg und schmiss die Sachen fort, der Mann folgte ihr daraufhin nicht.

Zu diesem Vorfall teilt Polizeioberkommissar Rudolf Bihlmaier vom Polizeipräsidium Aalen mit: "Die Ermittlungen ergaben keine Hinweise auf einen ernsthaften Hintergrund." Auch den Fall in der Marktstraße untersuchen die Beamten. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, zum Verhalten des Mannes könne deshalb "noch keine abschließende Beurteilung" abgegeben werden.

Grundsätzlich würden der Polizei immer wieder Vorfälle berichtet, bei denen Kinder von fremden Erwachsenen in verdächtiger Art und Weise angesprochen werden. In der Stadt Schwäbisch Hall wurden in diesem Jahr acht und im gesamten Landkreis Hall 24 solcher Vorfälle gemeldet. "Die Polizei nimmt eine jede solche Meldung ernst", betont Bihlmaier.

Unabhängig von dem Fall des Haller Mädchens betont Bihlmaier aber auch: "Wir dürfen weder bei den Kindern noch bei den oft sehr besorgten Eltern Ängste schüren, denn wie unsere Ermittlungen zeigen, fehlen letztlich fast immer die objektiven Anlässe für die Sorge."

Keine Antworten in den Mund legen: Verhaltenstipps der Polizei

Ruhe Oberkommissar Rudolf Bihlmaier gibt Verhaltenstipps, ohne dass mit diesen Ratschlägen Ängste geschürt werden sollen. So sollten Kindern Tipps (etwa Weglaufen, andere Passanten ansprechen, Hilfe holen) für bedrohliche Situationen gegeben werden. Kinder sollten stark gemacht werden, um "Nein" sagen zu können. Die Notrufnummer sollte mit ihnen geübt werden. Nützliche Absprachen: Wo und wann sind die Eltern zu erreichen? Rettungsinseln (etwa beim nächsten Geschäft oder der Tankstelle) sollten geschaffen werden. Eltern sollten in einem Verdachtsfall Ruhe bewahren, "keinesfalls in Hysterie ausbrechen". Sie sollten das Kind anhören, ohne "nachzubohren": Man dürfe dem Kind keine Antworten in den Mund legen, so Bihlmaier. Falls es einen Zusammenhang mit der Schule gibt, sollte die Schulleitung informiert werden.

Vorgehen Zum Vorgehen von Tätern sagt Bihlmaier, dass diese versuchten, Vertrauen zu gewinnen - etwa mit Aussagen wie "Ich kenne die Eltern" oder "Die Eltern wissen Bescheid und sind gute Freunde". wd