Schwäbisch Hall Malia beendet das 7. internationale Jazz-Art-Festival in der Haller Hospitalkirche

Schwäbisch Hall / HANS KUMPF 26.03.2013
Das letzte Konzert des 7. Jazz-Art-Festivals in Schwäbisch Hall war seit Tagen ausverkauft. Malia zog die Massen an mit Songs von Nina Simone (1933 -2003), die am Dienstag ihren 80. Geburtstag hätte feiern können.

Die Afroamerikanerin Nina Simone schreckte zu Lebzeiten so manche Veranstalter, wenn sie für ihren Auftritt noch schnell einen kühlenden Ventilator auf dem Flügel postiert haben wollte. Und als ihr Haus in Südfrankreich einem Feuer heimfiel, ließ ihr Management verlauten, Brandursache sei ein wegen zu vieler Konzertanfragen heiß gelaufenes Faxgerät gewesen.

Weit unkomplizierter kommt Malia daher, 1978 im südostafrikanischen Kleinstaat Malawi als Tochter einer einheimischen Mutter und eines britischen Vaters geboren. Nun lebt sie in Zürich. Mit dem Album "Black Orchid" zollt sie auf eigene Weise Nina Simone ihren Tribut. Bei dem häufig im Radio gespielten Welthit "My Baby just cares for Me" fehlen die holprigen Klavierläufe in fugativer Barocktechnik. Stattdessen zelebriert Malia Ruhe und Innerlichkeit, in Hall kongenial unterstützt von einem französischen Trio mit dem Pianisten Alexandre Saada, dem Bassisten Jean-Daniel Botta und dem Schlagzeuger Laurent Sériès. Da flicht sie mit ihrer angenehmen Alttonlage, die auch zu glockenreinen Sopranhöhen aufsteigen kann, improvisatorisch Melodie-Variationen ein. Oft erinnert Malia im etwas aufgekratzten Timbre an die große Billie Holiday. Mit voluminöser Stimme interpretiert sie "I love(s) you, Porgy" von George Gershwin. Ein sehr langsames Liebeslied, bei der die mehr an Klassik als an Jazz orientierte Begleitband auf solistische Selbstverwirklichung verzichtet.

Eine emotionale Reise

Ein unvergesslicher Moment: Wie einst Thijs van Leer von der holländischen Gruppe Focus bemächtigt sich Alexandre Saada in der Hospitalkirche auf der Empore der kleinen Orgel und gegenüber von der über etliche Stufen erreichbaren hohen Kanzel singt Malia in inbrünstiger Spiritual-Manier: "Oh stairs . . . you look so high tonight, climbin up with all my might, where I got no heart to be, cause he aint comin home no more". Vor den Zugaben besinnt sich Malia doch noch auf ihr spezielles afrikanisches Erbe und intoniert in der malawischen Sprache Chiewa ein Lied im durch Miriam Makeba bekannt gewordenen Kwela-Sound.

Angetan zeigte sich Kurt Hohenstein vom Konzertkreis Triangel über das Abschlusskonzert: "Malia nimmt einen mit auf eine emotionale Reise, der man sich nicht entziehen kann und in Anbetracht ihrer Präsenz und Stimme auch nicht will. Als sie dann spontan dazu bereit war von der Kanzel nur mit Orgelbegleitung ,He aint comin Home no more zu singen, war es um die meisten Besucher geschehen. Tief berührt machten sie sich auf den Heimweg."