Künzelsau Retrospektive für Künstler und Ex-Soldat

Künzelsau / Ursula Richter 17.04.2018
Zum 80. Geburtstag des Haller Malers George Finley zeigt die Künzelsauer Hirschwirtscheuer eine Retrospektive.

Am Vortag der Ausstellungseröffnung war ­George Finley 80 Jahre alt geworden. Grund für Freunde, Verwandte und Kunstliebhaber, dem in Schwäbisch Hall und St. Andrews/Schottland wohnenden Maler zu gratulieren und sich in der Hirschwirtscheuer der Sammlung Würth eine Auswahl seiner Werke aus allen Schaffensperioden anzusehen. Nach Angaben von Samm­lungsdirektorin Sylvia Weber sind 90 Bilder im Bestand der Sammlung Würth. George Finley bedankte sich für deren  „jahrzehntelange Unterstützung meiner Kunst“.

Immer schon hat Finley gezeichnet und gemalt. „Zuerst Hasen mit langen Ohren und Lokomotiven mit viel Rauch.“ Da war er vier. Trotzdem entschied er sich für den Familienberuf und diente den USA 27 Jahre lang als Soldat, sogar in Vietnam.

In den 70er-Jahren „entdeckte der Künstler für sich ein neues Schaffensfeld, fernab aller politischen Ereignisse“, berichtet Dr. Armin Panter in seinem Fachvortrag. Der Leiter des Hällisch-Fränkischen Museums (HFM) ist mit Finley befreundet. Aus dieser gegenständlich-naturalistischen Phase sind einzelne Werke wie „Die Kocherspiegelung“ (1994) zu sehen. Viele Bilder, die Haller Stadtansichten zeigen, befinden sich in Privatbesitz. Ende der 90er-Jahre entstand Abstraktes.

Klebstoff als Farbe

George Finley demonstriert vor den „Drei Trompeten“ (2008) seine jetzige Maltechnik: Er nimmt eine Kartuschenpistole in die Hand. Sie enthält einen Zweikomponentenkleber. „Das ist meine Waffe für den Frieden“, sagt er – lächelnd, wie fast immer. Denn er ist „kompromisslos optimistisch“ (Panter). „Mit einem weißen Kreidestift mache ich eine Skizze. Der Hintergrund ist die Stimmung.“ Bei den „Drei Trompeten“ sind es knallrot übermalte Notenblätter. „Wenn der Hintergrund trocken ist, nehme ich das Gerät für die dickeren Linien und versuche, von links nach rechts alles in einem Zug zu machen.“ Und er betont: „Mit einer Linie. Wir teilen dieselbe Atmosphäre, dieselbe Welt, das Leben.“

Roland Bauer ist beeindruckt: „Mit dieser Technik kann er nicht absetzen. Das ist wie bei Radierungen, ein falscher Strich, und man kann die Platte wegwerfen. Diese Virtuosität ist bewundernswert.“ Dem Fotografen gefällt auch, dass Finley „eine gewisse Botschaft“ hat: „Er kann sich erlauben, die Völkerverständigung in seiner Kunst auszudrücken.“ Seit 2001 ist das so. „In der Tat spielte das schreckliche Geschehen des 11. September eine Rolle bei meinem Stilwechsel“, zitiert Armin Panter den Künstler. „Es wäre sicher einfach gewesen, Zerstörung und verzweifelte Menschen zu malen.“ Die Bilder seines Stils „Neue Linie“ zeigen jedoch „Wege zum friedlichen Miteinander“ (Panter).

Die eine große Umrisslinie verbindet munter kommunizierende, musizierende, tanzende, spielende Menschen. Auf dem ersten, oben und unten in einem kalten Blau gehaltenen Gemälde dieser Werkgruppe von 2002  – „Ich freue mich jedes Mal, das Bild zu sehen.“(Finley) – sind Silhouetten von zwölf Personen vor einem intensiv roten Farbfeld zu sehen. Jeweils zwei wenden sich einander zu. Ihre Militärkappen, asiatischen Sonnenhüte, Indianerstirnbänder, langen oder kurzen Haare bekommen eine geradezu kosmopolitische Anmutung. Und sie sind in dieser einen, rein weißen Linie verbunden. Finley nannte das Bild mit einer Wortneuschöpfung „Nichtfremdseinkönnen“. Armin Panter greift zu einem großen Wort: „George Finley ist ein Humanist.“

Info Die Ausstellung „Baut Brücken statt Mauern“ ist bis 7. Oktober mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Vom Soldaten zum Künstler

George Finley wurde 1938 in Denver/USA geboren. Er schlug eine militärische Laufbahn ein und kam 1961 als Offizier an die Haller Dolan Barracks. Ab 1956 zeichnete er Karikaturen und Cartoons, später malte er Landschaften. Seit 1983 ist er freischaffender Künstler. Seine Frau Doris stammt aus Schwäbisch Hall. Finley lebt in Hall und in St. Andrews/Schottland. uri

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