Musik Würth-Halle: Makellose musikalische Präzision

Schwäbisch Hall / Rainer Ellinger 19.06.2018
Das „Trio Rhapsody Three“ begeistert das Publikum in der vollbesetzten Würth-Halle.

„Kammermusik in Blau“, dieser Titel nimmt wohl Bezug auf ihre spektakuläre Darbietung, der „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin. Er könnte aber auch darauf hinweisen, dass man in Besetzungsfragen eine „Fahrt ins Blaue“ unternimmt, also etliche der Werke für die drei vorhandenen Instrumente kurzerhand adaptiert und dabei nichts verfälscht.

Es sind dies eine Violine – eine Stradivari aus dem Jahr 1675 – gespielt von Rebekka Hartmann, ein Saxofon, gespielt von Markus Maier und ein Konzertflügel, gespielt von der in Armenien geborenen Margarita Oganesjan. Die instrumentaltechnische Perfektion, die emotionale Kraft der musikalischen Ausgestaltung und die Perfektion des makellosen Zusammenwirkens suchen ihresgleichen.

Die Ouvertüre – in diesem Fall eine „Intrada“ im wahrsten Sinne des Wortes – der „Nussknacker Suite“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski – swingt fast. Die Pianistin spielt sehr leichtfüßig, die beiden anderen sehr expressiv. Der zweite Satz „Marche“ wird getragen vom weitgehend staccatierten Leggiero des Klaviers. Auch die Laufpassagen von Violine und Saxofon gelingen sehr flüssig. Satz drei, der „Feentanz“, besticht durch seine fast sphärische Leichtigkeit und feine Abstufungen der leisen Töne.

Innig-melodiös beginnt Antonin Dvoraks „Sonatine G-Dur“ für Violine und Klavier. Rebekka Hartmann widmet in einführenden Worten diese Interpretation dem Gedenken an ihren tags zuvor verstorbenen Freund, den Dirigenten Enoch zu Guttenberg, Vater des ehemaligen Verteidigungsministers Theodor zu Guttenberg. Der Satz erklingt phrasenweise mit deutlichem Rubato mehr plastisch. Etwas mehr Tristesse strahlt das „Larghetto“ aus. Nach dem heiter-spritzigen „Scherzo“ folgt das rasante, mit romantischem Klang und großer dynamischer Verve und Vitalität gestaltete Finale.

Im Beisein des in München lebenden deutsch-russischen Komponisten Vladimir Genin hören wir ein modern-romantisches Werk „Roadmovie“, eigens für das Trio geschrieben, als Uraufführung. Es will das Leben des „fahrenden“ Musikervolkes nachzeichnen. Aus einem ganz leisen, sphärisch entfernten dissonanten Klang entwickelt sich ein rhythmisch pointiertes, eher polyphon angelegtes Stück, das bei allem Groove weniger dem Jazz verwandt ist, als vielleicht einer Bartok’schen Klangwelt.

Sehr romantisch-ausdrucksstark ist das „Allegro moderato“ der Sonate G-Dur für Saxofon und Klavier von Camille Saint-Saens. Kantable Melodiegestaltung und flinke Läufe beider Spieler hören wir auch im „Allegro scherzando“. Im „Molto adagio“ singt das Saxofon seinen linear-elegischen Kantus, das Klavier umspielt in zartestem Pianissimo. Nach einer weiteren Eigenbearbeitung von Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ erleben die Zuhörer zwei Zugaben.

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